Feb 182020
 

Die Sonne steht während ich dies schreibe, so gerade eben noch im Wassermann, der vom Uranus regiert wird. Morgen steht sie schon in den Fischen. Der Übergang vom Wassermann in die Fische symbolisiert nach meiner Ansicht den Übergang des individuellen in das universelle Bewusstsein und das scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein, der z. B. in der Alchemie und bei der Imagination eine große Rolle spielt.

Jedenfalls können wir heute den Uranus und den Wassermann atmosphärisch so gerade eben noch „erwischen“, weil sie noch „in der Luft hängen“. Der Uranus und der Wassermann symbolisieren den individuellen Menschen in seiner schöpferischen Potenz, Einzigartigkeit und Freiheit, wie auch die Menschheit als Ganzes. Und da stellt sich die Frage – was macht das menschliche Wesen aus?

In der Astrologie liegt es nahe, diejenigen Tierkreiszeichen als Hinweise auf spezifisch menschliche Qualitäten zu verstehen, die menschliche Bilder als Symbol verwenden. Das sind die Zwillinge für den Intellekt, die Jungfrau für die Bewusstheit, der Schütze für die Einsicht und der Wassermann für das Schöpferische. Die Zwillinge, die Jungfrau und der Schütze sind „bewegliche“ Zeichen und die beweglichen Zeichen symbolisieren Aspekte des Bewusstseins. Intellekt, Bewusstheit und Einsicht sind ja alle Aspekte des Bewusstseins.

Und auch das vierte bewegliche Zeichen, nämlich die Fische symbolisieren einen Aspekt des Bewusstseins, nämlich das fließende, grenzenlose, universelle Bewusstsein. Aber hier haben die Schöpfer des Tierkreises kein menschliches Bild verwendet, sondern zwei miteinander verbundene Fische. So betrachtet gibt es menschliche Facetten des Bewusstseins und ein universelles Bewusstsein, das diese menschlichen Bewusstseinsformen überschreitet.

Was macht das menschliche Wesen aus?

Aus astrologischer Sicht ist der Mensch ein bewusstes Wesen, das über Intellekt, Vernunft und Einsicht verfügt und im Sinne des Wassermanns ist er ein schöpferisches Wesen. Und all diese Qualitäten sind nicht als statisch, sondern als in Entwicklung befindlich zu denken. Und da nun der Uranus auch die ganze Menschheit symbolisiert, könnten wir uns auch die Menschheit als ein schöpferisches Wesen mit vielen Bewusstseinsfacetten denken, aber eben in Entwicklung befindlich. Und in Entwicklungen gibt es natürlich gelegentlich auch Krisen.

Es wird derzeit oft davon gesprochen, dass wir globale oder planetarische Krisen haben, was ja grundsätzlich richtig ist. Aber ich meine, wir müssen zwischen Menschheit und Planet unterscheiden. Der Planet ist ein Paradies! Nur was die Menschheit ist, oder werden möchte, scheint gerade der Menschheit selbst noch nicht so ganz klar zu sein.

Wenn wir nicht zwischen Planet und Menschheit unterscheiden, können wir leicht in etwas verwirrte Denkmuster fallen. Wir reden dann vielleicht davon, dass „die Welt schlecht ist“. Und wenn wir in dieser Richtung zu lange weiter denken, denken wir am Ende womöglich daran, den ganzen Bettel hinschmeißen.

In meinen Kreativitätskursen war es den Teilnehmern nicht erlaubt, ihre Bilder mit Worten herunter zu machen, zu zerstören oder weg zu schmeißen. Immerhin waren es Kurse für Kreativität und nicht für Destruktivität! Es galt die Regel, alle Bilder auf zu bewahren, um später im Rückblick darauf die eigene Entwicklung besser wahrnehmen zu können und außerdem wollte man ja vielleicht gelungene Details misslungener Bilder später einmal in einer Collage verwenden? Es gibt da einen wunderbaren Satz von Wilhelm Busch:

„Das Gute, und dieser Satz steht fest,
ist stets das Böse, das man lässt!“

Dieser Satz passt, weil er eine überraschende Wendung enthält – was dem Uranus entspricht – und man könnte sagen, dass alle Energie die man ins Schöpferische, Konstruktive investiert, von ganz allein und wie nebenbei dem Destruktiven verloren geht.

