Mrz 122014
 

Uranus-Entdeckung

Die Entdeckung des Uranus
am 13.3.1781 um 22:58:10 GMT in Bath/England

Uranus wurde am 13.3.1781 durch den Musiker und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel (*15.11.1738 + 25.8.1822) entdeckt und dadurch „in das Bewusstsein der Menschheit geboren“. So gesehen hat der Uranus am 13.3.2014 seinen 234. Geburtstag, was mir ein willkommener Anlass ist, ihm eine astrologische Betrachtung zu widmen. Weiterlesen »

Sep 232013
 

waageingress 2013

Waageingress 2013 am 22.9. um 20:43:56 Weltzeit

Die Sonne trifft im Jahreslauf auf mehrere besonders bedeutsame Punkte im Tierkreis. Der nächste dieser Punkte liegt auf exakt 0° Waage und wird am 22.9.2013 um 20:43:56 Weltzeit von der Sonne erreicht. Das Horoskop auf diesen Punkt erlaubt eine einjährige Vorschau in den Angelegenheiten der Waage-Venus, denn dieser Punkt löst die Waage-Facette der Venus aus. Die Venus hat, da sie über zwei Zeichen, nämlich über den Stier und die Waage herrscht, auch zwei Facetten.

Eine brasilianische Redensart lautet: „Jede Liebe ist ewig, – so lange sie dauert!“

Diese paradoxe Aussage ist „astro-logisch“ im besten Sinne. Denn die Stier-Facette der Venus entspricht dem sinnlichen, irdischen und vergänglichen Aspekt der Venus und die Waage-Facette der Venus entspricht dem mystischen, kosmischen, ewigen und himmlischen Aspekt der Venus. Und jeder von uns kennt beide Aspekte der Venus. Jeder hat schon einmal erlebt, wie es ist, wenn eine Liebe endet. Im Diesseits dauert eben jede Liebesbeziehung nur so lange, wie sie halt dauert. Und oft geht das mit dem Gefühl einher, dass man über die Trennung hinaus dennoch im Unsichtbaren und im Inneren verbunden bleibt. Und jeder von uns kennt dieses Gefühl, den Anderen schon seit Ewigkeiten zu kennen, das sich oft schon im ersten Moment einer Begegnung einstellt. Wenn die Sonne 0° Waage erreicht, wird der himmlische und ozeanische Aspekt der Venus aktiviert. Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit, die im griechischen Mythos „Aphrodite“ heißt, entsteht mythologisch betrachtet in einem ganz besonderen Moment der kosmischen Entwicklung.

Noch vor jedem Anfang ist das CHAOS, was im Altgriechischen „gähnend leerer, unermesslicher Weltraum“ bedeutet. Daraus erheben sich Mutter Erde und der Gott des Sternenhimmels Uranos, astrologisch entspricht letzterem der Uranus. Und aus deren Liebesspiel gehen alle Wesen und Wirklichkeiten hervor, darunter auch die Zeit, der Titan Kronos, der dem Saturn entspricht. Irgendwann kommt es zu einem Konflikt zwischen Erde und Sternenhimmel und die Erde stiftet den Titanen Kronos dazu an, seinen Vater Uranos zu ermorden. Kronos kastriert den Uranos mit einer Sichel aus Feuerstein und wirft dessen Penis in den Ozean. Aus dem Samen und dem Blut des Uranos und dem Wasser des Ozeans bildet sich Schaum und daraus geht die „Schaumgeborene“, nämlich Aphrodite hervor. Nach der Ermordung seines Vaters Uranos übernimmt Kronos, also die Zeit und damit die Vergänglichkeit, die Weltherrschaft. Aber das Schöpferische lebt in der Gestalt der Aphrodite weiter. Denn Aphrodite, oder die Venus ist mythologisch gesehen eine Emanation, also eine Ausstrahlung des Schöpferischen. Und da nun das Schöpferische schon vor der Zeit existiert und diese erst hervor bringt, ist Venus/Aphrodite ein Prinzip, das die Zeit transzendiert. Wenn wir von Liebe und/oder Schönheit bewegt werden, werden wir aus dem linearen Ablauf der Zeit heraus gehoben, zumindest für eine gewisse Zeit. „Jede Liebe ist ewig, – so lange sie dauert!“ Die Ausdrucksformen der Venus finden wir durch unsere Fähigkeit, zu lieben – egal ob wir uns im mystischen, spirituellen oder psychologischen Sinne nach Innen richten oder ob wir uns für die Erfahrung der äußeren Wirklichkeit und anderer Lebewesen öffnen. Die Venus schafft eine Verbindung zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Form und Bedeutung, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem und triumphiert so über die Zeit und das Trennende.

Francois Boucher Triumph der Venus

„Triumph der Venus“ von Francois Boucher

Francois Boucher wurde am 29.9.1703 in Paris mit der Sonne in der Waage geboren. Sein Gemälde entspricht mit der erotischen Szene inmitten ozeanischer Bewegungen im Vordergrund und dem leuchtenden Himmel im Hintergrund sehr genau dem Mythos über die Entstehung der Aphrodite.

Mythologisch entspricht Venus der Göttin der Liebe und der Schönheit Aphrodite. Aphrodite wurde von den Schicksalsgöttinnen gesagt, dass ihre einzige Bestimmung sei, zu lieben. Ihre Begleittiere sind Wachteln, Tauben und Sperlinge, außerdem werden ihr alle Früchte und Blüten zugeordnet und natürlich auch alle Aphrodisiaka. Sie trägt einen magischen Gürtel, mit dem sie jeden in sich verliebt machen kann. Verständlicherweise haben die anderen Göttinnen des Olymp Aphrodite immer Mal darum gebeten, sich ihren magischen Gürtel ausleihen zu dürfen.

