Ein systematischer astrologischer Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen

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Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie diese Zeilen lesen, dann geschieht das vermutlich auf einem elektronischen Gerät, einem Handy, einem Tablet oder einem PC, oder aber ganz traditionell auf Papier. Und die Oberfläche dieses Geräts, bzw. das Papier bildet das optische Umfeld, die Umgebung, den Kontext in dem diese Zeilen auftauchen.

Dies ist ein astrologischer Text und der Inhalt dieser Zeilen taucht in Ihrem Bewusstsein auf. Und je nach Ihrer geistigen Verfassung, Ihrem Interesse und Verständnis für die Astrologie, werden Sie diese Zeilen vermutlich etwas anders lesen und verstehen. Ihre Verfassung, Ihr Interesse und ihr Verständnis bilden also den Kontext, oder die Rahmenbedingungen dafür, wie Sie diese Zeilen lesen und verstehen.

Nehmen wir noch ein drittes, ganz existenzielles Beispiel, an dem deutlich wird, wie wichtig der jeweilige Kontext ist. Der Kontext eines Embryos ist der Uterus, dessen größere Kontexte sind der Körper der Mutter und deren Verfassung. Und während einer Schwangerschaft ist es für die Mutter auch von Bedeutung, wie sie von ihrem Umfeld unterstützt wird – also vom Vater des Kindes, seiner und ihrer eigenen Familie, dem näheren und weiteren sozialen und kulturellen Umfeld usw. usw. Das sind die Kontexte innerhalb derer sich die Schwangerschaft entwickelt. Und natürlich verändert der Embryo durch seine Entwicklung wiederum auch den Uterus, das Leben der Mutter, ihrer Familie usw.  

Wenn wir diese Sichtweise nun auf die Astrologie übertragen, dann ist anzunehmen, dass die Sonne in der Mitte des ganzen Systems zwar von großer Bedeutung ist – so wie der Embryo – und dass es eine von ihr von Innen nach Außen gehende Wirkung gibt. Aber wir müssen dann wohl auch annehmen, dass gerade die von der Sonne besonders weit entfernten Planeten sehr wichtig sind. Und dass sie eine Reihe von Rahmenbedingungen bilden, wie eine Reihe von ineinander liegenden Sphären.

So dass wir eine Reihe von Wirkungen sehen, die von Außen nach Innen gehen. Wobei die Sonne in der Mitte astrologisch das lebendige Geschehen und Erleben in der Gegenwart symbolisiert. So dass wir anhand dieses Sphärenmodells erkennen können, welche größeren Kontexte auf das aktuelle Erleben und Zeitgeschehen einwirken. Bei diesem Denkmodell symbolisieren die Planeten mit den jeweils größeren Umlaufbahnen, die auch die längeren Umlaufszeiten haben, die jeweils größeren Kontexte oder Rahmenbedingungen.

Dabei ist zu beachten, dass der Pluto und der Chiron exzentrische Bahnen haben. So dass der Pluto manchmal näher an der Sonne ist, als der Neptun und manchmal weiter davon entfernt. Und der Chiron ist manchmal weiter von der Sonne entfernt, als der Uranus und manchmal näher an der Sonne, als der Saturn. Das Sonnensystem ist also ein bißchen „unordentlich“. Aber wir werden es mit diesem Sphärenmodell dennoch schaffen, ein ganz gutes Bild von den größeren Rahmenbedingungen des aktuellen Zeitgeschehens zu entwerfen. Wir nehmen die sogenannten Langsamläufer in den Blick und wir gehen von Außen nach Innen, also los…

Wir beginnen mit dem ORCUS, der 2004 entdeckt wurde und dessen astrologische Bedeutung noch nicht so gut erforscht ist, wie die von anderen Himmelskörpern. Bisher bin ich der Ansicht, dass der ORCUS kollektive Krisen und Traumata, sowie auch die Chance zu deren Transformation symbolisiert.

