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JUPITER – oder wie man den Kronos zum Kotzen bringt

Liebe Leserinnen und Leser,

vielen Dank für Eure freundlichen Feedbacks und Kommentare zu meinen Texten. Ich freue mich immer, wenn Ihr mir schreibt. Ich schreibe hier für Anfänger und Fortgeschrittene unter den Freunden der Astrologie und hoffe, dass es mir gelingt Allen etwas Interessantes und Unterhaltsames zu bieten. Diesmal geht es um den Planeten Jupiter. Er symbolisiert u. a. das Gemeinschaftliche und die Freude. Kürzlich hatte ich ein besonders schönes Erlebnis, einen Moment gemeinsamer Freude. Darauf habe ich das unten stehende Horoskop berechnet.

Hier ist die Deutung dieses Horoskops in wenigen Stichworten: 

POTENTIAL: AC Waage =  ein bedeutsames Bild, eine Begegnung, Waage in 2 = gemeinsam, Venus im Zwilling = schöne Bewegung, Venus in 9 = Anschauung, in der Weite,

UMSETZUNG des Potentials: Stiersonne = als Gruppe, Uranus aus 5 in 9 =  als lebendiger Ausdruck in Freiheit,

BESTIMMUNG: MC Krebs = seelische Stimmung, Jupiter in 10, Mond in 4 = der Freude.

Da saß ich in der Nachmittagssonne in einem Straßencafe auf einem Sofa, hatte den Kopf zurück gelehnt und schaute in den Himmel. Und dort flogen in sehr großer Höhe einige Vögel, vielleicht sechs oder sieben. Man sah nur ihre dunklen Silhouetten gegen den hellen Himmel. Sie segelten sehr elegant in annähernd kreisförmigen Bahnen fast genau über dem Straßencafe. Ich überlegte einen Moment – “Sind das Bussarde?“ Aber dann kamen die Vögel weiter herunter, vielleicht auf 120 Meter Höhe. Da wurde deutlich, dass sie größer und eleganter als Bussarde waren. Waren es vielleicht Milane? Vielleicht. Nein – doch nicht! Sie kamen noch tiefer herunter, vielleicht auf 70 Meter Höhe und da konnte man es sehen. Diese Vögel waren eindeutig viel größer als Milane. Ihre Silhouetten erinnerten mich jetzt an eine Adlerart, die ich vor Jahren in Indien gesehen hatte. Aber dafür waren sie zu schlank. Ah! Reiher – na klar! Fischreiher! Die Vögel kamen noch weiter herunter, auf ca. 25 Meter Höhe.  Und jetzt sah man die Vögel nicht mehr nur als dunkle Silhouetten vor dem hellen Himmel. Sondern man sah auch ihr schwarzweißes Federkleid. Damit war es klar. „Störche…“, raunte eine Frau bewegt in dem Straßencafe, wo es inzwischen ansonsten ganz still geworden war.

Inhalt und Form dieses Textes

Diesmal geht es also um den Jupiter. Das ist der Inhalt des Textes. Manchmal entwickelt sich ein Text so, dass der Inhalt eine zu ihm passende Form erzeugt. So dass sich im Laufe des Schreibens die Form immer mehr an den Inhalt angleicht. Bei diesem Text trifft das zu. Dieser ziemlich lange Text ist im Ganzen ähnlich wie eine Collage aus mehreren kurzen, recht verschiedenartigen Texten zusammen gesetzt. Im Laufe des Textes entsteht dadurch ein zusammenhängendes Bild des Jupiters. Das ist typisch für den Jupiter. Der Jupiter erzeugt und erkennt größere Zusammenhänge. Das ist mein Schlüsselsatz für den Jupiter. Dieses Prinzip des Erzeugens und Erkennens größerer Zusammenhänge zeigt sich schon vor 3.600 Jahren im griechischen Mythos, wo der Planet Jupiter mit dem Gott Zeus assoziiert wurde. Denn Zeus hat einen größeren Zusammenhang von zwölf Gottheiten erzeugt. Dabei hat er so verschiedene Gottheiten wie Hermes den Götterboten, den Kriegsgott Ares, Aphrodite die Göttin der Schönheit und der Liebe, Poseidon den Herrscher über Meere und acht weitere Gottheiten im Parlament der unsterblichen olympischen Götter zusammen gefügt.