Soweit die Vorbemerkungen zur Venus, nun zu unserem Horoskop. Ich habe das Horoskop „objektiviert“, indem ich den AC auf den Punkt 0° Widder gelegt habe, der in der Hamburger Schule „die Allgemeinheit“ symbolisiert und ich verwende die Tierkreiszeichen als Häuser. Dadurch ist das Horoskop ortsunabhängig und allgemein gültig. Damit symbolisieren der Widder nun das 1. Haus und der dazu gehörende Mars im Löwen das Potential; die Fische symbolisieren nun das 12. Haus und der dazu gehörende Neptun den Hintergrund usw.

waageingress 2013

POTENTIAL:

Im Potential geht es mit Uranus im Widder um die Überschreitung bisheriger Grenzen und mit Mars im Löwen um die Eroberung neuer Erlebnisräume im Beziehungsleben. Das Quadrat des Mars zur Venus deutet auf erotische Intensität. Ähnliches gilt auch für das Biquintil zwischen Mars und Pluto, sowie für das Trigon zwischen Mond und Pluto. Mit dem Sextil zwischen Mond und Lilith (dem schwarzen Mond in der Grafik) lässt sich neutral zwischen gewohnten und eher ungewöhnlichen, normalerweise verborgenen Gefühlswelten vermitteln. Vielleicht wird es zu einer größeren Akzeptanz eigenwilliger erotischer Vorlieben kommen. Mond-Venus bedeutet soviel wie „beseelte Erotik und Ästhetik“ und die Opposition zwischen Mond und Saturn symbolisiert Empathie und Mitgefühl. Die 80°- und 160°Verbindungen zwischen Priapos, Lilith, Chiron und Sonne lassen vermuten, dass man im Umgang mit tieferen, normalerweise verborgenen Gefühlen (und deren Heilung) am Besten sehr achtsam und meditativ umgeht. Das Sextil des Mondes zum Chiron kann ekstatische Gefühlswelten erschließen und Venus-Chiron ermöglicht Heilung durch Liebe. Chiron im Trigon zum Mondknoten, zum Saturn und zur Lilith kann Kontakte zu heilenden Energien auf verborgenen und ganz grundsätzlichen Ebenen ermöglichen. Wobei die heilende Energie bei Chiron in den Fischen daraus entspringt, dass die Bewusstheit zu sich selbst erwacht, also indem wir erkennen, dass wir in unserer Essenz grenzenlose und offene Bewusstheit sind.

AUSDRUCK und UMSETZUNG:

Mit der Sonne in der Waage wird das oben dargestellte Potential im Beziehungsleben auftauchen, wobei die Venus als Herrscherin der Waage im Skorpion darauf deutet, dass es vor allem um feste Beziehungen und Partnerschaften geht. Aber es gibt noch eine andere Deutungsmöglichkeit, denn der Skorpion symbolisiert auch die Vorstellung.

BESTIMMUNG und BEDEUTUNG

Und da Saturn und Pluto in Rezeption stehen und Uranus im Quadrat zum Pluto, werden wir wohl auch im Beziehungsleben erfahren, dass einige unserer Vorstellungen aufgehoben und enttäuscht werden. Die entsprechenden Konstellationen gelten schon länger und werden noch längere Zeit – auch in anderen Erfahrungsbereichen – gültig bleiben. Es vollzieht sich dadurch seit Jahren ein Umbruch im menschlichen Bewusstsein, durch den immer wieder auf verschiedenen Ebenen bewusst wird, dass die Wirklichkeit ganz anders ist, als die Konzepte und Vorstellungen, die wir uns über die Wirklichkeit gemacht haben und machen. Auch wenn das manchmal unangenehm sein mag, so ist doch jede Enttäuschung schließlich auch das Ende einer Täuschung und damit eine Annäherung an die Wirklichkeit und den Urzustand, der durch den Neptun symbolisiert wird.

Wann immer eine Vorstellung sich auflöst, entsteht Chaos in unserem Geist, was aber nur in zweiter Linie „Wirrwarr“ oder „Unordnung“ bedeutet. Die ursprüngliche Bedeutung von CHAOS lautet im Altgriechischen „unermesslicher, gähnend leerer Weltraum“ und aus der Sicht der Mystiker ist die wahre Natur unserer Bewusstheit grenzenlos. Es ist die enorme Weite, in der die ganze Fülle des Universums auftaucht, das wir erleben. Und der Neptun, der diese Dimension in der Astrologie symbolisiert steht ganz gut, nämlich im Trioktil zum Jupiter im Krebs. Wenn wir uns von unseren überholten, begrenzenden Vorstellungen lösen, können wir einen enormen Reichtum an seelischen und erotischen Erfahrungen und einen intuitiven Zugang zur Multidimensionalität der Venus erleben.

 MK-Personar Waageingress 2013

EVOLUTION und CHANCEN

Über die evolutionären Chancen orientiert der neue Mondknoten. Die Grafik zeigt das Mondknoten-Personar, das Horoskop, das den neuen Mondknoten im Detail darstellt. Mit Uranus im Widder und Mars in der Jungfrau geht es danach darum, in der Überschreitung bisheriger Grenzen im Beziehungsleben möglichst selbstbestimmt zu sein und sich mit Uranus im Quincunx zur Sonne auf neue Erfahrungen ein zu lassen. Mit dem 108°Aspekt zwischen Mondknoten und Sonne zum Jupiter sind ekstatische und glückliche Erlebnisse möglich und es wäre gut, sich auf die Beziehungen und Partnerschaften zu konzentrieren, in denen glückliche Erfahrungen möglich sind.

Soweit diese Übersicht über das Waage/Venus-Horoskop für die kommenden 12 Monate. Es sieht also recht gut und auch sehr reichhaltig aus, vorausgesetzt, man ist bereit, auf einige seiner Konzepte und Vorstellungen zu verzichten. Dieses Horoskop zeigt das allgemeine Klima bezüglich der Waage/Venus-Themen. Um zu sehen, in welcher Weise dessen Inhalte für den Einzelnen zutreffen, muss dieses allgemeingültige Horoskop astrologisch mit dem individuellen Horoskop in Beziehung gesetzt werden. Diese und andere Methoden, die in meinem „astrologischen Labor“ kürzlich entstanden sind, ermöglichen tiefe Einsichten in alle Themen, die von Aphrodite, der Göttin der Schönheit und der Liebe regiert werden.

Mögen Schönheit und Liebe triumphieren!

Alles Gute
Vincento

 23. September 2013  Veröffentlicht von um 14:42  Allgemein, Astrologie, Methoden Tagged with: , , , , , , , , , , , ,  Keine Antworten »
Mrz 252013
 

FRAGESTELLUNG

Jahrelang hatten mich folgende Fragen beschäftigt: Wie kann man zu einem erweiterten und allgemeingültigen Bild der astrologischen Konstellationen und ihrer Bedeutung kommen? Und wie kann man die in den astrologischen Konstellationen selbst enthaltenen Lösungsmöglichkeiten erfassen? Mit anderen Worten, – wie finde ich das Wissen, das ich brauche, um als Astrologe wirklich gut beraten zu können?

