Jul 242016
 

Uranus-Orcus

Uranus-Orcus ist eine aktuell wirksame Konstellation, die das kollektive Geschehen auf unserem Planeten bewegt. Orcus wurde erst 2004 entdeckt und scheint nach der bisherigen astrologischen Forschung ein Faktor zu sein, der etwas mit kollektiven Traumata und im günstigsten Falle auch mit deren Transformation zu hat. Die Grafik zeigt das Combin aus den Horoskopen auf die Entdeckung des Uranus und des Orcus.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich möchte allgemeinverständlich schreiben. Den größten Teil der technischen Informationen habe ich an das Ende des Artikels verlegt, damit der Text fließt. Aber ganz ohne astrologische Fachbegriffe komme ich nicht aus, denn ich möchte meine Überlegungen so darstellen, dass sie für meine Kolleginnen und Kollegen überprüfbar sind.

Uranus-Orcus hat vor allem etwas mit Ideologien und deren Verwandlung zu tun. Bei AC im Skorpion geht es um Orientierungen, Glaubensysteme, Ideologien usw. und bei Pluto in 8 wandeln sich diese aus sich selbst und durch sich selbst zu anderen Formen ihrer selbst, was natürlich auch Phasen der Verwirrung und Desorientierung mit sich bringt. „Alle haben was im Sinn, keiner weiß wohin!“ sagt dazu der Berliner.
Uranus am AC im Skorpion hebt die bisherigen Orientierungen auf, Neptun in Konjunktion mit Pluto löst sie auf – und damit natürlich auch die bisherigen Ideologien. Kurz unsere Vorstellungen gehen tschüssikowsky. Also haben manche von uns die sprichwörtliche Hose gestrichen voll. Ja klar – überlegt doch Mal!
Wenn das Leben jemandem seinen Besitz, seinen Lebenspartner, oder seine Arbeit nimmt, ist das erschreckend. Aber wenn das Leben jemandem seine bisherigen Orientierungen und Vorstellungen nimmt, ist das oft noch viel erschreckender. Denn unsere Vorstellungen und Ideologien bilden u. a. auch die subtilste und zugleich machtvollste Ebene unserer fiktiven Identität. Sie geben uns ein Gefühl der Sicherheit. Wenn uns die genommen werden, steht unser Ego plötzlich auf der Kippe zwischen Sein und Nichtsein. Und bei Sonne in Haus 10, geschieht dies ganz allgemein, auf der kollektiven Ebene. Der Berliner Spruch „Alle haben was im Sinn, keiner weiß wohin!“ gilt also in gewissem Sinne derzeit weltweit.

Uranus-Orcus bedeutet die Verwandlung, Aufhebung und Auflösung und damit den Verlust unserer bisherigen kollektiven Orientierungen.

