Mai 272018
 

Obwohl zwischen dem Sirius und den Plejaden 17.000 Jahre lang große Spannungen geherrscht hatten, begann sich das Kulturprogramm zur besseren Verständigung zwischen den beiden Systemen um das Jahr 2018 sehr gut zu entwickeln. Teil dieses Programms, das von der Akademie für interstellaren Kulturaustausch (AIKA) auf Arkturien durchgeführt wurde, war eine Reise der Sirianerin Zarka und des Plejaden Krono zum Planeten Erde, mit dem Ziel, die irdische Astrologie zu erforschen.


Krono ließ seine Augen wandern. Rechts neben dem Straßencafe wo sie saßen, befanden sich ein Reisebüro und ein Bioladen, auf der Straßenseite gegenüber waren ein Taxistand und eine Bank. Links davon war die Endhaltestelle der Straßenbahn samt Kiosk. Krono wusste, dass sich dahinter noch eine Bank, eine Apotheke und ein Reformhaus befanden und konnte ganz links einen orientalischen Laden mit Lebensmitteln, eine chemische Reinigung und noch eine dritte Bank sehen. So war Kronos Blick einmal im Kreis gewandert und wieder bei Zarka angekommen. „Glaubst Du, dass die Erdlinge ahnen, dass wir in gewisser Weise längst hier sind?“ fragte Zarka. „Wie meinst Du das?“ fragte Krono zurück. „Na ja, biologischer Landbau ist ja eine uralte Idee von den Plejaden und die Grundideen des Bankgeschäfts kommen alle vom Sirius.“ erklärte Zarka und wies grinsend in Richtung des Reformhauses, des Bioladens und der drei Banken. Krono lachte. „Das Institut für Parapsychologie, dessen astrologische Bibliothek wir nutzen, untersucht paranormale Phänomene wie Telepathie. Das Thema ist hier in den offiziellen Wissenschaften immer noch umstritten. Unsere interstellare Telepathie sprengt den Denkrahmen dieser Wissenschaften total. Die Erdlinge werden vermutlich auch noch in Tausend Jahren nicht wissen, dass ihr biologischer Landbau von den Plejaden und ihr Bankensystem vom Sirius inspiriert wurde.“ Zarka und Krono lachten. „Ja irgendwie sind die Erdlinge wirklich süß. Und sie schaffen es echt jedes Mal die Ideen, die wir ihnen telepatisch übermitteln, ganz erheblich zu verzerren.“ meinte Krono.

„Wie läuft es denn so mit Deiner irdischen Informantin, dieser Astrologin?“ wollte Zarka wissen. Krono sah auf seine Uhr und sagte: „Wenn alles gut geht, wird sie gleich hier sein. Ah schau, da kommt sie schon!“ Krono zeigte rüber zur Endhaltestelle, wo eine schlanke, blonde Frau in einem blauen Kleid sich gerade zum Zebrastreifen begab und dann die Straße überquerte. Krono stand auf, um ihr die Hand zu geben und sie mit Zarka bekannt zu machen. „Ihr seid also Zarka und Krono? Schön!“ sagte sie, als sie sich setzte. „Ich heiße Estrella.“ „Und Du und Krono habt Euch in einem Astrologieforum im Internet kennen gelernt?“ fragte Zarka. Estrella nickte lächelnd und fragte: „Und Ihr wollt also wissen, was mir die Astrologie bedeutet?“ Zarka und Krono bejahten und Krono erklärte: „Wir recherchieren in der Bibliothek des parapsychologischen Instituts über die Geschichte der Astrologie. Aber wir wollten für unsere Forschung auch mit einer heute praktizierenden Astrologin sprechen. Wir wollen heraus finden, welche Potentiale die Astrologie in sich trägt.“ „Meine Güte“, meinte Estrella, die nebenbei die Energiefelder ihrer Gesprächspartner gescannt und für ‚ziemlich okay’ befunden hatte, „da habt Ihr Euch aber ein riesiges Thema vorgenommen.“