LÖSUNG

Am 15.3.1995 kam mir ein Einfall, der zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen geführt hat. Die Grundidee ist ganz einfach: Wenn man wissen möchte, welche allgemeingültige astrologische Bedeutung ein Planet für die Menschheit hat, dann macht man ein Horoskop auf den Moment seiner Entdeckung. Dadurch erhält man ein allgemeingültiges Bild, ein Horoskop, dass die Bedeutung dieses Planeten für die Menschheit zeigt. Bei den seit jeher sichtbaren Himmelskörpern nimmt man vergleichbare Momente aus der astronomischen Forschung, wie die Mondlandung oder die erste astronomische Fotografie der Sonne.

VORTEILE

Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen darin, dass man zu allgemeingültigen astrologischen Bildern kommt, denn die Entdeckung eines neuen Planeten, die erste Mondlandung und vergleichbare Momente in der astronomischen Forschung sind objektive Vorgänge, die zeitlich und räumlich genau definiert werden können. Im räumlichen Sinne relevant sind natürlich die Orte auf der Erde, die mit den jeweiligen Momenten der astronomischen Forschung in Verbindung stehen.

Man bekommt bei dieser Vorgehensweise ein ganzes Horoskop für die astrologische Grundbedeutung eines Himmelskörpers und so ein allgemeingültiges, objektives und erweitertes Bild, mit dem man astrologisch wirklich arbeiten kann. Es lassen sich „metaastrologische Portraits“ der Himmelskörper entwickeln, die einem genau zeigen welche Bedeutung ein Himmelskörper wirklich hat. Außerdem lassen sich daraus astrologisch begründete Empfehlungen entwickeln, denn wie jedes Horoskop enthalten auch diese Horoskope den neuen Mondknoten, aus dem sich die jeweils besten Entwicklungsmöglichkeiten ableiten lassen.

Und nicht zuletzt handelt es sich hier um eine Vorgehensweise, auf die sich alle Astrologen einigen können, weil sie letztlich nur auf entscheidenden Momenten aus der astronomischen Forschung und astrologischen Ideen und Methoden beruht.

CHARAKTER

Der besondere Charakter dieser Methode ist, dass sie letztlich nur auf Astrologie beruht. Viele astrologische Publikationen im 20. Jahrhundert beruhten auf Dialogen der Astrologie mit anderen Disziplinen wie der Esoterik, der Psychologie usw. Aber hier wird die Astrologie aus ihren eigenen Möglichkeiten heraus erneuert und erweitert, deshalb nenne ich diese Vorgehensweise Metaastrologie.

STATUS

Gegenwärtig gibt es drei Generationen metaastrologischer Bilder. Die Bilder der ersten Generation zeigen die Bedeutung der wichtigsten Himmelskörper im Sonnensystem, die der zweiten deren Bedeutung in den zwölf Häusern und die Bilder der dritten Generation zeigen die Grundbedeutung von Aspektverbindungen zwischen jeweils zwei Himmelskörpern. Weitere Generationen sind noch in Entwicklung. Im Vergleich mit bereits als gültig anerkannten Aussagen anderer Astrologen zeigen sich wesentliche Übereinstimmungen. Ebenso zeigen sich Übereinstimmungen mit den Aussagen des olympischen Mythos und der ursprünglichen Bedeutung der Namen der antiken Götter, der Tierkreiszeichen und anderer astrologisch relevanter Begriffe, die aus dem Altgriechischen und anderen alten Sprachen hergeleitet wurden.

 

 

Mrz 232013
 

Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Der Mond aus mythologischer Sicht

So wie es im griechischen Mythos zwei Sonnengötter gibt, gibt es auch zwei Mondgöttinnen, nämlich Semele oder Selene, die Schwester des Helios und Artemis, die Schwester des Apollon.  Zunächst zu Artemis:

Artemis, gesprochen „Artemi“ mit Betonung der ersten Silbe, Tochter von Leto und Zeus, wird mit Pfeil und Bogen dargestellt. Die Mondsichel wurde mit dem Bogen assoziiert, so ist die Mondgöttin Artemis auch die Göttin der Jagd.

Artemis bedeutet „sicher, unverletzt, etwas Ganzes“. Die Herleitung ist nicht ganz gesichert, aber aus ar wie in areti „Tugend“ und ari „Überlegenheit“ zusammen mit temes- „ich kümmere mich um jemanden“, und a-tmin „Diener“ ergibt sich letztlich artemia „Ganzheit, Gesundheit und Sicherheit“.

Artemis ist eine mächtige alte matriarchale Gottheit. Im Matriarchat sind die Grosse Mutter Erde, Gäa und der Mond die zentralen Gottheiten. Die Erde entspricht dabei wohl dem materiellen Aspekt des Seins und der Mond, als Lichtbringer, dem Aspekt des Bewusstseins. Da der Mond Ebbe und Flut beeinflusst, wurde er immer schon mit dem Wasser, und dank seiner Beziehung zum Rhythmus der Menstruation, seit jeher auch mit weiblichen Gottheiten assoziiert. Wasser, Fruchtbarkeit und zyklische Wandlung sind die zentralen Inhalte jeder Mond- und Naturreligion. Da der Mond eng mit den Rhythmen der Natur in Verbindung steht, waren die matriarchalen Kulte wohl durch ein an die Rhythmen der Natur gebundenes instinktives, intuitives Bewusstsein geprägt. Dem Mond entsprechen die Lebendigkeit, Fruchtbarkeit und Wandlungen des Seelischen und der Natur, einem Seinsbewußtsein, in dem Mensch und Natur noch völlig verbunden sind.