Meine Mutter sagte einmal: „Weißt Du was, mein Junge? Die Jungs wollen sich profilieren. Sie wollen Aufmerksamkeit. Und wenn sie sich nicht durch konstruktive Aktionen positiv profilieren können, dann profilieren sie sich halt negativ durch destruktive Aktionen.“

Aber beim Uranus ist es erstmal egal, ob wir uns profilieren und ob andere Menschen unsere Schöpfungen gut finden oder nicht. Beim Uranus geht es zunächst um etwas anderes. Denn der Uranus und sein Zeichen der Wassermann symbolisieren den Menschen in seiner schöpferischen Potenz und individuellen Einzigartigkeit. Und da geht es darum, dass man aus dem eigenen Erleben und Begreifen heraus etwas tut, das einem Freude macht.

Dass das dann die Welt vielleicht auch im Ganzen schöner machen kann, ist möglich. Und es ist gut, seine schöpferischen Impulse und Ideen auch zu kommunizieren. Aber zunächst einmal geht es darum, etwas zu tun, das einem so viel Freude macht, das man es um seiner selbst willen tut. Eine Sache, die ihr Ziel in sich selbst hat und nicht irgendwelchen anderen Zwecken dienen muss, die außerhalb dieser Sache liegen.

Um schöpferisch zu sein, muss man übrigens keine Musik machen, Skulpturen gestalten, Gedichte schreiben oder sonst einer Kunstform nachgehen. Es reicht etwas das einem Freude macht, um seiner selbst willen zu tun, z. B. ein Gespräch zu führen, einfach um ein Gespräch zu führen. Das kann ja auch ein Selbstgespräch sein! Da muss man dann halt nur schauen, ob man einen interessanten Partner findet. Und vielleicht wurde ja auf der Suche nach einem interessanten Partner für gute Selbstgespräche irgendwann einmal das Beten erfunden? 🙂

Jedenfalls verbindet der Uranus unsere subjektive Erlebniswelt mit dem was jenseits davon liegt – so dass wenn wir schöpferisch werden, etwas Wirkliches zu tage tritt, das über die bisherigen Grenzen unserer subjektiven Erlebniswelt hinausweist.

Lasst mich noch einmal zum Anfang zurückkehren, wo ich sagte, dass der Übergang vom Wassermann zu den Fischen den Übergang vom individuellen zum universellen Bewusstsein markiert und dass wir diesen Übergang in diesen Tagen erfahren.

Wenn das universelle Bewusstsein wie ein Ozean ist, dann ist das individuelle Bewusstsein wie ein Strudel in diesem Ozean; ein einzigartiges Bewegungsmuster des Ganzen im Ganzen in ständiger Wandlung.

Allen Wesen Alles Gute
Vincento

18.2.2020

 18. Februar 2020  Veröffentlicht von um 19:29  Allgemein, Astrologie, Metaastrologie, Rundbriefe, Notizen und Essays Tagged with:  Kommentieren

  2 Antworten zu “Spielen, träumen, schöpferisch sein – Bewegungsformen des Uranus”

  1. Liebe Vincento,
    von Herzen Dank. Deine Impulse kommen zur rechten Zeit ;-), was in sich logisch ist. Nicht logisch ist, dass du uns dieses Geschenk machst, oder doch?
    Die Synchronizität und wie alles zusammenhängt, sich gegenseitig bedingt ist einfach ein großer schöner Tanz und du darin ein ganz besonderer Ton.
    Danke für deine Klang!

    • Danke liebe Almut,

      es gibt da mehrere Motive in meinem Handeln. Diesen Blog zu schreiben ist meine Art an unserem gemeinsamen Leben auf dem Planeten in dieser Zeit teilzunehmen, die Texte zu schreiben, hilft mir meine innere Bewusstseinslage zu klären und der Blog wirbt ja auch für meine Arbeit als astrologischer Berater.

      Alles Gute Vincento

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