„Nebenbei bemerkt, Dein Energiefeld ist auch ‚ziemlich okay’.“ sagte Zarka und grinste Estrella halb verschwörerisch, halb belustigt zu. Erst war Estrella peinlich berührt, beim Scannen erwischt worden zu sein. Dann musste sie lauthals loslachen. „Sorry“, sagte sie dann, „zurzeit bin ich etwas vorsichtig.“ „Keine Sorge, wir auch.“ meinte Krono leichthin. „Schön und da Ihr so gut scannen könnt, könnt Ihr meine Meinung zu dem Thema ja auch einfach aus meinem Energiefeld lesen und braucht mich gar nicht erst zu fragen.“

Zarka und Krono schüttelten die Köpfe und Zarka erklärte: „Nein, denn Deine Ansichten sollen in einen Bericht über die Bedeutung der europäischen Astrologie einfließen. Wir würden unser Gespräch gerne aufnehmen und transkribieren. Natürlich nur, wenn Du erlaubst.“ Krono legte mit einem fragenden Blick sein Aufnahmegerät auf den Tisch. Aber Zarka unterbrach: „Wisst Ihr, wir sollten für das Interview besser reingehen. Sonst haben wir später nur den Verkehrslärm auf unserer Aufnahme.“ Also gingen die drei in den ersten Stock des Straßencafes und setzten sich dort an einen Tisch am Fenster. „Worin liegt für Dich der Wert der Astrologie?“ fragte Zarka und leitete damit das Interview ein. Estrella erklärte: „Die Astrologie ist ein Erkenntnismittel und eröffnet einen Weg, der weit über alles hinaus geht, wofür Astrologie oft gehalten wird.“

„Wie meinst Du das?“ wollte Krono wissen. „Ich habe Mal auf einer Beraterplattform im Internet gearbeitet. Die Werbung dieser Plattform suggerierte, dass man vorhersagen kann, wann der nächste Traumpartner auftaucht. Also riefen mich dort viele Frauen an, die wissen wollten, ‚wann ER kommt’.“ Estrella lachte. „Und?“ fragten Krono und Zarka. „Durch die Werbung der Plattform entstand ein richtiger Hype. Manchmal hätte ich diesen Frauen am liebsten so etwas gesagt wie: ‚Er kommt nach der nächsten Mondfinsternis, heißt Hansjörg, hat braune Haare und er arbeitet in einer Nudelfabrik. Merke – nur eine Nudel ist nie genug!’“ Krono sah Estrella verständnislos an, aber Zarka hätte vor Lachen aus Versehen fast ihren Cappuccino vom Tisch gefegt. „’Nudel’ ist eine Metapher für den Penis.“ erklärte Zarka und Krono schüttelte grinsend den Kopf. „Ach so – und sind Prognosen zum Thema Sex bei Euch die einzige Anwendung der Astrologie?“ fragte Krono zu Estrella gewandt.

„Nein, natürlich nicht. Das ist ja genau der Punkt, den ich deutlich machen möchte. Aber die Werbung der Beraterplattformen führte dazu, dass dies eine Zeitlang das einzige Thema zu sein schien. In Wirklichkeit gibt es ganz viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten der Astrologie, z. B. in der Alchemie und der Landwirtschaft. Man kann sie zur Einschätzung politischer Vorgänge und in allen Bereichen der Lebens- und Geschäftsberatung verwenden. Man kann historische Phasen, persönliche und allgemeine Ereignisse analysieren. Und natürlich kann man damit auch in Beziehungsfragen beraten und, und, und.“

„Und was findest Du am Wichtigsten?“ erkundigte sich Zarka. „Das sage ich Euch gerne.“ erklärte Estrella. „Der Hypnosetherapeut Milton Erickson gab seinen Patienten manchmal eine Karte in die Hand, auf der stand: ‚Wenn Du einmal über all die unergründlichen Geheimnisse des Weltalls nachdenkst, fühlst Du Dich dann hilflos, ohnmächtig und klein?“ Dann bat er sie, die Rückseite der Karte zu lesen und dort stand: „Ich auch nicht.“ Zarka und Krono lächelten gerührt. Estrella kramte in ihrer Handtasche und förderte das Horoskop von Erickson zu Tage.