Neumond, Vollmond und abnehmenden Mond wurden im Matriarchat verschiedene Gestalten der dreifältigen Göttin als junges Mädchen, reife Frau und Greisin zugeordnet. So war die dreifältige Mondgöttin allgegenwärtig, z.B. als Fruchtbarkeits-, Schicksals- und Rachegöttin. Viele dieser Göttinnen fanden später auch Eingang in den olympischen Kult. Die Mondgöttin Artemis ist im Matriarchat als die „Weißgestirnte“ auch die Herrscherin über den Nachthimmel und das Sternenzelt. Sie muss aber später, unter dem Einfluss des olympischen Kultes, die Herrschaft über die Sterne an Zeus abgeben. Im olympischen Kult wird Artemis im Bild der bogenförmigen silbernen Sichel des Neumonds auch zur Göttin der Jagd und daneben hat sie folgende weitere Bedeutungen:

Artemis wurde nach einem Beschluss der drei Schicksalsgöttinnen zur Schutzgöttin der Gebärenden. Daneben beschützt Artemis die Kinder und die Tiere, obwohl sie selbst die Jagd liebt. Wie ihr Bruder Apollon kann sie Krankheit und Tod bringen, sie kann aber auch heilen.

Zeus übertrug ihr das Amt der Lichtbringerin und machte sie zur Beschützerin der Straßen und Häfen von 30 Städten auf dem Festland und den Inseln. Er gab ihr die Herrschaft über alle Berge der Welt und erlaubte ihr, sich 60 Ozeannymphen und 20 Flussnymphen als Gefolge zu wählen.

Nun zu der Mondgöttin Semele oder Selene, gesprochen „Selini“ mit Akzent auf der zweiten Silbe. Selene bedeutet „Mond“ und „Monat“. Selene war eine Geliebte des Zeus. Er näherte sich ihr, wie er es so oft bei seinen Geliebten tat, in verwandelter Form und zwar als gewöhnlicher Sterblicher. Hera, die eifersüchtige Ehefrau des Zeus, riet der im sechsten Monat schwangeren Selene, sie solle ihren Geliebten doch drängen, ihr endlich zu sagen, wer er wirklich sei. Denn sonst, so Hera, könne sie doch unmöglich sicher sein, dass sie es nicht mit einem Ungeheuer zu tun habe. Zeus lehnte es ab, seine Identität preis zu geben, Selene reagierte darauf, indem sie sich ihm verweigerte. Darauf erschien Zeus als Blitz und Donner und Selene war von seiner Erscheinung so überwältigt, dass sie starb. Hermes aber rettete ihren Sohn Dionysos und nähte ihn in den Schenkel des Zeus ein, so dass er noch drei Monate weiter reifen konnte. Dionysos, der auch „Vakhos“ genannt wird, ist der Gott des Weins, der Inspiration und der Kunst dramatischer Poesie. Er trägt bei seiner Geburt Hörner und eine Schlangenkrone. Auf Befehl der eifersüchtigen Hera wird er von den Titanen verfolgt, zerrissen und in einem Kessel gekocht. Aber dann wird Dionysos von seiner Großmutter, der Erdtitanin Rhea wieder zusammengefügt und wiederbelebt. Nach seiner Rettung durch Rhea wächst Dionysos unter dem Schutz von Persephone, der Göttin des Frühlings, der Unterwelt und der Wiedergeburt, als Mädchen verkleidet und verborgen in Frauengemächern auf.

Seine Mutter, die Mondgöttin Selene, seine Wiederbelebung durch die Erdtitanin Rhea, sein Leben als Mädchen unter dem Schutz der Persephone und sein weibliches Gefolge, die stets berauschten Mänaden, lassen vermuten, dass hier das Mondbewusstsein in der Gestalt eines männlichen Gottes mit weiblichen Zügen wieder auftaucht und an Macht gewinnt. Dionysos gilt als Urheber des griechischen Theaters und ist so eine Ergänzung zu seinem Bruder, dem Kultur stiftenden Gott Apollon. Aber im Umfeld des orgiastischen Dionysoskults kommt es auch zu Fällen von Wahnsinn und Kannibalismus. Dionysos bedeutet „der zweimal Geborene“ oder „das Kind der doppelten Tür“. Sein zweiter, älterer Name Vakhos bedeutet „jemand im Zustand von Enthusiasmus und Trance“. Vakhia bedeutet „Verrücktheit, Manie, den Verstand verlieren“, iakhos „orgiastisches Schreien“. Enthusiasmus aus enthousiasmos bedeutet „göttliche Begeisterung, Verzückung, Erregung“.

Der olympische Kult ist unter anderem auch eine dauernde Auseinandersetzung des menschlichen Bewusstseins mit der Mondsphäre, eine Emanzipation des menschlichen Geistes aus dem instinkthaften Seinsbewußtsein der Naturreligionen heraus. In der jungianischen Psychologie wird diese Phase „Der Drachenkampf“ genannt.

In der Hirnforschung wird das lymbische System, das unsere archaischen Instinkte und Verhaltensformen wie Flucht, Angriff und Verteidigung aktiviert, manchmal als „Reptilienhirn“ bezeichnet, weil dieser älteste Teil unseres Hirns im Hinterkopf schon bei den Reptilien zu finden ist. Die Frontallappen hinter der Stirn, die uns zu kreativen und sozialen Lösungen befähigen, werden manchmal „Engelsgehirn“ genannt. Mythen und Bilder vom Drachenkampf gibt es in allen Kulturen. Häufig sind nicht nur Bilder von jungen Helden, sondern auch von Engeln zu sehen, die mit dem Drachen kämpfen. Und jetzt schau mal einer an, der „Drache“ sieht eigentlich fast immer wie ein Reptil aus.

Der Drachenkampf ist der Kampf des menschlichen Geistes mit den Mechanismen des lymbischen Systems. Diese archaischen Mechanismen sind, wenn man so will, „die dunkle Seite des Mondes“. Der menschliche Geist projiziert die Inhalte seines Reptilienhirns auf das Bild eines Drachens, den er zu besiegen versucht. Die Distanz zwischen lymbischem System und Frontallappen beträgt zwar nur eine Handspanne. Aber der Weg dazwischen kann sehr lang sein. Dieser Weg besteht in dem, was wir „Kultur“ nennen. Kultur ist der Versuch, den jeweiligen Ort des Menschen zwischen den Polen der archaischen Triebsphäre einerseits und dem freien schöpferischen Bewusstsein andererseits durch eine bewusst gestaltete Balance zwischen diesen Polen zu stabilisieren. Mit Dionysos kippt die Balance des olympischen Kultes jedenfalls anscheinend in Richtung des archaischen Pols.