Okay, was machen wir jetzt? Sollten wir vielleicht ein Selfie posten? Ja, vielleicht sollten wir ein Selfie posten! Vielleicht sollten wir wirklich sagen: „Ich bin da! Ich bin da! Da schaut her, hier ist mein Selfie, ich bin da, ganz in echt und ehrlich!“
Eine Zeit lang habe ich ja gedacht: ‚Dieses Ding mit den Selfies scheint so was wie „digitale Selbsterfahrung im 21. Jahrhundert zu sein“. Hm, einige Leute meiner Generation sind ja vor ca. 40 Jahren wegen der Selbsterfahrung noch nach Indien gereist, haben Tropenerkrankungen riskiert, ihre bisherige Existenz aufgegeben und so. Anscheinend hat sich was verändert. Aber gut, schon Buddha soll vor 2.500 Jahren gesagt haben, dass alles vergänglich ist. Anscheinend gilt das auch für alle Formen der Selbsterfahrung. Okay.
Und danach kam mir dann die Idee, dass die Selbsterfahrung per Selfie auch noch eine ganz andere Dimension hat, als die Suche nach Selbsterfahrung in meiner Generation. Ein Selfie zu posten bedeutet in gewisser Hinsicht mehr, als sich in einer Selbsterfahrungsgruppe zu exponieren. Denn es bedeutet ja auch so etwas, wie zu sagen: „Hallo liebe Menschheit! Ich bin da! Da schau, hier ist mein Selfie. Ich bin da, ganz in echt und ehrlich!“ selbst wenn das gar nicht bewusst beabsichtigt wurde.
Es gab und gibt Ideale von einer zukünftigen, geeinten Menschheit. Aber die Realität ist die, dass wir schon jetzt in einer geeinten Menschheit leben. Es ist schon jetzt Eine Menschheit! Okay, es funktioniert noch nicht so richtig toll. Aber es ist schon jetzt eine Menschheit! Ob wir wollen oder nicht! Wir alle beeinflussen uns ständig gegenseitig, wo wir auch gehen und stehen. Und es ist dennoch ein ganz neues Projekt. Von einem planetarischen menschlichen Bewusstsein wurde von visionär begabten Menschen schon lange geträumt. Und das nun auch konkret zu realisieren, ist ein ganz neuer Anfang.
Menschheit ist wie ein Kind, das gerade erst beginnt, Laufen zu lernen. Und wie ein Kind, das Laufen lernt, wird auch Menschheit vermutlich hinfallen, wieder aufstehen, hinfallen, wieder aufstehen, wieder hinfallen und wieder aufstehen, bis Menschheit laufen gelernt hat. Und wer sind eigentlich Mama und Papa von Menschheit?
Die Ausserirdischen? Wesen wie Buddha, Ramana, Meister Eckhart, Christus, Mohamed, Konfuzius, Laotse usw.? Unsere Politiker? Oder vielleicht doch auch Du und ich? Wie dem auch sei. Mama und Papa eines Wesens, das gerade erst Laufen lernt, sind sicherlich gut beraten, wenn sie dieses Lernen mit Freundlichkeit begleiten. Vielleicht ist Menschheit ja unter anderem auch die Gesamtheit aller Beziehungen, die wir als Menschen untereinander erleben? Ob wir einander in Freundlichkeit begegnen oder nicht, kann sehr viel bedeuten.
Als meine Mutter starb, fiel ich in eine Depression, ich fiel in die Dunkelheit. Eines kalten, dunklen Abends im Winter nach dem Tod meiner Mutter sagte eine Kassiererin im Supermarkt zu mir: „Na dann wollen wir dem jungen Mann mal helfen, seine Einkäufe einzupacken.“ Und dann fing sie an, die Sachen, die ich gekauft hatte, für mich einzupacken! Bei dieser menschlichen Geste explodierte plötzlich inmitten meiner inneren Dunkelheit ein goldenes Licht in meinem Herzen. Damit wir uns recht verstehen, diese Frau entsprach in keinerlei Hinsicht meinem erotischen oder romantischen „Beuteschema“. Es war also keine erotische oder romantische, sondern ganz einfach eine menschliche Begegnung.
Das war der Impuls, der mich aus der Depression hinaus begleitet hat! Diese Geste hatte eine stärkere Wirkung auf mich, als so manche Intervention meiner Therapeuten und spirituellen Lehrer. Das brachte mich auf die Idee, dass es so etwas wie den „universellen Guru“ gibt. Einer unserer großen und besonders freundlichen Lehrer soll ja einmal gesagt haben: „Wo zwei oder mehr von Euch in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter Euch.“ Irgendwann ergab sich die Gelegenheit mit dieser Kassiererin einmal allein sprechen zu können, weil der Supermarkt außer uns beiden leer war. Ich erzählte ihr, was ihre freundliche Geste für mich bedeutet hatte, bedankte mich und sie begann zu weinen. Dann sagte sie: „Sie meinen also wirklich, dass man aus der Trauer über den Tod der Mutter wieder heraus kommen kann? Es wäre wirklich schön, wenn Sie Recht hätten. Denn wissen Sie, meine Mutter ist gerade vor vier Wochen gestorben.“ Seither begrüßen wir uns namentlich und freuen uns immer, wenn wir uns im Supermarkt sehen.