„Ich habe keine wirklich gesicherte Uhrzeit. Aber Milton Erickson hat auf jeden Fall einen Tao-Aspekt*1 zwischen Jupiter und Neptun. Also hat er Einsicht in das Unterbewusste und/oder intuitive Einsichten und sein Quincunx*2 zwischen Venus und Neptun ist eine Konstellation für grenzenlose Liebe.“ „Ach ist der Milton aber süß.“ meinte Zarka, während ihr ein paar Tränen über ihre Wangen rannen. „Also geht es Dir um Selbstvertrauen, oder Weltallvertrauen oder so etwas in der Art?“ fragte sie.

Worauf Estrella sagte: „Ja, es geht um Vertrauen. Im Zustand des Vertrauens funktionieren unsere Wahrnehmung, unsere Intuition und verschiedene Vorgänge wie Atem, Herzschlag, Stoffwechsel usw. viel besser. Und aus astrologischer Sicht sind wir ja mikrokosmische Abbildungen des Makrokosmos. Wir sind Ausdrucksformen des GANZEN, die aus denselben kosmischen Prinzipien aufgebaut sind, wie alles scheinbar ‚Andere’. Der Makrokosmos spiegelt sich im Mikrokosmos und die beiden sind untrennbar miteinander verbunden. Das Gefühl, ein isoliertes, vom Rest des Universums getrenntes Wesen zu sein, ist eine Illusion. Wenn man sich astrologisch beraten lässt erfährt man – auch wenn man gar nicht danach fragt – so ganz nebenbei, dass man mit dem ganzen Universum verbunden ist. Denn die Astrologie demonstriert ja immer wieder, dass zwischen den Konstellationen am Himmel und unserem realen Leben Beziehungen bestehen. Man erfährt, dass man ein kosmisches Wesen und damit viel, viel mehr ist, als nur ein ‚Arbeitnehmer, Bürger, Wähler’ oder ‚Verbraucher’.“ „Dass der Mensch ein kosmisches Wesen ist, entspricht nicht gerade dem landläufigen Menschenbild.“ warf Krono ein, worauf Estrella erneut in ihrer Handtasche wühlte und ein weiteres Horoskop auf den Tisch legte. „Das ist die Neptun/Pluto-Konjunktion von 1892.“

„Wenn Ihr Euch dieses Horoskop anschaut, das für ca. 500 Jahre gilt und die allgemeine Mentalität anzeigt, seht Ihr, dass da die meisten Faktoren im physischen Quadranten stehen. Sonne, Jupiter, Merkur, Mondknoten, Neptun, Pluto und Venus stehen alle in den ersten drei Tierkreiszeichen Widder, Stier und Zwilling, die ja die physikalische Facette der Wirklichkeit symbolisieren. Wir leben in einer ca. 500 Jahre dauernden materialistischen Kulturepoche. Natürlich gibt es immer wieder inhaltliche Schwankungen durch andere Konstellationen, aber das ist die geistige Ausrichtung, der mentale Schwerpunkt der Phase. Und der Materialismus ist eine sehr begrenzte Anschauung. Vieles was ich als Astrologin erlebe und erkenne, gilt in der offiziellen Denkweise einfach nur als ‚unwissenschaftlich’, und damit auch gleich als irreal und irrelevant. Man kann im Kapitalismus eigentlich mit allem durchkommen, solange man damit Geld machen kann – auch mit einer esoterischen Nudelfabrik.“ Alle drei grinsten. “Aber wenn man die Astrologie ernsthaft betreibt, dann muss man damit zu Recht kommen, dass man nicht zum Mainstream gehört.“