Um 700 v. Chr. wird Dionysos ausgerechnet durch seinen Halbbruder Apollon (!) in den Olymp eingeführt. Der Unterschied zwischen Apollon und Dionysos ist enorm. Apollon begegnen wir heute z.B. in den „Musentempeln“, also in den Kunstmuseen, Dionysos wohl eher bei Rockkonzerten und Orgien. Dionysos verdrängt dabei Hestia, die Göttin des Herdfeuers und häuslichen Friedens aus dem Olymp, die sich immer aus den Konflikten und Abenteuern der anderen unsterblichen Götter heraus gehalten hat, – was für ein Bild! Da lässt sich schon ahnen, dass nun der häusliche Frieden im Olymp verloren geht und der Verlust des Friedens in einer Gemeinschaft beschleunigt deren Untergang.
Ungefähr 150 Jahre später zeigen sich erste Tendenzen zur Auflösung des olympischen Kultes. Ungefähr von 570 bis 480 v. Chr. lebt Xenophanes, ein Philosoph, der Kritik an den olympischen Göttern übt. Im Hellenismus, ungefähr ab 350 v. Chr. löst sich die Bindung an den olympischen Kult auf. Es werden allgemein Zweifel am Sein der olympischen Götter geäußert. Es entsteht ein Kult der Tyche, des blinden, grausamen Zufalls, dem alle unterworfen sind. Wo der blinde Zufall verehrt wird, sind die Sinn stiftenden Bildordnungen nicht mehr wirksam. Dementsprechend wird der olympische Mythos danach von anderen geistigen Strömungen überlagert und in den Hintergrund gedrängt.

Die Schöpfung, wie auch die Auflösung von Bildern, Mythen und Kulten sind Aspekte menschlicher Kultur. Die bildhafte Erkenntnis führt zunächst zu einer Emanzipation des Ich’s gegenüber der Wirklichkeit. Das Unermessliche und Unfassbare einer unbegreiflichen Wirklichkeit wird im Bild, Ritual und Mythos begreifbar und damit zumindest teilweise unter die Kontrolle des Ich’s gebracht.

In einer Bewegung aus seinen eigenen früheren Stufen heraus löst sich der menschliche Geist aber immer wieder auch von seinen selbst geschaffenen Bildern und ersetzt sie durch andere, neue Bilder. Vielleicht versucht er auch manchmal ganz ohne Rituale, Kulte, Mythen und Bilder aus zu kommen, und sich der Erfahrung des Wirklichen ganz ungeschützt und unverstellt hin zu geben. Was als individuelle Bewegung des Bewusstseins gelingen kann. Aber auf der kulturellen Ebene werden Rituale, Kulte, Mythen und Bilder als Kommunikationsmittel vielleicht immer notwendig bleiben. Die menschliche Fähigkeit zur Bildschöpfung entspricht jedenfalls, wie wir sehen werden, dem Mondhaften im menschlichen Bewusstsein.

Der Mond aus astrologischer Sicht

Die essentiellsten Aussagen des meta-astrologischen Bildes des Mondes lauten: „Schöpferisch, Bild, Bewusstsein“, – der Mond entspricht dem schöpferischen Bildbewusstsein. Was unmittelbar einleuchtet, denn der Mond gilt heutigen Astrologen vor allem als Symbol für das bildschöpferische Unterbewusstsein.

Die antiken persischen und griechischen Astrologen sahen den Mond ganz ähnlich als das Prinzip der „Verzauberung“. Was nicht nur den magischen matriarchalen Kulten entspricht. Sondern die Mondsphäre entspricht als Zustand des Bewusstseins generell der „Verzauberung“, der magischen Teilnahme an der Welt und der Gebundenheit in der Sphäre emotional aufgeladener Bilder.

Das Unterbewusstsein ist bildschöpferisch. Nicht nur im Traumzustand, sondern auch in dem Sinne, als es auch bei Tag aus eigenem schöpferischem Vermögen Bilder auf seine Umgebung projiziert und dann deren Wirkung erfährt. Wobei der Fokus des Unterbewussten normalerweise auf der Erfahrung dieser Bilder und deren emotionaler Wirkung liegt, die dann die Bewegungen des Subjekts motivieren und steuern. Dass das Unterbewusstsein, astrologisch der Mond, diese Bilder selbst erschafft, bleibt dagegen oft unbewusst. Nehmen Sie einen Angsttraum als Beispiel für das Gesagte:

Wenn Sie im Traum einer Schrecken erregenden Gestalt begegnen, dann erleben Sie im Traum diese Gestalt und den Schrecken, der dadurch in Ihnen ausgelöst wird. Dass Sie selbst der Schöpfer des Traumes sind, bleibt Ihnen aber normalerweise unbewusst. Ähnliches gilt für die bildschöpferischen Aktivitäten des Mondes im Tagesbewusstsein, für die Projektionen, wo man eigene Inhalte auf andere Personen überträgt. Der Mond, das persönliche Unterbewusstsein, ist auch der Kanal für Inhalte aus tieferen Schichten des Unterbewussten. Wir unterscheiden in der Astrologie drei Schichten des Unterbewussten:

Der Mond repräsentiert das persönliche Unterbewusstsein.
Der Pluto symbolisiert die aus der Ahnenreihe übernommenen Inhalte.
Der Neptun entspricht dem grenzenlosen allgemeinen Unbewussten.

Das persönliche Unterbewusste (Mond) entwickelt idealer weise die von den Vorfahren ererbten Bilder (Pluto) in einer schöpferischen, individuellen Form weiter und ordnet sie neu. Das ist genau das, was z.B. beim „Familien-Stellen“ und anderen systemischen Therapien geschieht. Es ist aber auch möglich, was schade wäre, dass man seelisch in den ererbten Inhalten einfach nur „stecken bleibt“, und sie beibehält, ohne sie für sich zu differenzieren.

Der Mond speichert Einschläge aus dem Grenzenlosen (Neptun). Allgemeine unbewusste Inhalte können als die tiefer liegenden Bildstrukturen zur prägenden Orientierung des persönlichen Unterbewussten werden. Denken Sie sich zur Illustration einen Inhalt im allgemeinen Unbewussten wie eine mächtige Strömung in einer tiefen Schicht des Ozeans, der die kleineren Strömungen an der Oberfläche des Ozeans beeinflusst.