Die astrologische Konstellation Uranus-Orcus bedeutet die Verwandlung, Aufhebung und Auflösung und damit den Verlust unserer bisherigen kollektiven Orientierungen. Die falsche, negative Reaktion auf diese Konstellation besteht darin, dass wir uns noch mehr mit unseren bisherigen Ideologien identifizieren. Unsere bisherigen Orientierungen und Vorstellungen und auch unsere Ideologien mögen eine Zeit lang durchaus einen relativen Wert gehabt haben. Aber die meisten davon wurden eben nicht für das 21. Jahrhundert und eine planetarisch vereinte Menschheit entworfen. Die richtige Antwort auf die Uranus/Orcus Konstellation ist die, dass wir uns öffnen und erkennen, dass wir hier alle zusammen sind. Es gibt nur eine Menschheit und nur eine Erde. Und dieser Planet ist ein Paradies*, selbst wenn Menschheit gerade erst beginnt, Laufen zu lernen. Also sage ich: „Hallo Menschheit! Ich bin da! Selfie kann ich nicht, denn ich habe kein Handy. Aber ich bin dennoch da, ganz in echt und ehrlich! Und ich lächel Dir zu.“

In diesem Sinne uns Allen Alles Gute
Vincento

*Im Horoskop des Uranus/Orcus-Combins finden sich hinsichtlich der evolutionären Möglichkeiten folgende Konstellationen: Neuer Mondknoten = Evolution, in 7 = Begegnung, im Stier = gemeinsam, Wertschätzung, Venus in 9 = Weite und Vielfalt, Haus 9 im Krebs = den größeren Zusammenhang fühlen, Mond in 2 = und sich mit der Erde verbunden fühlen. Kurz, die evolutionären Möglichkeiten von Uranus/Orcus liegen darin, sich für Begegnungen zu öffnen und zu erkennen, dass wir ohnehin schon alle zusammen sind und etwas Wertschätzung dafür zu entwickeln, wie viel Freude darin liegen kann, zusammen zu sein.

Uranus-Orcus ist derzeit als Spiegelpunktaspekt von Uranus auf ca. 24° Widder über 0° Krebs auf den Orcus auf ca. 6° Jungfrau gegeben und betrifft damit global die Ebenen der existenziellen Durchsetzung im Sinne des Widders und die realen Lebensbedingungen im Sinne der Jungfrau. Die Grafik am Anfang des Artikels zeigt das Combin aus den Horoskopen auf die Entdeckungen von Uranus und Orcus. Als Combin zeigt es die Beziehung zwischen Uranus und Orcus und damit die grundsätzliche Bedeutung aller Aspekte zwischen Uranus und Orcus. Wer mehr über meine astrologische Vorgehensweise wissen möchte, findet unter dem Stichwort „Metaastrologie“ hier auf diesem Blog eine ganze Reihe von Artikeln dazu.

  12 Antworten zu “Uranus-Orcus”

  1. Hi Vincento,

    gerade schaue ich in das Horoskop für die BRD und sehe, dass dort der Alterspunkt (6 Jahre pro Koch-Haus) auf 23° Schütze in Opposition zu Radix-Orcus und im Trigon zum Transit-Uranus steht. Wir alle erleben deshalb diese Konstellation Uranus/Orcus gerade hautnah. Die besonnenen Reaktionen, ausgerechnet aus Bayern, lassen hoffen, dass auch die Menschen in Deutschland besonnen mit ihren Ängsten umgehen werden.

    Viele Grüße
    Birgit

    • Hi Birgit,

      danke für Deinen Kommentar, was Du schreibst ist spannend und erhellend, denn es scheint ja tatsächlich so zu sein, dass sich gerade auch in Deutschland sehr konzentriert die Themen zeigen, die für Uranus/Orcus bezeichnend sind. Und ich finde immer wieder auch sehr ermutigende, weil klare, weitsichtige und reflektierte Reaktionen.

