Jan 112014
 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wisst Ihr eigentlich, wer der „Nachd-Grabb“ ist? Der Nachd-Grabb gehört zum Repertoire schwäbischer Erziehungsmittel. Es handelt sich um einen schwarzen Vogel, ähnlich einem Raben oder einer Krähe (schwäbisch „Grabb“) mit großen Flügeln und Krallen, der bei Nacht (schwäbisch „Nachd“) erscheint, um Kinder zu kidnappen. Als Kind hörte ich oft, wie die Nachbarn abends ihre Kindern riefen: „Wenn Du edz nedd glei hoim kommsch, nooh holdd dieh der Nachd-Grabb!“ Zu Deutsch: „Wenn Du jetzt nicht gleich nach Hause kommst, dann holt Dich der schwarze Vogel mit den großen Flügeln und Krallen!“ Und später in der Dunkelheit hörte ich dann, wie die Nachbarn ihre Kinder verprügelten.

In der Schule wurde die Angstgestalt des „Nachd-Grabb“ durch den „lieben Gott“ abgelöst. Laut Religionsunterricht handelte es sich dabei um ein allmächtiges, allgegenwärtiges und allwissendes Wesen, das ähnlich einem gewissen großen, schwarzen Vogel im Himmel lebt (!) und uns ständig beobachtet, um über unsere Taten Buch zu führen. Und je nach dem wie sein Urteil über unser Verhalten ausfällt, wird uns dieses Wesen nach unserem Tod im schlimmsten Fall zum ewigen Aufenthalt in der Hölle verdammen. Vor diesem Wesen hatte ich von Anfang an Angst und es schien mir wesentlich gefährlicher als der Nachd-Grabb zu sein. Denn dieses Wesen hatte erlaubt, dass sein einziger Sohn, nämlich Jesus gefoltert, gequält, gekreuzigt und getötet wurde – und zwar angeblich, um uns alle zu erlösen.

Bei der Erlösung schien es sich um einen ganz außerordentlich schönen, leichten und befreiten Zustand zu handeln. Aber ich kannte keine Erwachsenen, die sich in so einem Zustand befanden. Von Jesus aber gab es Bilder, Skulpturen, es gab sogar ein ganzes Buch über ihn. Er schien tatsächlich gelebt und den „lieben Gott“ persönlich gekannt zu haben. Denn der war ja sogar – auf eine Weise, die biologisch nicht wirklich zu erklären war – sein Vater! Für die Existenz des „lieben Gottes“ gab es also genügend historische Belege, um ihn ernst zu nehmen. Aber er schien mir überhaupt nicht vertrauenswürdig zu sein. Denn er hatte ja nicht nur erlaubt, dass sein Sohn ermordet wurde, sondern darüber hinaus auch noch zugelassen, dass die Nazis 6 Millionen Menschen aus „seinem Volk“ ermordet hatten! Und er hatte nichts dagegen getan! Und zwei meiner Religionslehrer waren ziemlich gewalttätig! Also versuchte ich mich sicherheitshalber mit diesem gefährlichen Wesen zu arrangieren und zu dem Zweck möglichst „gut“ zu sein. Vermutlich bin ich durch mein angestrengtes, ängstliches „Gut-Sein“ bis heute vielen Menschen fürchterlich auf die Nerven gegangen.

Aus freudianischer Sicht sind der Nachd-Grabb und der allmächtige, allwissende, strafende Gott psychologische Gestalten, die mit dem „Über-Ich“ verbunden sind und dessen Wirkung verstärken. Das freudianische Über-Ich ist die innere Repräsentanz aller sozialen Regeln. Wenn wir im Sinne von „muss, soll, müsste, sollte“ usw. reden oder denken, und wenn wir uns selbst und andere nach den sozialen Maßstäben für „Gut“ und „Böse“ be- und verurteilen, ist das Über-Ich aktiv. Natürlich projizieren wir das Über-Ich auch auf andere Menschen, vor allem auf Autoritäten jeder Art. Eine Orientierung darüber, welche Verhaltensformen sozial angemessen sind und welche nicht, ist in der Erziehung sinnvoll. Aber so angsterregende Verstärker des Über-Ichs, wie der Nachd-Grabb und der strafende Gott können nachhaltige psychologische und sonstige Schwierigkeiten mit sich bringen.