Hier ist es notwendig, zwischen persönlichen und allgemeinen Inhalten zu unterscheiden und erst dann den allgemeinen Inhalt zu integrieren. Wenn man sich mit einem Archetyp (Urbild) aus dem allgemeinen Unbewussten identifiziert, bläht der allgemeine Inhalt das Ich ins Maßlose auf. Und wenn die Identifikation mit diesem allgemeinen Inhalt zusammen bricht, bricht auch dieses aufgeblähte „Ich“ wieder zusammen. Wenn man einen Archetyp aber einfach nur ablehnt, fehlt die Orientierung und Energie, die durch diesen Archetypus angeboten wurden.

Weiter fällt aus meta-astrologischer Sicht auf, dass der Mond dazu tendiert, sich wie in einer kreisförmigen Bewegung emotional an bestimmte Inhalte oder Personen zu binden, die dann wiederum die Emotionen in Gang bringen und dadurch die Bindung an diese Inhalte oder Personen erneut verstärken. Das ist genau das, was man als „seelische Muster“ bezeichnet. Wenn dies im Sinne einer zunehmenden Zuneigung innerhalb einer glücklichen Beziehung geschieht, wunderbar! Aber dem Mond entspricht in dem Zusammenhang leider auch die Neigung zum sich wiederholenden „Drama“.

Bestimmte Muster werden, wie unter einem Zauber stehend, immer wieder ausagiert und erlebt, selbst wenn sie sehr schmerzhaft sind, bis man sie als vom eigenen Unterbewussten erschaffen erkennt. Der Entwicklungsweg des Mondes liegt darin, sich selbst bewusst als schöpferisch, oder als eine Bilder und Begegnungen schaffende Aktivität des Schöpferischen zu erleben. Im Drama gibt es die gleichermaßen demütigenden Rollen von Opfer und Täter. Erkennt man sich als deren Schöpfer, wird man davon frei.

Solange wir die Gefangenen und Sklaven unserer seelischen Dramen und Muster sind, kann von Freiheit keine Rede sein. Individuelle Freiheit und damit auch unsere Verantwortung, resultieren erst aus der Chance zu freiem und bewusstem schöpferischen Ausdruck und Verhalten. Ausdruck und Verhalten entsprechen astrologisch der Sonne.

Soweit dieses Portrait des Mondes

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Prozeduren. Das „Trinkgold“ ist eine alchemistische Essenz, die aus Gold hergestellt wird. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Zunächst einiges zur Sonne aus mythologischer Sicht:

Die Sonne steht im griechischen Mythos mit den Göttern Helios und Apollon in Verbindung. Obwohl die Sonne offensichtlich der bedeutendste aller Himmelskörper ist, spielt der Sonnengott Helios im Mythos fast nur eine Nebenrolle. Er gilt als Sohn der Titanen Hyperion und Theia. Aber Zeus (Jupiter), Hermes (Merkur), Aphrodite (Venus) und andere olympische Götter gelten als viel bedeutender als die Sonne. Der olympische Kult ist eine Synthese, eine Brücke zwischen matriarchalen und patriarchalen Kulten. Er ist weder eine reine Mond, noch eine reine Sonnenreligion. Vielleicht könnte man ihn als polytheistische Planetenreligion bezeichnen, in der Zeus, dem der größte Planet Jupiter zugeordnet ist, als der mächtigste unter den Göttern gilt. Sonne und Mond spielen jedenfalls relativ untergeordnete Rollen.

Als Zeus die griechischen Städte und Inseln unter den Göttern verteilte, hat er Helios ganz einfach vergessen. Aber Helios war nicht gekränkt, als er davon erfuhr und begnügte sich mit der Insel Rhodos, die gerade erst aus dem Meer aufgetaucht war. Helios Schwestern sind Selene (Mond) und die rosenfingrige Eos (Morgenröte). Er fährt täglich mit einem vierspännigen Wagen von Ost nach West über den Himmel und wird auch als der „Allessehende“ bezeichnet.

Etymologisch kommt Helios, gesprochen „Ilios“ mit Akzent auf der ersten Silbe, aus safelios verwandt mit suil „Auge“, verwandt mit sanskrit suvar „Himmel und Sonne“ und mit sanskrit suryah „Sonne“. Der Zusammenhang: Sonne, Licht, Sehen, Auge und Bewusstsein liegt auf der Hand. Wir kommen noch darauf zurück, zunächst eine recht bekannte Geschichte:

Eines Tages will Phaethon, ein Sohn des Helios auch einmal den vierspännigen Wagen seines Vaters über den Himmel fahren, um seinen Schwestern und seiner Mutter zu zeigen, was für ein toller Kerl er ist. Vater Helios stimmt zu, aber Phaethon fährt erst zu hoch, so dass alles auf Erden erfriert und dann zu tief, so dass alles auf Erden verbrennt, bis ihn Zeus aus Zorn darüber mit einem Blitz erschlägt. Diese Geschichte erscheint uns zunächst vielleicht nicht als ein Mythos mit tiefer symbolischer Bedeutung, sondern eher als eine Lehrfabel zum Thema „Kindererziehung und Papas Auto“. Aber hier taucht das Thema Balance auf, das im Mythos des olympischen Sonnengottes Apollon auch wieder eine Rolle spielt und auch das Thema „Verantwortung“ wird angesprochen. In der Astrologie steht die Sonne für das individuelle Verhalten und in dem Sinne auch für Verantwortung.

Als sehr aufschlussreich zur Bedeutung der Sonne erscheint mir eine Skulptur vom Kopf des Helios, die man im Museum von Rhodos sehen kann. Der majestätische jugendliche Kopf ist leicht nach hinten geworfen, der Mund ist etwas geöffnet, der Blick der weit geöffneten Augen ist ungefähr in einem von Winkel 30° nach oben gerichtet, das Gesicht wirkt wie in stiller Ekstase, wie staunend hingerissen dem grenzenlosen Himmelsraum hingegeben.