Jupiter  bedeutet „Viel“

Meine liebe Kollegin und Freundin, die Astrologin Sieglinde Falkenhagen aus der Hamburger Schule sagte mir einmal: „Jupiter bedeutet auch ganz einfach `Viel`“. Damit hatte und hat sie Recht. Kein Wunder, denn der Jupiter ist der größte Planet in unserem Sonnensystem. Und ganz dazu passend gibt es auch „Viel“ über den Jupiter zu sagen. Das ist diesmal wirklich viel Text. Der Jupiter wird in der Astrologie traditionell auch mit den weiten Reisen assoziiert und wir haben tatsächlich eine weite Reise vor uns. Da zeigt sich noch einmal, dass sich hier der Inhalt eine bestimmte zu ihm passende Textform gesucht und auch gefunden hat. Aber diese weite Reise lohnt sich. Denn auf dieser Reise kann man lernen,wie man den Kronos zum Kotzen bringt! Was das bedeutet, wird noch erklärt. Ich hoffe, ihr bleibt dran.

Jupiter als Gegenspieler des Saturns

Jupiter ist ein Gegenspieler des Saturns. Der Jupiter steht für Freude, Entspannung und Expansion. Der Saturn steht für Angst, Anspannung und Kontraktion. Jetzt ist zunächst einmal weder gegen den Jupiter noch gegen den Saturn etwas einzuwenden. Die können beide sinnvoll sein und sich gegenseitig balancieren. Aber in den letzten Jahren ist der Saturn auf der politischen Ebene ins Extrem eskaliert und pervertiert und hat eine sehr autoritäre Stimmung erzeugt. Das hatte und hat verheerende politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und psychologische Folgen. Aber glücklicherweise hat der Saturn einen Gegenspieler, nämlich den Jupiter. Jupiter kann den Saturn in die Schranken weisen und überwinden.

Der Jupiter steht derzeit im Krebs, der das Seelische symbolisiert. Das bedeutet, dass auf der seelischen Ebene Freude, Entspannung und Expansion erfahren werden können, wenn wir uns den Jupiter zugänglich machen. Und genau das ist hier meine Absicht, den Jupiter zugänglich zu machen, indem ich aus verschiedenen Perspektiven über ihn erzähle. Die soweit ich weiß älteste europäische Erzählung über den Jupiter findet man im olympischen Mythos, der vor ca. 3.600 Jahren auf der griechischen Insel Kreta entstanden sein soll. In diesem Mythos überwindet der Jupiter, der dort mit dem Gott Zeus assoziiert wurde, den Saturn, der dort mit dem Titanen Kronos assoziiert wurde. Jupiter/Zeus überwindet und besiegt Saturn/Kronos indem er den Saturn/Kronos zum Kotzen bringt. Mehr dazu später.   

Jupiter bedeutet Freude

Der Jupiter hat u. a. auch mit dem Gemeinschaftsprinzip zu tun. Ich werde das später noch belegen. Wenn ich eine astrologische Konstellation oder Methode erforsche, oder wenn mich sonst eine Frage beschäftigt, dann frage ich manchmal auch andere Menschen nach ihren Ansichten. Eines Tages fragte ich ein junges Mädchen: „Was ist Glück?“ Und das Mädchen antwortete mir: „Glück ist, wenn einer etwas tut, was er gerne tut und damit Anderen hilft, oder eine Freude macht.“ Der Jupiter wird u. a. mit „Glück“ und „Sinn“ assoziiert. Habt Ihr das auch beobachtet? Wenn wir unglücklich sind, dann grübeln wir eventuell oft darüber nach, was denn eigentlich der Sinn des Lebens ist. Aber wenn wir glücklich sind, kommen wir gar nicht auf die Idee, darüber nach zu denken. Sind „Glück“ und „Sinn“ womöglich gleichbedeutend? Und besteht der Sinn des Lebens womöglich darin, glücklich zu sein? Jupiter wird jedenfalls auch mit der „Freude“ assoziiert. Hier ist eine Sufigeschichte, die ich bei Idries Shah gefunden habe:

