Mrz 052019
 

Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama geboren am 6.7.1935 *1

Die technischen Erklärungen finden sich mit Sternchen* versehen am Ende vom Text.

Der Grundimpuls und das Potential des Dalai Lama bestehen darin, Prinzipien wie Liebe, Schönheit und Harmonie in die Lebenswirklichkeit zu tragen und durch das eigene Verhalten zu verkörpern. *2 Das Verhalten des Dalai Lama wird vom Seelischen getragen, sein Verhalten von inneren Empfindungen und der seelischen Wahrnehmung seiner Umgebung bewegt. Im Deutschen würden wir vielleicht sagen, er sei ein „Gemütsmensch“. Aber was für ein Gemütsmensch?! *3

Seine seelische Wahrnehmung und sein Verhalten sind durch Mitgefühl geprägt, er kann buchstäblich fühlen, was andere Wesen empfinden. *4 In der tibetischen Kultur gelten die Dalai Lamas als Verkörperungen des Buddhas des universellen Mitgefühls Chenrezig, in Sanskrit Avalokiteshvara. In der westlichen Astrologie gibt es zwei besonders wichtige Konstellationen für Mitgefühl, nämlich Mond/Saturn und Chiron/Neptun. Tenzin Gyatso hat beide Konstellationen.

Wer Mond/Saturn hat, kann tatsächlich fühlen, was andere Wesen empfinden. Das ist keine ganz einfache Konstellation, weil man dabei seelisch auch das Leid anderer Wesen miterlebt und eventuell sogar deren Symptome übernimmt. Das ist Mitgefühl auch im Sinne von Mitleiden und die Konstellation kann in depressive Zustände umkippen. Diese Fähigkeit zu fühlen, was andere Wesen empfinden ist bei Tenzin Gyatso aus astrologischer Sicht tatsächlich von grenzenloser, universeller Qualität. *5

Chiron/Neptun ist eine subtilere und leichtere Version von Mitgefühl. Sie hat das Potential zur unmittelbaren seelischen Anteilnahme an allem Lebendigen durch unpersönliche Liebe oder Freundschaft. Und das Erleben ist dabei auf die intuitive Erfahrung eines universellen, gemeinsamen Seins von allem was ist, ausgerichtet. Neptun/Chiron symbolisiert die völlig vorurteilslose seelische Anteilnahme an allem was lebt und die Chance, alle vom Bewusstsein fabrizierten Vorstellungen als relativ zu erkennen. Damit wird ein unendlicher, schöpferischer Freiraum zugänglich.

Mond/Saturn ist also existenzielles Mitgefühl als eine seelische intuitive Erkenntnisfähigkeit, die weit über die Grenzen der eigenen Person hinaus reicht und mit Belastungen einhergehen kann. Und Chiron/Neptun ist transzendentes, universelles, spirituelles Mitgefühl und vom Grundgefühl her weiter, heiterer, leichter, freier und offener.

Das Bild für existenzielles Mitgefühl verbindet sich mit einer Konstellation, die den Dalai Lama als Mitglied einer aus religiösen, ethnischen und/oder politischen Gründen verfolgten Minderheit ausweist. *6 Das ist eine schwierige, enorme Ängste auslösende, schmerzhafte Konstellation, die oft mit traumatischen Erfahrungen einhergeht. Und Tendzin Gyatso ist als Mensch in diese Konstellationen so eingebunden, dass seine Bestimmung darin liegt, durch sein Leben und Verhalten für diese verfolgte Minderheit – also für das tibetische Volk – Verantwortung zu übernehmen und seine „Rolle zu spielen“, was bedeutet, in seinen Ämtern und Funktionen als Projektionsfläche kollektiver Ideale, Bilder und Wünsche zu dienen und darüber hinaus als Integrationsfigur eine Orientierung zu bieten. *7

Das Bild für transzendentes, universelles Mitgefühl verbindet sich im Horoskop von Tenzin Gyatso mit Konstellationen, die man bei Heilern, Lehrern und Evolutionsagenten findet. Zunächst einmal ist er natürlich ein spiritueller, universeller oder kosmischer Heiler, Lehrer und Evolutionsagent. *8 Aus astrologischer Sicht könnte man sogar sagen, der Dalai Lama ist „von Amts wegen“ ein kosmischer Heiler, Lehrer und Evolutionsagent und er zeichnet sich dabei immer wieder durch Neutralität und liebevolle und humorvolle Rhetorik aus. *9

Und er muss „freiwillig denken“, er muss zu seinen ganz eigenen Schlussfolgerungen und Ansichten kommen. Er muss von seiner eigenen Wirklichkeitserfahrung ausgehen. *10 Oder glaubt Ihr, dass er ein Handbuch mit dem Titel „Dalai Lama leicht gemacht! Ein Kurs zum Selbststudium in 3 Schritten“ konsultieren kann? „Selbststudium“? Ja schon, aber ein Handbuch dafür gibt es wohl nicht. Natürlich hat Tenzin Gyatso wie alle anderen Dalai Lamas vor ihm eine sehr gründliche Ausbildung durchlaufen. Aber Dalai Lama im 20. und 21. Jahrhundert zu sein, ist angesichts der politischen Lage Tibets eine nie dagewesene Herausforderung. *11