Haltung und Ausdruck dieser Skulptur gleichen verblüffend der inneren und äußeren Haltung im Dzogchen, einer östlichen Meditationsmethode, bei der man mit leicht geöffnetem Mund, offenen Augen und leicht zurück gelehnt meditiert. Da der olympische Mythos von indoarischen Einwanderern mit möglicherweise zentralasiatischer Herkunft mitbegründet wurde, die auch die indische Kultur beeinflusst haben, finden sich in der griechischen Kultur immer wieder Elemente, die an Indien und an Zentralasien erinnern. Im Dzogchen wird gesagt, dass die Augen über subtile Energiekanäle mit dem Herzzentrum verbunden sind, in dem „dauernd die Sonne des Rigpa aufgeht“, wenn das Herz gereinigt ist. Rigpa ist die Urintelligenz, die Alle anderen Zustände des Geistes erzeugt, umfasst und überschreitet. Im Dzogchen werden die Augen offen gehalten, um das Herzzentrum zu stimulieren. Es liegt, wie gesagt, klar auf der Hand, dass zwischen Sonne, Licht, Sehen, Auge und Bewusstsein ein Zusammenhang bestehen muss. Und die Sonne wird seit jeher mit dem Herz und dem feinstofflichen Herzzentrum in Verbindung gebracht.

Dieser Zusammenhang erweitert und vertieft sich, wenn wir uns Apollon, dem zweiten Sonnengott im Mythos zuwenden. Unter den olympischen Göttern ist vor allem Apollon, speziell unter seinem Beinamen „Phoibos“ mit der Sonne verbunden. Das Adjektiv „phoibos“ ist als Substantiv ein anderer Name für Apollon und bedeutet „strahlend, leuchtend, klar, rein“. Apollon wurde erst relativ spät als Sonnengottheit verehrt. Er trug den Namen Phoibos aber schon lange vorher, weil einer seiner wichtigsten Züge seine Jugendlichkeit war, und Jugendlichkeit mit „strahlend, leuchtend, klar, rein“ usw. assoziiert wurde.

Apollon gilt als Gott des Lichtes, der Musik, Poesie, Philosophie, Astronomie, Mathematik, Naturwissenschaften und der Wahrsagekunst. Vielleicht ist die Sonne in Gestalt des Apollon als das Licht des Bewusstseins des antiken Menschen zu verstehen, der durch Künste, Wissenschaften und andere Erkenntnisse die Wirklichkeit erschließt und gestaltet. Natürlich hat Apollon wie andere antike Götter zahlreiche Liebesbeziehungen und es gibt Wettkämpfe und Konflikte in seinem Leben. Aber charakteristischer für ihn erscheinen andere Episoden. Da sind zunächst die Umstände seiner Geburt:

Apollon ist, wie seine Zwillingsschwester die Mondgöttin Artemis, ein Kind des Zeus und der Leto. Sein Vater Zeus unterhielt neben seiner Ehe mit Hera zahlreiche Liebesbeziehungen zu anderen Frauen. Leto aus lanthano, latho oder letho bedeutet „Aufmerksamkeit vermeiden, unbekannt sein, unsichtbar bleiben“, aus lathrios „versteckt bleiben“. Als Leto von Zeus schwanger wurde, entsandte die eifersüchtige Hera, um sich zu rächen, die Schlange Python. Sie sollte die Leto verfolgen und die Geburt ihrer Kinder verhindern. Da tauchte die Insel Delos aus den Wogen des Meeres auf, damit Leto einen Ort fände, wo sie geschützt vor Heras Zorn, Artemis und Apollon gebären konnte. Delos bedeutet „klar, sichtbar“. Die Geburt der Götter des Lichtes, des Sonnengottes und der Mondgöttin geht also mit einer Bewegung des Versteckten, Unsichtbaren (Leto) an einen Ort der Klarheit und des Sichtbaren (Delos) einher. Das Licht der Insel Delos ist übrigens tatsächlich atemberaubend und die Insel war bis 88 n. Chr. ein bedeutender internationaler Handels- und Kultort mit Tempeln syrischer, römischer, ägyptischer und griechischer Götter, deren Überreste man heute noch dort sehen kann. Einige Tage nach seiner Geburt verlangte Apollon nach Pfeil und Bogen, die ihm der Götterschmied Hephaistos besorgte, und begann die Schlange Python zu verfolgen. Schließlich tötete er Python im Schrein zu Delphi, machte den Ort zu seinem Heiligtum und zur berühmtesten Orakelstätte der Antike.

Das „Apollinische“ gilt heute Manchen als das Prinzip der Harmonie und Ordnung in der Kultur, während das „Dionysische“ für die orgiastischen, wilden und ekstatischen Ausdrucksformen in der Kultur steht. Aber am Anfang seiner Entwicklung ist Apollon auch nicht ohne Wildheit und sein Umgang mit seinen Gegnern ist nicht nur fair. Dann jedoch ergibt sich ein Konflikt mit seinem Vater Zeus, dessen Folgen seiner Entwicklung eine andere Richtung geben. Ein Sohn des Apollon, der Arzt Asklepios (römisch Äskulap) hatte es gewagt, einen Toten wieder zu erwecken, worauf sich Hades, der Herrscher des Totenreiches, bei Zeus beschwerte. Zeus tötete Asklepios mit einem Blitz und Apollon rächte sich, indem er die Waffenschmiede seines Vaters, die Kyklopen ermordete. Hätte nicht seine Mutter Leto für ihn vermittelt, wäre Apollon dafür von Zeus in die Unterwelt des Tartaros verbannt worden.

Ähnlich wie Phaeton, der Sohn des Helios, hatte auch Asklepios, der Sohn des Apollon durch sein Handeln die grundsätzliche Ordnung in Frage gestellt und gefährdet. Auch die Söhne der Sonnengötter haben sich dem Gesetz des Zeus zu fügen! Zur Strafe diente Apollon ein Jahr lang dem König Admetos. Danach wandelte sich sein ganzer Lebensstil und er orientierte sich an den Prinzipien „Erkenne dich selbst“ und „Nichts im Übermaß“. Schließlich wurde er zum Lehrer der Musen, die die Wissenschaften und Künste inspirieren.

Die Grundprinzipien des Sonnengottes Apollon Phoibos sind danach folgende:

Erstens Erkenntnis, schon symbolisiert im Namen seines Geburtsortes Delos – „klar, sichtbar“, symbolisiert aber auch in seiner Herrschaft über die Orakelstätte von Delphi, die der Erkenntnis des Willens der Götter und des Schicksals diente und in seiner Herrschaft über die Wissenschaften und nicht zuletzt in seinem Credo „Erkenne dich selbst“. Zweitens Harmonie und Balance in seiner Bedeutung als Gott der Musik und in seinem Wahlspruch „Nichts im Übermaß“.