„Die europäische astrologische Lehre von den vier Quadranten besagt, dass die Wirklichkeit eine materielle, seelische, geistige und transzendente Dimension beinhaltet, nicht wahr?“ fragte Zarka nach. „Genau und die Materialisten sagen: ‚Nein, es gibt nur eine, nämlich die materielle Dimension.’ Und das irrsinnige daran ist, dass der Materialismus durch Wirtschaft und Technik gerade auch die materielle Dimension unseres Planeten in einer Weise beschädigt, wie das noch nie zuvor geschehen ist. Das liegt aber auch am beschleunigten Wachstum der Erdbevölkerung. Ungefähr bis zur Zeit der Neptun/Pluto-Konjunktion von 1892 gab es ungefähr 1.500 Millionen Menschen auf der Erde, heute sind es 7.000 Millionen, also 7 Milliarden. Das ist eine Vermehrung um 466,66%, also fast das Fünffache in nur 125 Jahren. Davor hat die Erdbevölkerung fast 3.000 Jahre gebraucht, um auf 1.500 Millionen anzuwachsen. Wenn wir den Widder hier analog dem 1. Haus als ‚existenziell“ deuten, Jupiter als ‚Erweiterung’ und die Sonne im Stier als ‚gemeinschaftlich’, finden wir eine deutliche Tendenz zur ‚existenziellen, gemeinschaftlichen Erweiterung’ im Horoskop der Neptun/Pluto-Konjunktion. Außerdem liefert das Venus/Mars-Quincunx einen Hinweis auf ‚Sex mit nachhaltiger Wirkung’.“

„Warum ist Dir dieses Horoskop so wichtig, Estrella?“ fragte Krono. „Das interessiert mich auch.“ bemerkte Zarka. „Es fasziniert mich, dass man aus den Konjunktionen von Neptun und Pluto das universelle Glaubenssystem, die kollektive geistige Orientierung einer Epoche lesen kann. Das Horoskop kann einem helfen, sich im Geist seiner Zeit zu Recht zu finden. In dem Horoskop steht z. B. der neue Mondknoten*3, der ja immer anzeigt, wo die evolutionären Möglichkeiten liegen, im Stier und die Venus steht im Zwilling. Das bedeutet, dass der Reichtum des Planeten ausgetauscht und in Bewegung bleiben sollte; anstatt von einigen Wenigen gehortet zu werden, wie das heute geschieht.“

„Aber ist der Denkrahmen, den dieses Horoskop eröffnet nicht den meisten Leuten viel zu weiträumig und sind die Inhalte, die man darin findet, nicht ohnehin bekannt?“ fragte Krono zweifelnd. Estrella nickte. „Natürlich sind viele dieser Inhalte ohnehin ganz offensichtlich. Aber ich finde es eben faszinierend, dass man diese Inhalte mit astrologischen Mitteln auf den Punkt bringen kann. Und wenn man das Horoskop auf die Neptun/Pluto-Konjunktion mit seinem Geburtshoroskop zu einem Combin*4 verrechnet, kann man sehen, in welcher Beziehung man zu den allgemeinen Strömungen seiner Zeit steht und wie man sich am Besten positionieren kann. Und dann wird dieses Horoskop auf die Neptun/Pluto-Konjunktion plötzlich zu einer ganz individuellen und sehr spannenden Angelegenheit.“

„Meinst Du damit so etwas wie eine individuelle Erfolgsformel?“ fragte Krono. „Ach Du meine Güte, “ seufzte Estrella, „na ja gut, vielleicht schon. Aber nur dann, wenn die Betonung tatsächlich auf ‚individuell’ liegt. Was konventionell als ‚Erfolg’ gilt, ist noch lange keine Garantie auf ein erfülltes Leben. Und gerade das ist ja das besondere Merkmal der Astrologie, dass man damit jedem Menschen ganz spezifische Empfehlungen zur Entfaltung seiner einzigartigen, individuellen Lebenswerte geben kann. Ich kenne keine andere Methode, die darin der Astrologie an Klarheit, Weite, Vielfalt, Tiefe und Differenzierung gleichkommt.“