Als Jugendlicher begann ich psychologische, spirituelle und mystische Literatur zu lesen, ein Traumtagebuch zu führen und zu meditieren und ich begegnete im Laufe der Jahre einigen spirituellen Lehrern. So konnte ich mich von meinen negativen Konditionierungen teilweise lösen und heute komme ich mit meinem Über-Ich und seinen angsterregenden Verstärkern einigermaßen zurecht. Phasenweise habe ich über das Thema tatsächlich schon gar nicht mehr nachgedacht.

Aber inzwischen ist der „kosmische Psychopath“, wie ich den allwissenden, allgegenwärtigen strafenden Gott meiner Kindheit heute bezeichnen würde, zumindest ansatzweise zu einer ganz konkreten Realität geworden, nämlich in der Gestalt der NSA und anderer Geheimdienste. Nach den Informationen, die seit Juni 2013 über die NSA im Internet zu lesen waren, ist es das erklärte Ziel der NSA, jeden Menschen immer und überall überwachen zu können. Hier haben wir ein Horoskop dazu:

Edward Snowden über die NSA 1. Artikel in The Guardian

Das Horoskop zeigt die astrologischen Konstellationen von dem Moment, als die Tageszeitung The Guardian in London am 6.6.2013 um 00:05 Britischer Sommerzeit den ersten Artikel über die von Edward Snowden enthüllten NSA-Akten publiziert hat. Die Daten habe ich von Birgit Braun übernommen, siehe „Die NSA-Files und das Yin Yang der 10.000 Dinge“

Bei AC-Wassermann und Uranus in 2 werden die Grenzen im Sozialen aufgehoben. Mit Widder in 2 und Mars in 4 geschieht dies als Übergriff auf das Private. Haus 4 symbolisiert das Seelische, das Familiäre und das Zuhause, also das Private und der Mars symbolisiert den Übergriff. Da Haus 4 vom Zwilling beherrscht wird, – dem Zeichen, das sowohl die Kommunikation als auch alles Technische symbolisiert – geschieht dies durch technische Kommunikationsmittel. Das Ergebnis und die Bedeutung sehen wir in Haus 7. Dort finden wir auf ca. 3° Jungfrau den Orcus, der nach seinem Entdeckungshoroskop vom 17.2.2004 eine paranoide Geistesverfassung symbolisiert. Haus 7 symbolisiert u. a. die Öffentlichkeit und die jeweiligen kulturellen Denkinhalte, also geht es um eine allgemeine Paranoia. Da die Sonne als Herrscherin von Haus 7 im Zwilling in Haus 4 steht, wird diese allgemeine Paranoia durch technische Kommunikationsmittel in das Private hinein getragen. Bei Haus 10 im Schützen und Jupiter in 5 könnte man auch sagen: – Der Staat (Haus 10) gewinnt eine allgemeine (!) Anschauung (Schütze in Haus 10) des Subjektiven (Jupiter in Haus 5) – will sagen, der Staat beobachtet alle menschlichen Subjekte. Soweit mal die wesentlichen Strukturen des Horoskops.

Es scheint, dass das Quincunx, der 150°-Aspekt besonders nachhaltige Wirkungen anzeigt. Das Horoskop enthält ein recht genaues Quincunx zwischen Mars und Saturn. Die ersten Enthüllungen von Edward Snowden wurden in den letzten sieben Monaten ständig durch neue Artikel über weitere Enthüllungen dazu erweitert. Und aus diesen Artikeln geht hervor, dass die Geheimdienste seit Jahren ständig unsere Privatsphäre verletzten. Natürlich haben das manche schon vorher gewusst oder vermutet. Aber in welchem Ausmaß dies geschah und weiter geschieht, wird erst jetzt so langsam deutlich. Damit steigen wir in die Details des Horoskops ein, nämlich in die rot markierte Aspektfigur.

Edward Snowden über die NSA 1. Artikel in The Guardian

Saturn, der generell den Staat symbolisiert, steht auf der Spitze von Haus 9 und deutet auf eine „geordnete“ (Saturn) „Anschauung“ (Haus 9). Die Konstellation findet sich oft im Zusammenhang mit Bibliotheken und Archiven. Und da Pluto als Herrscher von Haus 9 in Haus 12 steht, welches das Unsichtbare symbolisiert, geht es hier um unsichtbare Archive und/oder Bibliotheken. Da haben wir den allwissenden, allgegenwärtigen strafenden Gott, der über Alles was wir tun, heimlich Buch führt! Aber mit dem Neptun in Haus 1 wird das Unsichtbare (Neptun) sichtbar (Haus 1), was durch das Quadrat zwischen Neptun und Mars nochmals betont wird, – auch hier gilt, dass das Unsichtbare (Neptun) sichtbar (Mars) wird. Durch den Artikel, auf den dieses Horoskop berechnet ist, wurden die unsichtbaren Aktivitäten der Geheimdienste ja sichtbar gemacht.