Ein extrem wichtiger spiritueller Lehrer

Ein spiritueller Sucher ist auf einer Pilgerreise. Eines Tages sieht er am Wegesrand einen Mann sitzen, der fürchterlich niedergeschlagen aussieht. Der Sucher setzt sich neben ihn und fragt: „Warum sind Sie denn so niedergeschlagen?“ Darauf antwortet der Mann: „Ach mir macht das Alles keine Freude. Ich mag keine spirituellen Bücher. Atemübungen und Mantras liegen mir nicht. Die Biografien spiritueller Meister langweilen mich. Yoga nervt mich nur. Ich habe keine Freude an spiritueller Musik. Und ich meditiere und bete auch überhaupt nicht gerne.“ Da sagt der spirituelle Sucher: „Ja wenn Ihnen das Alles keine Freude macht, warum lassen Sie es dann nicht bleiben und tun etwas Anderes?“ Worauf der Mann antwortet: „Wo denken Sie hin? Ich bin ein extrem wichtiger spiritueller Lehrer hier in der Gegend!“

Im  Grunde sind wir echt okay

Ich glaube im Grunde genommen sind wir echt okay. Beweisen  kann ich das nicht, aber ich glaube das. Und Jesus sagt „Das Reich Gottes ist inwendig in Euch“  (Lk 17,20-21). Und die Buddhisten sagen, dass alle fühlenden Wesen, also auch wir, die Buddhanatur und damit das Potential zur Erleuchtung in sich tragen. So gesehen sind wir sogar noch sehr, sehr viel mehr, als nur okay. Vielleicht sind wir noch nicht völlig erleuchtet. Okay, aber wir kommen immer wieder Mal mit unserem erleuchteten Potential in Berührung, z. B. wenn wir freundlich sind, wenn eine schöpferische Inspiration in uns auftaucht, oder eine grundlose Heiterkeit, oder wenn wir uns verlieben. Manchmal schimmert es einfach durch.

Jemand sagte zwar einmal: „Es ist immer Scheiße, wenn man sich ins Potential verliebt.“ Und irgendwie stimmt das auch. Aber vielleicht ist das auch eine Frage der Geduld? Wenn Ihr in Eurem Horoskop z. B. eine Verbindung zwischen Venus und Neptun habt, dann verbindet Euch die Liebe = Venus mit dem Grenzenlosen = Neptun, also mit dem Göttlichen, bzw. mit der Buddhanatur. Dann könnt Ihr, wenn Ihr jemanden liebt, womöglich dessen Göttlichkeit bzw. Erleuchtungspotential spüren. Für Venus/Neptun ist es aber sehr schwer zu erkennen, wann sich ein Potential konkret realisiert. Denn die Venus, also die Liebe hebt die Zeit auf. Vielleicht kennt Ihr das Gefühl. Eine Geliebte von mir sagte einmal: „Jede Liebe ist ewig – so lange sie dauert.“ Und der Neptun ist sowieso total jenseits der Zeit. Der Neptun symbolisiert in der  Kosmologie des olympischen Schöpfungsmythos das präschöpferische CHAOS, und die Zeit wird erst zwei kosmische Entwicklungsphasen später geboren. Der  Neptun hat sozusagen „Null Ahnung“ von der Zeit. Und wenn man sich unter Venus/Neptun ins göttliche Potential verliebt und  ungeduldig ist, kann es eventuell etwas schwierig werden. Aber egal. Vielleicht sind wir noch nicht ganz erleuchtet, und der oder die von uns Geliebte auch nicht. Das mag schon sein. Aber das kann ja noch werden. Und bis dahin entwickeln und zeigen wir vielleicht einfach etwas Humor, Geduld, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Oder wir warten einfach.