ORCUS steht in der JUNGFRAU, die u. a. die Bewusstheit und die konkreten Bedingungen des Lebens symbolisiert. Also haben wir einerseits eine zunehmende Bewusstheit für die Bedeutung kollektiver Krisen und Traumata der Menschheit, auch im Leben des Einzelnen. Da könnte man an die Familienaufstellungen und an die Arbeit von Thomas Hübl denken. Und andererseits haben wir eine ökologische Krise, eine Krise in unserem Verhältnis zu den konkreten Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Das ist u. a. eine Krise der Idee vom unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstum. Die Lösung liegt meiner Ansicht nach in einer doppelten Antwort. Wir brauchen eine realistische Begrenzung des Wachstums und zugleich mehr Freiheit in unseren Gesellschaften. Wie man das wirtschaftliche Wachstum sinnvoll beschränken und dabei die demokratischen Freiheitsrechte aufrecht erhalten kann, thematisiert u. a. der Sozialpsychologe Harald Welzer.  

Nun zu PLUTO, der u. a. Denksysteme symbolisiert. Seit PLUTO durch den STEINBOCK wandert, kommen Systeme und die damit verbundenen Machtstrukturen auf den Prüfstand. Dabei kann es zu harten Desillusionierungen kommen. Seit PLUTO in den STEINBOCK eingetreten ist, nämlich im Herbst 2008, jagt ein Skandal den nächsten, beginnend mit dem Bankencrash, der Griechenlandkrise, dem sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche usw. Es zeigt sich, dass manche Denk- und Machtsysteme der Forderung des STEINBOCKS nach dauerhafter Gültigkeit eben einfach nicht genügen. Die Lösung bestünde darin, dass solche fehlerhaften Denk- und Machtsysteme harmonisiert und neu an das Leben angepasst werden. Was aber bisher nicht geschieht. Stattdessen sehen wir aktuell eine eskalierende Korruption und Übergriffigkeit schon bestehender Machtsysteme. Mit dieser Thematik beschäftigen sich Menschen, die man seitens dieser Systeme aus nur allzu verständlichen Gründen von der öffentlichen Diskussion fernzuhalten versucht.

Die derzeitigen Konstellationen des ORCUS und des PLUTO zeigen zusammen eine Krise der Menschheit im Verhältnis zu den Lebensbedingungen auf der ERDE, bei der auch einige menschliche Denk- und Machtssysteme in die Krise geraten und manche davon katastrophal versagen und enorme Schäden anrichten. Nun zum NEPTUN.

NEPTUN wandert durch sein eigenes Zeichen, die FISCHE. Da haben wir eine Verdoppelung ein und desselben Prinzips. Nämlich des Prinzips, das uns spirituell und intuitiv mit dem GANZEN verbindet. Dabei verwandelt sich unsere Beziehung zu Allem was ist aus sich selbst und durch sich selbst zu neuen Formen ihrer Selbst. Die Wahrnehmung des Offenen und Grenzenlosen tritt dabei zunächst in den Hintergrund. Und in den Vordergrund tritt die Tatsache, dass alle konkreten Erscheinungen begrenzt sind. Wir werden uns bewusst, dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Resourcen leben und dass unsere Lebenszeit begrenzt ist. Da haben wir so etwas wie eine planetarische Ernüchterung. Typische Fehlreaktionen darauf sind Mangelbewusstsein und die Tendenz zu aggressiven Eroberungsfeldzügen, was den Schmerz nur noch mehr vergrößert. Idealerweise gehen wir nach Innen, entdecken dort das Grenzenlose in uns selbst wieder und gebären es selbst durch Liebe und Schönheit erneut ins Leben. Für die Entdeckung und Vermittlung des grenzenlosen und offenen Raumaspekts des menschlichen Bewusstseins engagieren sich seit Jahren die verschiedensten spirituellen Bewegungen und Lehrer, wie z. B. die Satsangbewegung, die Achtsamkeit Bewegung, Eckhart Tolle, der Dalai Lama und andere. Jetzt zum URANUS.