Zum Prinzip Erkenntnis gibt es im Beinamen des Helios, der „Allessehende“ eine Parallele. Und die Frage der Balance erscheint auch schon in der Fabel über Helios’ Sohn Phaeton, der in seiner Fahrt über den Himmel das richtige Maß verlor. Die astronomischen Entsprechungen dazu sind, dass uns das Licht der Sonne die irdische Wirklichkeit erkennen lässt und dass die Sonne als Schwerpunkt des Sonnensystems diesem Balance und Harmonie gibt.

Nun zur Sonne aus astrologischer bzw. metaastrologischer und alchemistischer Sicht:

Nach dem metaastrologischen Schlüsselbild für die Sonne ist diese das koordinierende, bestimmende, balancierende und steuernde Zentrum eines lebendigen, sich selbst regulierenden Systems. Passend zu den astronomischen Gegebenheiten spricht das metaastrologische Bild der Sonne davon, dass die Sonne die Energie dieses Systems gebiert und vermittelt. Dem entsprechen:

1. die Sonne in ihrer Wirkung und Bedeutung für das Sonnensystem,
2. das Herz in seiner Wirkung und Bedeutung für den menschlichen Körper
3. das Herzchakra in seiner Bedeutung für den menschlichen Energiekörper.

Die Sonne wird in der Astrologie traditionell dem Herz zugeordnet, dies gilt auch in der Alchemie. Dass aus meta-astrologischer Sicht das die Sonne umgebende System als ein „lebendiges System“ erscheint, finde ich besonders schön, weil die antiken Kulturen die Himmelskörper als die physischen Leiber von Göttern und damit als etwas Lebendiges gesehen haben.

Letztlich ist die Sonne die energetische Funktion des gesamten Systems und dieses System erscheint aus meta-astrologischer Sicht energetisch als rezeptiv. Was passt, weil das Sonnensystem ja die Energie der Sonne aufnimmt. Diese Aussagen decken sich auch mit der Wirkung des alchemistischen Trinkgoldes. Auf der metallischen Ebene entspricht die Sonne ja seit jeher dem Gold. Tests zur Wirkung des alchemistischen Trinkgoldes ergaben:

1. Das Energieniveau wird insgesamt erhöht.
2. Die Produktion und Speicherung der Lebensenergie Chi wird direkt angeregt.
3. Übergeordnete Steuerungsebenen im menschlichen Energiesystem werden aktiviert.
4. Eine Harmonisierung energetischer Ungleichgewichte und Blockaden wird in Gang gesetzt.
5. Basis-, Herz- und Kronenchakra werden angeregt.

Im Weiteren erscheint die Sonne aus metaastrologischer Sicht als ein Außenseiter mit neutraler Haltung in seinen Aktivitäten. Auch das ist „sonnenklar“, – denn als einziger Stern in einem System von Planeten und Monden ist die Sonne tatsächlich ein Außenseiter und neutral ist sie auch. Sie strahlt ihre Kraft unparteiisch in jede Richtung aus, sie schenkt allen Planeten ihr Licht. Die Sonne verströmt sich voller Hingabe in Alle Richtungen, was an den Gesichtsausdruck der Skulptur des Helios auf Rhodos erinnert. Die Sonne hat zahlreiche weitere Bedeutungen, hier die wesentlichsten in Kurzform:

Die Sonne vermittelt in höhere Ebenen, macht Verdrängtes im erneuten Erlebnis bewusst, stärkt die Erkenntnisfähigkeit, und erweitert Bewusstsein und Wahrnehmung. Ihre Bedeutung liegt in der lebendigen Kraft zum Ausdruck und in der Fähigkeit zur Selbsterkenntnis. Was hier über die Sonne gesagt wurde gilt analog auch für das alchemistische Gold.

Dessen Wirkungen unterstützen den Weg zur Stufe der Rubedo, in der die Sonne dem Basischakra zugeordnet wird. Da die Sonne aus metaastrologischer Sicht Energie gebiert bzw. erzeugt und das Basischakra als Ursprung der Kundalini gilt, macht diese Sicht, wenn auch sehr ungewohnt, doch Sinn. Nehmen wir die Rubedo als Ziel des alchemistischen Wandlungsweges an, dann sollte die Sonne mit all ihren Qualitäten die Basis unserer Existenz und unserer inneren Wirklichkeit bilden. Wenn wir dies ernst nehmen, dann würden Balance, Erkenntnis und selbstverantwortliches Handeln die Basis unserer Existenz bilden. Wir wären im tiefsten Grunde unseres Seins „leuchtende Außenseiter“ mit neutraler Haltung in unseren Aktivitäten, wir würden wie die Sonne unser Licht und unsere Kraft allen schenken.

Metaastrologisch gesehen ist auch die Sonne ein Wesen in Entwicklung. Die astrologische Symbolik für die Entwicklung einer Person oder Situation sind die Mondknoten. Einer der beiden, der „südliche Mondknoten“ zeigt die Anfänge, der andere „nördliche Mondknoten“ zeigt das Ziel einer Entwicklung. Bezogen auf unseren individuellen Lebensausdruck und unser Verhalten, besteht der Anfang des Sonnenweges tatsächlich darin, dass wir nach unseren eigenen Werten selbst verantwortlich handeln. Wir sollten unsere eigenen, nicht irgendwelche fremden Werte zum Ausdruck bringen. Am Anfang gehört das Außenseitertum dazu, aber das ist erst der Anfang, die Nigredo der Sonne.

Nun zur Rubedo der Sonne: Diese besteht darin, dass wir unser Licht unterschiedslos verschenken. Mit anderen Worten, wir bleiben wir selbst, und was auch immer geschieht, nämlich einfach bewusst = Licht und erlauben den Wirklichkeiten, die im Licht unseres Bewusstseins aufscheinen, sich gemäß ihrer Eigenart von alleine zu verwandeln. Wir mischen uns nicht ein, sondern bleiben bewusst und lassen die Inhalte unseres Bewusstseins sich aus sich selbst, durch sich selbst zu einer höheren Stufe ihrer selbst verwandeln. Dies entspricht dem nördlichen Mondknoten oder der Rubedo der Sonne. Und diese geistige Haltung entspricht auch der geistigen Haltung im Dzogchen.

Soweit dieses Portrait der Sonne.

PS: Mehr über das im Text erwähnte „Trinkgold“ und weitere alchemistische Essenzen finden Sie auf www.horusmedia.de oder auf www.aurum-potabile.de im Internet.