Jupiter/Zeus überwindet Saturn/Kronos

Im olympischen Mythos wurde der Planet Jupiter wie schon erwähnt mit dem Gott Zeus assoziiert, und der Planet Saturn mit dem Titanen Kronos. Saturn/Kronos herrschte eine Zeit lang über die ganze Welt. Aber irgendwann wurde er von Jupiter/Zeus überwunden. Saturn/Kronos symbolisiert die Zeit, das Bestimmende, die Vergänglichkeit und Begrenztheit alles Irdischen, die Angst usw. Auf der weltlichen Ebene symbolisiert der Saturn den Staat, die Polizei, das Gesetz. Und ein Schattenaspekt des Saturns ist das Autoritäre. Ab 2020 ist das Staatliche ins Autoritäre umgekippt und es entstand eine allgemeine Atmosphäre der Angst. Aber Angst lässt sich überwinden. Ich habe die folgende Geschichte schon einmal erzählt. Aber ich finde, sie ist einfach zu schön, um sie nicht noch ein paar Mal wieder zu erzählen:

Ich hatte draußen vor dem Supermarkt, wo Gemüse und Obst angeboten wird schon eine Zucchini, vier Äpfel und zwei Zitronen in meinen Einkaufswagen gelegt. Es waren viele Leute da am späten Samstagnachmittag und vor dem Eingang in den Supermarkt war ein Stau. Eine ältere Frau sagte: „Ich habe meine Maske vergessen. Aber ich muss echt nur ganz kurz rein. Denn ich brauche nur eine Zitrone.“ Ein Verkäufer, der im Eingang stand sagte: „Kommen Sie rein, ich verkaufe Ihnen eine Maske.“ Ich gab der älteren Frau eine Zitrone und dem Verkäufer 1,5 € und sagte dazu: „Ich bezahl die Zitrone, die kostet heute 1,29 €.“ Die Frau nahm die Zitrone. Der Verkäufer nahm das Geld und meinte zu mir: „Sie müssen eine Maske tragen!“ Darauf ich: „Ich habe eine Maske dabei. Aber ich bin ja noch gar nicht im Supermarkt drin.“ Dann sagte eine andere ältere Frau zu der ersten, während sie ihr eine hellblaue Maske reichte: „Hier ist eine Maske für Sie. Die schenke ich Ihnen. Die hab ich übrig. Die ist noch völlig unbenutzt.“ Darauf gaben mir die erste Frau die Zitrone und der Verkäufer die 1,5 € zurück. Mit den Worten „aber so brauchen Sie doch gar nicht erst in den Supermarkt rein“ gab ich der Frau die Zitrone und dem Verkäufer das Geld wieder. Worauf der Verkäufer meinte „okay“, sich die Zitrone griff, dem Marktleiter zurief: „Hallo Chef, fang Mal!“ und die Zitrone hinter sich in den Supermarkt warf. Der Marktleiter stand in ungefähr sieben Meter Entfernung von uns vor einem Regal. Er hechtete wie ein Torwart in die Luft, um die Zitrone zu fangen. Er griff aber knapp daran vorbei, so dass die Zitrone zu Boden fiel. Allgemeines Gelächter! Da gab mir der Verkäufer zum zweiten Mal 1,5 €. Hatte ich etwa in wenigen Minuten 3 € verdient? Egal, die allgemeine Atmosphäre war jedenfalls super! Ich sags ja, im Grunde sind wir okay, ja sogar viel, viel mehr als nur okay. Und Angst lässt sich überwinden. So  –  und jetzt steigen wir Mal noch etwas tiefer ein und kommen zu den kulturhistorischen, etymologischen, mythologischen, astrologischen und metaastrologischen Aspekten des Jupiters:  