„Verstehst Du Dich als Vertreterin einer geistigen Tradition?“ erkundigte sich Zarka. „Ja unbedingt, das ist ganz klar. Und für mich ist da als geistiger Hintergrund vor allem der olympische Mythos wichtig, der vor 3.600 Jahren entstanden ist.“ betonte Estrella. „Warum gerade dieser Mythos?“ wollte Krono wissen. „Im olympischen Mythos werden die Gottheiten mit den Himmelskörpern assoziiert, die wir in der Astrologie verwenden. Sein Schöpfungsmythos ist eine der genialsten Intuitionen zur Entstehung der Welt und des menschlichen Bewusstseins, die es überhaupt gibt. Und der Mythos von den olympischen Göttern bietet eine sehr offene und intelligente Alternative zu den patriarchalischen, monotheistischen Religionen. Ich will den olympischen Mythos nicht idealisieren, er enthält auch sehr grausame Passagen. Aber stellt Euch mal vor, da ist eine Gruppe von 6 Göttinnen und 6 Göttern, die ihre Entscheidungen demokratisch treffen! Das ist doch unglaublich fortschrittlich! Vor allem wenn man bedenkt, dass dieser Mythos 3.600 Jahre alt ist. Manche werden zwar einwenden dass Zeus – der mit dem Planeten Jupiter assoziiert wurde – der eigentliche Herrscher war und dieser Kult so gesehen patriarchalisch war. Aber sogar Zeus musste den drei Schicksalsgöttinnen gehorchen, die eine Erscheinungsform der dreifältigen Mondgöttin waren! Wir haben da eine labile Balance zwischen weiblichen und männlichen Kräften. Ich empfinde das als eine sehr befreiende, anregende, reiche und realistische symbolische Beschreibung der Wirklichkeit. Sie kann uns dabei helfen, multidimensional und im Weiteren auch multikulturell zu denken. Europa, das wie die europäische Astrologie seine Ursprünge in der griechischen Antike hat, ist ja kulturell ein sehr vielfältiger Kontinent.“

„Lass uns einmal über etwas ganz anderes sprechen.“ schlug Zarka vor. „Was hältst Du von Zeitungshoroskopen?“ Estrella kicherte und meinte dann mit einem listigen Lächeln: „Was soll ich davon halten? Hm, also es gibt manchmal sehr gute Zeitungshoroskope, die sind zwar sehr selten, aber es gibt sie. Das meiste von dem Zeug ist natürlich einfach nur Mist. Aber sogar dieser Mist transportiert ganz nebenbei eine sehr wertvolle Idee, nämlich: ‚Es gibt 12 Sorten Mensch’.“ Estrella grinste. „Das menschliche Ego kennt ja oft nur 2 Sorten Mensch, nämlich sich selbst und die Anderen. Da sind 12 Sorten Mensch schon eine ganz erhebliche und sehr erfreuliche Differenzierung und Erweiterung.“

Zarka und Krono grinsten amüsiert und Zarka meinte: „Dann ist wohl anzunehmen, dass sich Dein Verhältnis zu anderen Menschen durch die Astrologie auch verändert hat.“ „Und wie!“ bestätigte Estrella. „Als Jugendliche war ich eine Außenseiterin und dachte, ‚Es gibt normale Menschen und Menschen wie mich.’ Und je länger ich Astrologie betreibe, umso mehr tendiere ich dazu zu glauben, ‚Es gibt nur Menschen wie mich.’ Natürlich in unendlich vielen verschiedenen Varianten.“

Zarka und Krono lachten laut. „Also nicht 12, sondern nur eine Sorte Mensch! Wunderbar! Und was für Menschen berätst Du in Deiner Praxis?“ wollte Krono wissen. Estrella schloss kurz die Augen und sagte dann: „Ich habe da extra Mal eine alphabetisch geordnete Liste geschrieben, um mir selbst einen Überblick zu geben. Die reichte von A wie Anarchist bis Z wie Zen-Buddhist, aber ich bekomme das jetzt nicht mehr Alles zusammen. Aber mir fallen Gruppen mit gemeinsamem Nenner ein. Kurz vorweg, die meisten Menschen, die zu mir kommen sind Frauen. Männer sehen sich oft als ‚einsame Streiter’, die Alles alleine hinbekommen müssen.