Während der NEPTUN das universelle Bewusstsein symbolisiert, symbolisiert der URANUS das Schöpferische und seine transformatorischen Kräfte. Er hebt die bisherigen Grenzen und Unterschiede auf. URANUS wandert jetzt durch den STIER und hebt dabei die bisherigen sozialen Rechte, Besitzstände und Zusammenhänge auf. Lebensweisen, Existenzformen, Ideale und Ideologien wandeln sich. Dieser sozialen Dynamik Herr werden zu wollen, indem man ihr staatlicherseits Zwänge und Regeln auferlegt und eine von Oben diktierte einheitliche Sichtweise erzwingt, ist falsch. Stattdessen sollte jedes Individuum dazu ermächtigt werden, sich selbst nach Maßgabe seiner eigenen schöpferischen Möglichkeiten zu Recht zu finden und es sollten offene Gespräche stattfinden. Denn dem URANUS entspricht auch die schöpferische Kraft jeden einzelnen Individuums, all der Menschen, die eine Gesellschaft tragen. Es gibt keine menschliche Gesellschaft, die nicht aus menschlichen Individuen besteht. Wenn man deren Kräfte in einer Krise beschränkt, anstatt sie zu befreien, wird die Krise verschärft. Als nächstes schauen wir uns den CHIRON an.

CHIRON vermittelt zwischen den schöpferischen Möglichkeiten des Individuums, die durch den URANUS symbolisiert werden, und dem kollektiven Bewusstsein und seinen Maßstäben, die durch den SATURN symbolisiert werden. Der CHIRON ist also ein wichtiger Vermittler, der das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft formt. Idealerweise entsteht dabei eine Balance zwischen den individuellen, schöpferischen Begabungen eines Menschen und den Maßstäben der Gesellschaft, in der er lebt. SATURN will das Alte erhalten, URANUS will das Neue ermöglichen und CHIRON will Beides harmonisch verbinden. Jetzt hat der CHIRON am 18.2.2019 einen neuen Zyklus gestartet und durchwandert den WIDDER. Das heißt, das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft wird neu geformt, so ähnlich wie 1968, als der CHIRON seinen letzten Zyklus begann. Und auf den Beginn dieses neuen Zyklus gibt es ein Horoskop. Darin steht, dass diejenigen, die über diesen Planeten herrschen, also die paar ganz wenigen Reichen und Mächtigen, endlich damit aufhören sollten, sich nur um ihre eigenen Interessen zu drehen. Und dass es Zeit wird, dass unser aller Leben sich wieder ganz neu aus der Natur, dem Seelischen und nach Lust und Laune entfalten kann. Da fällt mir der Karl Valentin ein, der einmal in ungefähr sagte: „Tja, mögen taten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“ Tja, wir leben in einer Atmosphäre der Angst und damit kommen wir zum SATURN.

Der SATURN symbolisiert unter den Emotionen u. a. die Angst und er durchläuft seit Anfang 2021 den WASSERMANN. Das führt u. a. dazu, dass die bewusste Kommunikation von kollektiven Ängsten, Regeln und Ritualen bestimmt und dadurch das seelische Erleben von kollektiven Inhalten überflutet und zur Anpassung genötigt wird. Wolfgang Döbereiner sagte einmal: „Die Angst ist in ihren Forderungen maßlos.“ Es gibt homöopathische Mittel, die helfen können: https://www.vinzent-liebig-blog.de/astrologisch-homoeopathische-notizen/ . Wer sich seelisch auf die kollektiven Mechanismen einlässt, wird nicht mehr aus sich selbst, sondern von der Herde bewegt und verliert damit den Kontakt zu seiner Individualität. Die Lösung liegt hier darin, dass man sich innerlich von den kollektiven Mechanismen und Ängsten radikal befreit. Nun kommen wir noch zum JUPITER.

Auch der JUPITER läuft derzeit durch den WASSERMANN. Er hat aber eine völlig andere Wirkung als SATURN im WASSERMANN. Er löst Grenzen, Ängste, und Ideologien auf und verschiebt sie einfach Alle ins Unbewusste. Er hat ein Gespür für das Neue, das kommen könnte und tatsächlich hat JUPITER im WASSERMANN ein gutes Gespür für neue Trends und Entwicklungen. Er erzeugt eine optimistische Stimmung und Hoffnung. Aber er verliert sich dabei auch leicht in Schwärmereien. Er kann Möglichkeiten und Trends erkennen, aber damit sind sie noch lange nicht realisiert. Die Lösung liegt darin, etwas für die Verbesserung der Zusammenhänge zu tun, indem man etwas Wertvolles beiträgt, auch dann wenn man es alleine tun muss oder nur in der eigenen Existenz realisieren kann.

In diesem Sinne Alles Gute

Vincento    

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