Zwischen Saturn und Neptun besteht ein genaues Trigon. Saturn/Neptun findet sich im öffentlichen Leben bei Korruptionsskandalen und bei schweren Rechtsbrüchen durch den Staat, durch öffentliche Institutionen oder andere große gesellschaftliche Strukturen. Saturn-Neptun findet sich auch dort, wo das Recht auf Leben aufgehoben wird, hier geht es, wie die weiteren Konstellationen zeigen werden, um die Aufhebung des Rechts auf Privatleben. Außerdem steht Saturn/Neptun auch für irrationale Schuldgefühle. So wie wir Alle nach der Lehre von der Erbsünde schon von Geburt an schuldig sind, stellen die Geheimdienste uns Alle von vorne herein unter Generalverdacht.

Der Mars bildet ein Quincunx, einen 150°-Aspekt zum Saturn. Danach haben wir es mit einem staatlichen (Saturn) Übergriff (Mars) zu tun, wobei der Mars in Haus 4 dies als Übergriff auf das Privatleben kennzeichnet. Die Kombination von Mars/Saturn und Saturn/Neptun gilt im psychologischen Bereich als Hinweis auf Paranoia. Dazu kommt der in die Aspektfigur von Mars, Saturn und Neptun eingebundene Orcus, der für sich alleine schon eine paranoide Geistesverfassung symbolisiert. Bei Sonne in 4 werden all diese Konstellationen auf der privaten, unbewussten und/oder seelischen Ebene wirksam. Durch die Geheimdienste wird eine paranoide Verfassung in unser Seelenleben hinein getragen. Damit werden der kosmische Psychopath, der Nachd-Grabb und alle anderen Gespenster wieder herauf beschworen, mit denen man uns als Kinder, bedrängt hat. Und damit besteht die Gefahr, dass wir in unserem Seelenleben durch diese Gespenster erneut fremdbestimmt werden.

Wie gehen wir damit am Besten um? Sollen wir ab jetzt nur noch auf Schwäbisch kommunizieren? „Subber Idee, gell? Weil Schwäbisch isch ächd a subber Sprooch!“ Und es gibt ja auch noch andere schöne Dialekte. Oder wie wäre es mit telepathischer Kommunikation? Astrologisch gesehen finden sich die Lösung jedenfalls immer beim Mondknoten, hier haben wir das Mondknoten-Personar, das dessen Bedeutung im Detail darstellt:

Edward Snowden über die NSA 1. Artikel - Mondknotenpersonar

Mondknoten-Personar

Das Zeichen der Jungfrau, das hier im 1. und 2. Haus steht, symbolisiert die Bewusstheit, die wache Wahrnehmung und Beobachtung. Und der dazu gehörende Merkur symbolisiert in Haus 3 stehend die Kommunikation. Also kann ein Lösungsansatz darin bestehen, möglichst bewusst zu kommunizieren. Diese Idee ist so naheliegend, dass man darauf auch ohne die Astrologie kommen kann. Aber wir können noch einen Deutungsschritt weiter gehen. Die Sonne zeigt uns, wo sich die Potentiale von Haus 1 realisieren und die steht hier im Skorpion auf der Spitze von Haus 4. Also kann man sagen, es geht darum, möglichst wach und bewusst zu beobachten (Jungfrau in Haus 1) welche Muster (Skorpion) in unserem Seelenleben (Haus 4) auftauchen und mit Pluto als Herrscher von Haus 4 in 5 dann auch unser Verhalten orientieren. Wir können in eine Innenschau eintauchen.