Eine Gruppe von Frauen mit gemeinsamem Nenner kommt aus orientalischen Kulturen mit traditionellen Clanstrukturen, die hier im Westen aufgewachsen sind. Und in deren Horoskopen steht der neue Mondknoten ausnahmslos so, dass sie sich von den Clanstrukturen befreien und an ihrer westlichen kulturellen Umgebung orientieren sollten. Also könnte man annehmen, dass die Kultur in der wir aufwachsen – und unsere Beziehung zu dieser Kultur – Teil unseres Schicksals ist und sehr wichtig für unsere Evolution sein kann.
Dann habe ich Menschen mit Merkur/Uranus beraten, die kommen oft aus bi-kulturellen Familien, Mama deutsch, Papa türkisch, Mama spanisch, Papa deutsch usw. Die leben gleichzeitig in zwei Kulturen und werden oft sehr gute unparteiische Vermittler als Mediatoren, Übersetzer usw.

Daneben gibt es Menschen mit multikulturellem Hintergrund. Menschen, die von Jugend an viel gereist sind oder wo die Vorfahren aus vielen verschiedenen Kulturen stammen. Die haben alle Jupiter/Neptun und damit verwandte Konstellationen. Bei all diesen drei Gruppen geht es um kulturelle Themen.

Dann gibt es eine große Gruppe von Frauen, deren Familienstruktur auf folgende Formel gebracht werden kann: Mama plus Kind/Kinder minus Papa. Die sind meist Mitte der 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts während der Uranus/Pluto-Konjunktionen geboren. Da brachen die traditionellen Geschlechterrollen zusammen.“ Estrella schüttelte traurig den Kopf. „Da entstand viel Verwirrung und es gab viele Konflikte zwischen Frauen und Männern. Inzwischen sind diese Frauen in den Fünfzigern und ihre Kinder sind erwachsen. Die haben das Schlimmste wohl hinter sich und rufen mich jetzt deshalb nicht mehr an. Aber eine Zeit lang haben die wohl mehr als die Hälfte meiner Klientel ausgemacht.“

„Was hast Du diesen Frauen geraten?“ wollte Zarka wissen. „Natürlich jeder etwas anderes. In der Astrologie kann und sollte man ja alle ganz spezifisch nach ihrem einzigartigen, individuellen Horoskop beraten. Aber ich habe mehreren von ihnen geraten, sich mit den Vätern ihrer Kinder zu versöhnen und zu irgendeinem konstruktiven Verhältnis mit ihnen zu kommen – auch im Hinblick auf die Kinder. Wenn die Kinder sehen, dass sich die Eltern auch wieder vertragen können, kann das eine sehr ermutigende und konstruktive Lektion für sie sein. Außerdem können sich Frauen und Männer gegenseitig und auch ihren Kindern das Leben wirklich sehr erleichtern, wenn sie miteinander kooperieren. Auch wenn sie keine Liebesbeziehung haben.“

„Du sprichst davon, ‚das Leben zu erleichtern’. Ist das Leben denn schwer?“ fragte Zarka. „Ich mag keine allgemeinen Aussagen über das Leben machen. Viele die zu mir kommen, kommen ja weil sie Schwierigkeiten haben. Ich erhalte in meiner Arbeit also keinen allgemein gültigen Überblick. Und die Astrologie gehört nicht zur offiziellen Welt. Also werden oft Themen angesprochen, über die man in der offiziellen Welt lieber nicht sprechen mag. Ich sehe die verborgenen und verschwiegenen Hintergründe des Lebens in unserer Gesellschaft und bekomme Dinge erzählt, über die nur selten gesprochen wird.“ „Vermutlich willst Du uns darüber keine Details mitteilen?“ meinte Krono. „Genau! Als Astrologin oder Astrologe muss man die Klappe halten können.“ sagte Estrella.