Tenzin Gyatso ist ein „Regenbogenkind“ – so nenne ich die Konstellation Mond/Chiron, die anzeigt, dass jemand schon als Kind seine Umgebung an Einsichtsfähigkeit und Kreativität deutlich überragt und so eventuell schon als Kind zum Lehrer, Heiler und Evolutionsagenten für seine Umgebung wird. Die Konstellation erfordert of zunächst einen längeren Lern- und Anpassungsvorgang, aber wenn Alles gut geht, mündet sie schließlich in das Vertrauen in die eigenen intuitiven Einsichten und schöpferischen Potentiale. Dass der Dalai Lama bis heute seine Umgebung an Einsicht und schöpferischem Potential überragt zeigt sich z. B. darin, dass er sich für Dialoge auf den verschiedensten Ebenen, z.B. zwischen Buddhismus und Wissenschaft einsetzt, sowie auch dafür, dass jetzt auch Nonnen den Geshe-Grad erlangen können, das entspräche im Westen ungefähr einem Doktortitel in Theologie. *12

Und was liebt der Dalai Lama? Jetzt mal ganz persönlich und unabhängig davon, dass er eine Verkörperung von universellem Mitgefühl und universeller Liebe ist? Wie man hört, hat er früher gerne Uhren auseinander genommen. Er scheint Kontakte und Gespräche zu lieben und die modernen Wissenschaften um ihrer selbst willen *13

Nach hinduistischen und buddhistischen Anschauungen haben alle Wesen ein individuelles „Karma und Dharma“. Sie kommen irgendwoher und haben noch eine Aufgabe zu erfüllen, bis sie diese Aufgabe aufgeben können. Das ist das individuelle Karma. Und sie haben ein Zukunftspotential und entwickeln sich dementsprechend weiter. Das ist das individuelle Dharma. In der Astrologie wird diese evolutionäre Bewegung durch den alten und den neuen Mondknoten symbolisiert.

Vereinfacht gesagt besteht das Karma von Tenzin Gyatso in all den schwierigen Herausforderungen, die er als „kosmisches Mitgefühl von Amts wegen“ und als politischer und religiöser Leiter einer verfolgten Minderheit schon von Kindheit und Jugend an zu bewältigen hatte und hat. Das individuelle Dharma des Dalai Lama besteht darin, traditionelle Grenzen und Trennungen aufzulösen und unser Zusammensein auf dem Planeten Erde in einen vollkommen offenen, grenzenlosen Raum zu überführen. Könnte es sein, dass dies auch unsere Aufgabe ist?

 

In Liebe
Vincento

 

Wer sich für tibetische Kultur interessiert und/oder sich für das tibetische Volk engagieren möchte, sei auf das Tibet Kailash Haus verwiesen.

https://www.tibet-kailash-haus.de/

 

*1 Da die Uhrzeit der Geburt unsicher ist, habe ich das Horoskop „universalisiert“. Ich verwende keine Häuser, sondern lege den AC auf 0° Widder, Haus 2 auf 0° Stier, Haus 3 auf 0° Zwilling, deute den Mars als Anzeiger des Potentials, die Stier-Venus als Anzeiger des Vermögens, den Merkur als Anzeiger der Kommunikation usw.
Ein Horoskop mit Häusersystem zeigt, wie für eine Person oder einen Vorgang welche Kräfte in welchen Bereichen wirksam werden. Ein universalisiertes Horoskop ohne Häusersystem zeigt die Bedeutung einer Person oder eines Vorgangs für die gesamte Welt, wenn man wie in der Hamburger Schule annimmt, dass 0° Widder die Allgemeinheit bedeutet und insofern als universeller AC verstanden werden kann.

*2 Mars in der Waage, Venus im Löwen
*3 Sonne im Krebs, Mond in der Jungfrau
*4 Mond/Saturn und Chiron/Neptun
*5 Mond/Saturn mit Saturn in den Fischen, Mond/Neptun
*6 Saturn/Neptun = verfolgte Minderheiten, Traumata
*7 Sonne/Saturn = Verantwortung, Sonne/Neptun = Bild- und Funktionsträger, Sonne/Jupiter = Integrationsfigur, Skorpion = Orientierung
*8 Chiron/Neptun
*9 Saturn/Chiron, Chiron im Zwilling, Merkur/Venus = liebevolle Rhetorik
*10 Jupiter/Chiron = muss zu eigenen Einsichten kommen
*11 Mars/Uranus im Tao-Aspekt = in seinem Handeln und seiner Existenz ohne Vorbild sein
*12 Mond/Chiron = überragt seine Umgebung an kreativem Potential und Einsicht
*13 Venus/Merkur = liebt Technisches und Kommunikation, Merkur im Zwilling liebt Wissenschaften um ihrer Selbst willen, Mondknoten/Venus Biquintil liebt Kontakte
*14 alter Mondknoten im Krebs, Mond/Saturn usw.
*15 neuer Mondknoten im Steinbock, Saturn in den Fischen = Trennungen, Grenzen usw. auflösen

 5. März 2019  Veröffentlicht von um 14:07  Allgemein, Astrologie, Metaastrologie, Rundbriefe, Notizen und Essays Tagged with:  Kommentieren

  2 Antworten zu “Über Tenzin Gyatso, den 14. Dalai Lama aus astrologischer Sicht”

  1. Mit großem Interesse gelesen, was Du schreibst Vincento zu Mo/Sa –
    ich habe diese Konstellation als Krebs AC (Sonne Zwilling in Haus 12).

    Ich erkenne mich in diesen Deinen Schilderungen zu Mo/Sa sehr.
    Mein Chiron hat zudem ein Quarat zu Saturn…ich denke das verstärkt den Mo/Sa noch zusätzlich.

    Ich habe ein ausgeprägtes Mitgefühl und habe die Qualitäten diesebezügl. noch nie so richtig geschätzt.
    Die üblichen Zuschreibungen zu Mo/Sa sind meist nicht positiv.
    Mitgefühl habe ich bislang immer mit Mo/Ne assoziiert.

    • Hi Linda,

      ich freu mich zu lesen, dass Du hier
      etwas Interessantes gefunden hast.

      Herzlichen Gruß
      Vincento

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