Wann immer ein großer Skandal wie der Bankencrash, die Verstrickung der WHO in die Schweinegrippe-Affäre, der sexuelle Missbrauch von Kindern in kirchlichen Institutionen, die Unterwanderung der EU durch Monsanto oder jetzt der Geheimdienstskandal publik wurde, reagierte ich anfangs immer gleich. Ich reagierte moralisch entrüstet und dachte so etwas wie: „Schon wieder diese blöden Evolutionsbremsen!“ Aber nach dem Mondknoten-Personar könnte der NSA-Skandal einen Bewusstwerdungsprozess im Seelischen in Gang setzen, der für unsere Evolution weit über diese Situation hinaus außerordentlich wertvoll sein kann. Wenn wir bewusst beobachten, welche Muster in uns auftauchen und unser Verhalten orientieren, werden wir verschiedene innere Wirklichkeiten unterscheiden können. Natürlich gibt es sehr viele seelische Muster, innere Instanzen und Gestalten. Aber ich halte es in unserer Zeit für besonders wichtig, vor allem zwischen dem Über-Ich und dem Hohen Selbst zu unterscheiden.

Das Über-Ich ist die innere Instanz sozialer Regeln, also eine Konditionierung. Es hat mit unserem natürlichen Sein und dem Hohen Selbst nichts zu tun. Es funktioniert wie ein innerer Ankläger, Richter und Polizist in Personalunion. Unter dem Einfluss des Über-Ich handeln wir aus Angst vor Bestrafung oder aus Hoffnung auf Belohnung. Und da wir das Über-Ich oft auf äußere Autoritäten projizieren, können uns Autoritäten jedweder Art manipulieren, wenn der Einfluss des Über-Ich uns beherrscht, auch wenn diese Autoritäten vollkommen korrupt sind.

In seinem Buch „Denker des Ostens“ erwähnt Idries Shah die Ratschläge des Sufis Bahaudin, dessen siebter Ratschlag lautet: „Mach Dir klar, dass alle Überzeugungen, die durch Deine Umgebung geprägt wurden, unbedeutend sind, auch wenn sie Dir einst sehr nützlich waren. Sie sind letztlich völlig überflüssig und schließlich gar Fallstricke.“

Aber das Hohe Selbst ist keine durch die Umgebung geprägte Überzeugung, es ist keine Konditionierung, sondern eine innere Wirklichkeit, die je nach dem kulturellen Umfeld als innerer Christus, Aumakua, Genius, Daimonium oder innerer Lama bezeichnet wird. Wenn wir mit dem Hohen Selbst verbunden sind, dann sind wir weder angstvoll noch gierig, sondern offen und natürlich. Wir sind dann nicht manipulierbar, sondern frei. Wir verhalten uns spontan liebevoll, mitfühlend, intelligent, kreativ und sind natürlicherweise gut. Unser natürliches Sein ist gut! Und das Hohes Selbst ist die Verbindung unseres natürlichen Seins zur gesamten spirituellen Wirklichkeit.

Edward Snowden über die NSA 1. Artikel - Plutopersonar

Pluto-Personar

Bei Mondknoten im Skorpion, zeigt uns der Herrscher des Skorpions, nämlich der Pluto, in welche Richtung der Mondknoten tendiert. Das Pluto-Personar zeigt den Wassermann und die Fische, sowie deren Herrscher Uranus und Neptun in Haus 1. Danach geht es im Potential um das Schöpferische, die individuelle Freiheit und um den offenen, grenzenlosen, transzendenten Aspekt der Wirklichkeit als Inhalte, die um ihrer selbst Willen existieren. Und mit der Sonne in Haus 11 wären diese Inhalte von uns in Freiheit zu leben.

Ich wünsche Euch Heiterkeit, ein schönes Jahr 2014 und wie immer Alles Gute!

Vincento

  2 Antworten zu “Der Nachd-Grabb, der kosmische Psychopath und die Geheimdienste”

  1. Hallo Vincent,

    Super Artikel! Ich habe früher genauso gedacht – immer diese Evolutionsbremsen. Aber im Grunde ist es genau das Gegenteil, man sieht halt um ersten MOment das Negative weil man emotional reagiert. Aber zum Glück hat man einen Verstand und kann die Sache so sehen wie man will.

    Ich wünsche Dir ein super 2014.

    Thomas

    • Hallo Thomas,

      danke für das Kompliment. Natürlich kann man die Sache aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
      Edward Snowdens Begründung für seine Enthüllungen war, dass er nicht in einer Gesellschaft leben möchte,
      die solche Dinge tut. Ich auch nicht und ich habe deshalb versucht aus zu loten, wie man innerlich
      freier mit dieser Sache umgehen kann.

      Alles Gute und auch Dir ein super 2014.
      Vincento

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