Kulturhistorisches zum olympischen Mythos

Mit dem „olympischen Mythos“ meine ich die Geschichte, die erzählt, wie die unsterblichen olympischen Götter entstanden sind. Kulturhistorisch gesehen entstand der Mythos und Kult der olympischen Götter aus der Durchdringung von zwei sehr verschiedenen Kulturen. Zwischen 2000 und 1100 v. Chr. trafen in mehreren Einwanderungswellen indogermanische Nomaden im Mittelmeerraum ein, wo bis dahin bäuerliche matriarchale Kulte herrschten. In den matriarchalen Kulten wurden die Große Mutter Gäa, also die Erde und die dreifältige Mondgöttin verehrt. Die Indoarier brachten männliche Gottheiten wie Zeus und Uranos mit. Um 1600 v. Chr. etablierte sich auf der griechischen Insel Kreta der olympische Mythos und Kult als eine Synthese der matriarchalen mediterranen und der patriarchalen indogermanischen Kulte. Es dauerte also ca. 400 Jahre, bis es zu einer Synthese der beiden verschiedenen religiösen Strömungen kam, die sich dann für ungefähr 1.000 Jahre als kulturell bestimmend erwies. Um 700 v. Chr. fand Dionysos, der Gott des Weins und der dramatischen Kunst als letzter Gott Eingang zum Olymp. 600 v. Chr. zeigten sich neue geistige Strömungen, durch die eine Loslösung vom Kult und Mythos der olympischen Götter begann. So gesehen dauerte die entscheidende Wirkungsphase des olympischen Kultes ungefähr 1.000 Jahre – auch wenn sein Mythos bis heute, z.B. in der Astrologie weiterlebt.

Der mächtigste olympische Gott war Zeus, also ein männlicher Gott, der mit dem Planeten Jupiter assoziiert wurde. Aber selbst Zeus hatte die Entscheidungen der drei Moiren, also der drei Schicksalsgöttinnen Klotho, Lachesis und Atropos zu befolgen. Und die drei Moiren können wie andere dreifältige Göttinnen als Erscheinungsformen der dreifältigen Mondgöttin angesehen werden, die matriarchalen Ursprungs waren. Das Parlament der olympischen Götter bestand aus sechs weiblichen und sechs männlichen Gottheiten. Bei Abstimmungen genügte die einfache Mehrheit, um einen Beschluss herbei zu führen. Da hatten also Götter und Göttinnen denselben Zugang zur Macht. Und Aphrodite, die Göttin der Liebe und der Schönheit trug einen magischen Gürtel, durch dessen Macht sie jeden verführen konnte, egal ob Gott, Halbgott oder Mensch. Zumindest in der Hinsicht war Aphrodite, also eine weibliche Gottheit mächtiger als alle anderen olympischen Gottheiten.

Auch schon vorher, beim olympischen Schöpfungsmythos lässt sich nicht eindeutig sagen, ob das Weibliche oder das Männliche dominiert. Aus dem präschöpferischen CHAOS erheben sich das Weibliche, – GÄA die Erde und das Männliche, – URANOS der Sternenhimmel. Sie umarmen sich jede Nacht und daraus geht die gesamte Schöpfung hervor. Irgendwann kommt es zu einem Konflikt zwischen Himmel und Erde und die Erde stiftet den gemeinsamen Sohn KRONOS dazu an, seinen Vater den URANOS zu ermorden. Nach dem Tod des URANOS übernimmt KRONOS für eine Zeit lang die Weltmacht. Aber es war seine Mutter, die die Macht hatte, ihren Sohn zum Vatermord anzustiften. Hat jetzt der Vatermörder mehr Macht, oder seine Mutter? Und es geht ja noch weiter. In der nächsten Generation sorgen fünf weibliche Gottheiten dafür, dass ZEUS, ein Sohn des KRONOS nicht von seinem Vater verschlungen wird, sondern überlebt. Sie sorgen auch dafür, dass ZEUS später seinen Vater entmachtet, und im Weiteren das demokratisch funktionierende Parlament der olympischen Götter begründet. Der mächtigste olympische Gott ist zwar Zeus, also ein Mann. Aber ohne die Hilfe von fünf weiblichen Gottheiten wäre er nie in diese Position gekommen. So gesehen hatte auch hier im Hintergrund das Weibliche die Macht. Mehr dazu später.