„Was für Gruppen mit gemeinsamem Nenner sind Dir in Deiner Arbeit noch aufgefallen?“ fragte Zarka. „Junge Leute, die mit mir über ihre Berufswahl sprechen wollten. Die wussten eigentlich, was sie beruflich machen wollten. Aber ihre Eltern waren anderer Meinung und da waren sie verunsichert und wollten eine dritte Meinung hören. Und es war ausnahmslos so, dass die hinsichtlich ihres Berufswunsches nach ihrem Horoskop alle richtig und die Eltern alle falsch lagen.“ Zarka, Estrella und Krono lachten. „Schön!“ meinte Zarka, „Es gibt also ein inneres Wissen.“ Estrella nickte.

„Und sonst?“ wollte Krono wissen. „Die erste Gruppe mit gemeinsamem Nenner, die ich beraten habe, waren Leute mit paranormalen Begabungen wie Hellsehen, Telepathie, Hellfühligkeit usw. – Leute mit Mars/Neptun, Venus/Neptun, Merkur/Neptun, Saturn/Neptun und verwandten Konstellationen. Viele von denen hatten noch nie mit jemandem über ihre Begabungen gesprochen, weil sie Angst hatten, als verrückt eingestuft zu werden. Die Gesellschaft hat sich durch den spirituellen Aufbruch in den letzten Jahrzehnten da glücklicherweise gewandelt und heute ist das kein Problem mehr.“

„Was hältst Du von ‚intuitiver Astrologie’?“ fragte Zarka. „Ich halte sehr viel von Intuition, diese Begabung kann uns in Allem unendlich helfen. Aber die Astrologie ist eine symbolische Sprache, die wie jede andere Sprache aus Vokabeln und Grammatik besteht, die man kennen muss, um sie in unsere Alltagssprache zu übersetzen, wenn man eine gute Arbeit machen möchte. Sonst kann man den Leuten ihr Schicksal auch gleich aus den Runzeln einer Pellkartoffel deuten. Aber Intuition braucht keine Hilfsmittel, sie geschieht spontan, also sind dann auch die Runzeln der Pellkartoffel überflüssig.“ Zarka und Krono lachten.

„Du hast den Begriff Schicksal verwendet. Was denkst Du über den freien Willen?“ wollte Krono wissen. „Es gibt etwas, das wie der Himmel immer offen und frei ist, den Raumaspekt der Bewusstheit. Ein Raum, der unabhängig von jeder Konditionierung, jedem Gedanken, jeder Emotion und sonstigen begrenzten und geformten Aspekten der Wirklichkeit immer da ist, egal was auch immer in diesem Raum auftauchen mag. Und innerhalb der durch die astrologischen Konstellationen beschreibbaren geformten Aspekte der Wirklichkeit gibt es immer evolutionäre Möglichkeiten, die durch den neuen Mondknoten angezeigt werden – und – es gibt die menschliche Kreativität.“ erklärte Estrella.