      Danke und Alles Gute
      Vincento

  2. Ich höre Deine Stimme, wenn ich Deine Texte lese und sehe dabei die filigranen Strukturen Deiner Kunst.
    Alles Liebe uns Allen
    Hollyk

  3. Hallo Vinzent,
    ich habe Deinen Artikel mit großer Freude gelesen! Deine Gedanken sind eigen, machen Sinn und die Erzählung über die Begegnung mit der Kassiererin im Supermarkt ist sehr berührend.
    Auch ich mache gern kleine Kontakte mit den Menschen, die ich treffe und habe dabei immer wieder schöne Erlebnisse.
    Immer wieder Trainung, seine Vorstellungen zu erweitern, neu zu schauen, das hält jung und frisch und kann ganz einfach im Alltag stattfinden.
    Herzliche Grüße,
    Satyen Klaus

    • Hi Satyen,

      danke für Deine schöne Rückmeldung, mir fällt dazu ein, dass Osho einmal sinngemäß sagte, dass er sich eine Welt wünscht in der alle erleuchtet sind, alle – Apotheker, Lehrer, Ärzte, Busfahrer, Polizisten, Taxifahrer usw. Warum eigentlich nicht? Lieben Gruß – Vincento

  4. Lieber Vincento,

    vielen Dank für Deine kleine, feine Geschichte aus dem Alltag – wenn er menschlich wird.
    liebe Grüße,
    Nicolas

    • Hallo lieber Nicolas,

      als ich las was Du schriebst dachte ich – durch Menschlichkeit kann aus Alltag ALL-Tag werden und die alchemistische Essenz, die dabei aktiv wird, heißt Wertschätzung 🙂
      Danke und Alles Gute
      Vincento

  5. Hallo lieber Nito Vincento,
    ich kann selfies, aber habe noch nie Kommentare über einen blogg geschrieben O:-)
    Hier meine von Dir gewünschte Rückmeldung : ich bin auch da 😉 und ich LESE es und ich freue mich, weil ich weiss, wir sind nicht allein und haben auch eine Stimme. All die Menschen, die versuchen, Liebe zu halten und nicht Angst, auch wenn es sehr schwierig manchmal ist.
    Neulich habe ich gelesen, dass jeder von uns ein Puzzleteil in der Hand hält und wir sollten nicht warten, bis die Zeit reif ist oder wir genug vorbereitet sind, sondern unser Puzzleteil/ du kannst es auch das ganz eigene Licht nennen, was ein Mensch trägt, auf den Tisch legen, auch wenn wir es/ uns noch nicht richtig kennen, einfach riskieren, reden, dann erst kann alles ineinander greifen.
    In diesem Sinn: danke für dein Teil, was Du auf den Tisch legst mit deiner Arbeit, Deinem Blogg,
    Deine Freundin Sandra

    Deine Sandra

  6. Wer ein Selfie in die Öffentlichkeit zu geben sich gedrängt fühlt und es sich für ihn richtig anfühlt, könnte doch gut möglich damit zusammen hängen, dass ein Aspekt im 10. Haus (der Öffentlichkeit) gerade wirksam ist. Wirklich und definitiv ALLE machen ja kein Selfie. Vielleicht ist das etwas dran?

    • Hallo Elisabeth, die Zuordnung Haus 10 = Öffentlichkeit ist eine sehr traditionelle Zuordnung. Sie ist deshalb nicht unbedingt verkehrt, aber ich denke sie beruht auf früheren gesellschaftlichen Ordnungsstrukturen, wo eigentlich nur jemand, der Amtsträger einer öffentlichen Institution (= Haus 10) war, auch eine öffentliche Person war. Heute passt, so scheint mir Haus 7 besser als Zuordnung zum Thema Öffentlichkeit. Viele heutige „öffentliche Personen“ sind Sportler, Schauspieler, Stars und Sternchen aller Art und erscheinen als Bilder/Ideen/Ideale/Idole = Waage/Venus in den Medien. Ich fand die Zuordnung Haus 7 = Öffentlichkeit bei Wolfgang Döbereiner und sie scheint gut zu funktionieren.

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