Manche meinen,der olympische Mythos sei matriarchal, manche meinen, er sei patriarchal. Aber mir scheint, das alles zeigt, dass der olympische Mythos weder eindeutig matriarchal noch eindeutig patriarchal ist. Sondern dass dieser Mythos eine Synthese und labile Balance matriarchaler mediterraner und patriarchaler indogermanischer Mythen darstellt. Im Übrigen meine ich, dass es im olympischen Schöpfungsmythos im Wesentlichen gar nicht primär um die Frage geht, ob das Weibliche oder das Männliche dominiert. Sondern dieser Mythos beschreibt in seinen Bildern, wie die Menschheit unter die Herrschaft der Zeit und damit auch unter die Herrschaft von Vergänglichkeit und Tod geraten konnte. Es geht hier um fundamentale Wandlungsvorgänge des kosmischen und damit auch des menschlichen Bewusstseins. Wandlungsvorgänge, die sich auch in anderen kosmologischen Konzepten, wie dem Taoismus, dem tibetischen Buddhismus, der Kabbala sowie in der Alchemie und Astrologie widerspiegeln.

Zunächst ist das Bewusstsein grenzenlos weit und leer wie der Weltraum. CHAOS bedeutet im Altgriechischen „unermesslicher, gähnend leerer Weltraum“. Daraus erheben sich kosmische schöpferische Energien in Gestalt des kosmischen Liebespaares URANOS = Sternenhimmel und GÄA = Erde. Dieses kosmische Liebespaar bringt gemeinsam die Schöpfung hervor. Und irgendwann gerät die Schöpfung unter die Herrschaft von Zeit, Vergänglichkeit und Tod = KRONOS. Es geht also um drei Phasen des kosmischen und damit auch des menschlichen Bewusstseins: Erstens grenzenloser Raum, Zweitens schöpferische Energie und Drittens zeitgebundene Form. Im Weiteren zeigt die Geschichte von Jupiter/Zeus und den fünf weiblichen Gottheiten, die ihm geholfen haben, wie auch wir die Herrschaft der Zeit über unser Bewusstsein überwinden können.

Die kulturhistorischen Daten habe ich dem dtv-Atlas zur Weltgeschichte Band 1 entnommen, die mythologischen Inhalte dem Buch Griechische Mythologie von Robert von Ranke Graves.

Etymologisches zu Jupiter/Zeus

Mich hat die Herkunft der Namen der griechischen Götter und anderer in der Astrologie wichtiger Begriffe interessiert. Bei der etymologischen Herleitung dieser Begriffe nach dem Lexikon der altgriechischen Sprache von Ioannis Stamatakos hat mir ein Freund aus Griechenland geholfen. Dankeschön. In der griechischen Antike wurde der Planet Jupiter mit dem Gott Zeus assoziiert. Zeus, gesprochen „Sevs“, gilt u. a. als der mächtigste aller Götter, als Regent der Atmosphäre und als Erzeuger von Regen und Sturm. Sevs kommt ausththefs, dieses austhjiefs identisch mit sanskrit dyauh, was „Himmel“ bedeutet. Aus dem iapendischen dijeus entstand djious was „Himmel“ oder „heller Tag“ heißt. Dijeus ausdeivo-s heißt „Gott“. Sin,gleichbedeutend mit sevs, ist verwandt mit sanskrit dyam „Tag“ sowie mit altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“. Im Sinne von „Tag“ und „heute“ symbolisiert Zeus Gegenwart und Präsenz. Im Sinne von „Himmel“ symbolisiert er Weite und im Sinne von „heller Tag“ Licht und Bewusstheit.