„Du sagtest, dass die Astrologie nicht zum Mainstream gehört. Ist es Dir unangenehm, einer Minderheit an zu gehören?“ fragte Zarka und sah Estrella durchdringend an. „Manchmal ist das schon schwierig. Andererseits ist die Hypophyse winzig klein und deren Zellen sind im Verhältnis zu allen übrigen Körperzellen eine Minderheit. Und ich glaube nicht, dass sich diese Zellen deshalb schlecht fühlen.“ meinte Estrella. „Die Hypophyse wird mit dem dritten Auge assoziiert. Verstehst Du die Astrologen als ‚Seher’?“ fragte Krono nach. „Zumindest bemühen sich manche von uns, zu sehen. Eine alte Heilerin sagte mir einmal vor 33 Jahren: ‚Weißt Du Estrella, Du glaubst, es ginge in der Astrologie darum, astrologische Beratungen zu geben. Aber darum geht es nicht. Es geht um etwas völlig anderes. Wir brauchen auf diesem Planeten zu jeder Zeit ein paar Menschen, die verstehen wie das Universum funktioniert’.“ „Und verstehst Du, wie das Universum funktioniert?“ fragte Zarka begierig. Estrella lachte laut und schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich bemühe mich, zu verstehen. Wisst Ihr was? Ich glaube, ich sollte jetzt bald Mal gehen.“

Estrella stand auf und dabei fragte sie: „Und wie geht es Euch jetzt, wenn Ihr über all die unergründlichen Geheimnisse des Weltalls nachdenkt, fühlst Ihr Euch dann hilflos, ohnmächtig und klein?“ Zarka und Krono lachten und sagten wie aus einem Munde „Nein!“ Sie standen auch auf und begleiteten Estrella noch zur Straßenbahn.

Später transkribierten Zarka und Krono das Gespräch mit Estrella in ihrem getarnten Raumschiff, das über den Bergen schwebte, die früher als die ‚schlafenden Drachen’ bezeichnet wurden. Als sie damit fertig waren, meinte Zarka: „Was hältst Du davon, wenn wir dem Text folgenden Titel geben: ‚Offensichtliche und verborgene Werte der irdischen Astrologie – Ein Gespräch mit Estrella I’?“ Warum so ein langer Titel?“ fragte Krono. Als Plejadier liebte er eher kurze Formulierungen. Zarka ließ ihren Blick über den Sternenhimmel schweifen und lehnte sich entspannt zurück. „Ich habe mir die Publikationsliste des Leiters der AIKA, also der Akademie für interstellaren Kulturaustausch angeschaut. Viele seiner Titel sind genauso lang, so ca. 80 Buchstaben. Er mag also ganz offensichtlich lange Titel und wir Beide wollen ja unseren Text schließlich auch publiziert sehen.“ Krono lächelte, nickte und wich ihrem Blick aus. Er hatte Zarka von Anfang an gemocht, aber ihre Intelligenz hatte ihn stets etwas eingeschüchtert. „Ich glaube, ich muss Dir noch etwas sagen.“ begann er zögerlich. „Was denn?“ fragte Zarka freundlich. „Als wir Estrella zur Straßenbahn gebracht haben, bist Du doch noch in das Kiosk gegangen, um Schokolade zu kaufen. Und da hat die Estrella zu mir gesagt: ‚Weißt Du was Krono? Ich mag Euch und Ihr könnt es schaffen. Macht Euch nicht zu viele Sorgen und habt Mut. Denn zwischen den Plejaden und dem Sirius besteht aus irdischer Sicht nur ein Halbquadrat. Das ist zwar schon eine Spannung, aber die kann man in den Griff bekommen.’“ Zarka stockte der Atem, dann stöhnte sie: „Ach Du gütige Galaxis!“

 

Habt es Alle gut

Vincento

 

 

*1 Tao-Aspekt = 165° gilt manchen Astrologen als „Zäsur“
*2 Quincunx = 150° scheint besonders nachhaltige Wirkungen zu zeugen
*3 Der neue Mondknoten zeigt die evolutionären Möglichkeiten an
*4 Das Combin wird auf die exakte mathematische Mitte der geografischen und zeitlichen Daten zweier oder mehr Horoskope berechnet und zeigen deren Beziehung als eine dritte, eigenständige Gestalt
*5 Halbquadrat = 45° gilt als Spannungsaspekt, der relativ leicht bewältigt werden kann

 27. Mai 2018  Veröffentlicht von um 10:36  Astrologie, Rundbriefe, Notizen und Essays Tagged with: , ,  Kommentieren

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