Mythologisches zu Jupiter/Zeus

Bezüglich des Mythos habe ich mich vor allem an dem Buch Griechische Mythologie von Robert von Ranke-Graves orientiert. Den Mythos zu lesen, bedeutet in eine andere Welt und Zeit einzutauchen. Nehmen wir uns etwas Zeit. Im Mythos des Zeus geht es darum, wie die in der Zeit enthaltenen Potentiale befreit und fruchtbar gemacht werden können. Wir knüpfen beim Schöpfungsmythos an und beginnen am Anfang, genauer – noch vor jedem Anfang!

Noch Mal kurz zum Schöpfungsmythos: Aus dem Chaos erheben sich Uranos, der Gott des Sternenhimmels und Gäa, die Erde. Die beiden umarmen sich jede Nacht. Und wenn der Himmel seinen Regen auf die geheimen Öffnungen der Erde sprüht, wird die Erde fruchtbar. So bringen Himmel und Erde die Schöpfung hervor und alle Wesen hervor, darunter auch die Titanen. Titan bedeutet „Fürst“. Die Titanen herrschen über verschiedene Bereiche der Wirklichkeit. Der mächtigste Titan heißt Kronos. Er herrscht über die Zeit und wurde in der Antike mit dem Planeten Saturn assoziiert. Irgendwann kommt es zwischen Himmel und Erde zum Streit. Gäa stiftet Kronos dazu an, seinen Vater Uranus zu töten. Kronos kastriert den Uranos mit einer Sichel aus Feuerstein. Uranos stirbt. Und Kronos, also die Zeit, beherrscht nach dem Tod des Uranos zunächst die ganze Welt. Aber Kronos lebt in Angst. Denn seine Eltern haben ihm beim Tod des Uranos vorhergesagt, dass auch ihn eines Tages eines seiner Kinder entmachten würde. Also verschlingt Kronos sicherheitshalber jedes Kind, das ihm seine Schwester und Frau Rhea gebiert. Rhea ist eine Erdtitanin, eine Tochter von Uranos und Gäa, Schwester und Gemahlin des Kronos, Mutter des Zeus und seiner Geschwister. Rhea entstand möglicherweise durch Umstellung der Buchstaben aus era, was „Erde“ bedeutet.

Rhea hat jedenfalls eines Tages genug davon, dass ihr Mann die gemeinsamen Kinder verschlingt. Und als das sechste Kind geboren wird, nämlich Zeus, versteckt sie den Zeus sofort nach der Geburt, und gibt dem Kronos stattdessen einen in eine Windel gewickelten Stein zu fressen. Zeus wird weg gebracht und heimlich auf der Insel Kreta großgezogen. Umgeben von weiblichen Gottheiten wächst Zeus in den Hügeln und Höhlen von Kreta auf. Seine Ersatzmütter sind die Nymphen Almatheia, Adrasteia und Io. Seine Ratgeberin ist die Titanin Metis. Metis, die am Ufer des Okeanos lebt, der das Universum umströmt, gibt dem Zeus, als er groß genug geworden ist, einen Rat, der seine gesamte spätere Existenz bestimmen wird:

Er solle am Hof seines Vaters Kronos als Mundschenk verkleidet erscheinen, und dem Kronos ein Getränk aus vergorenem Honig, vermischt mit Salz und Senf anbieten. Genau dies tut Zeus. Kronos stürzt das Gebräu in einem Zug hinunter. Als Folge dessen erbricht er zunächst den Stein, den er anstelle von Zeus verschlungen hatte und danach die Geschwister des Zeus. Nach langwierigen Kämpfen gegen Kronos und andere Titanen, gegen die Giganten und das Ungeheuer Typhon erringen Zeus und seine Geschwister schließlich den Sieg. Danach beherrschen Zeus, seine Geschwister und einige seiner Kinder als unsterbliche Götter vom Olymp aus den Himmel, die Erde, die Meere und die Unterwelt. Der Olymp ist zu gleichen Teilen von weiblichen und männlichen Gottheiten besetzt. Und abgestimmt wird demokratisch. Die einfache Mehrheit genügt.

Die sechs weiblichen Gottheiten im Olymp sind:

Hera, Schwester und Frau des Zeus, Göttin der Ehefrauen, Ehe und Familie.

Hestia, Schwester des Zeus, Göttin des Herdfeuers und des häuslichen Friedens.

Demeter, Schwester des Zeus, Göttin des Getreides und der Fruchtbarkeit.

Artemis, Tochter von Zeus und Leto, Göttin des Mondes und der Jagd.

Athene, Tochter von Zeus und Metis, Göttin der Weisheit.

Aphrodite, Emanation des Uranos, Göttin der Liebe und der Schönheit.

Die sechs männlichen Gottheiten im Olymp sind:

Zeus, König des Olymp, Herrscher über Himmel, Wetter, Blitz und Donner.

Poseidon, Bruder des Zeus, Herrscher über die Meere.

Ares, Sohn des Zeus und der Hera, der Gott des Krieges.

Hephaistos, Sohn des Zeus und der Hera, der Schmied der Götter.

Apollo, Sohn von Zeus und Leto, Gott der Sonne, der Musik und des Orakels.

Hermes, Sohn von Zeus und Maia, der Bote der Götter.

Der entscheidende Durchbruch im Leben des Zeus ist die Befreiung seiner Geschwister aus dem Bauch des Kronos, entsprechend dem Rat der Titanin Metis. Ohne diesen Vorgang ist die gesamte weitere Entwicklung des Mythos undenkbar. Ich schrieb weiter vorne: „Der Jupiter hat auch mit dem Gemeinschaftsprinzip zu tun. Ich werde das später noch belegen.“ Hier ist der Beleg: Zeus/Jupiter befreit seine göttlichen Geschwister und begründet mit ihnen zusammen die Gemeinschaft der unsterblichen Gottheiten des Olymps. Bei den Astrologen des antiken Persiens und Griechenlands galt der dem Zeus zugeordnete Planet Jupiter als das „Gesetz“, und Zeus galt als gerecht. Er verhält sich auch gegenüber seinem Vater Kronos großzügig und fair. Laut Mythos machte er Kronos nach seiner Unterwerfung zum Herrscher über das Elysium, den schönsten Ort in der Unterwelt.

Jupiter/Zeus lehrt die Kunst, den Kronos zum Kotzen zu bringen!

Dieser Satz ist nicht nur komisch gemeint. Sondern das Kotzen des Kronos ist tatsächlich von tiefer symbolischer Bedeutung. Es gibt einige Hinweise, mit deren Hilfe man diesen symbolischen Vorgang entschlüsseln kann: Unmittelbar klar ist, Zeus befreit seine göttlichen Geschwister aus dem Bauch der Zeit, indem er den Kronos zum Kotzen bringt. Er enthebt seine Geschwister dadurch der Herrschaft der Zeit und macht sie so unsterblich. Dazu kommt: Wir wissen, dass indoarische Einwanderer den olympischen Kult mit geformt haben. Und die Indoarier haben auch die indische Kultur beeinflusst. Also finden wir im olympischen Mythos  auch immer wieder Inhalte, die an Indien erinnern. Und nun gibt es interessanterweise eine alte Yogatechnik aus Indien, bei der man auf nüchternen Magen lauwarmes Salzwasser trinkt und dann erbricht, um Blockaden im Zwerchfell zu lösen. Später, in der römischen Kultur gilt Zeus in der Gestalt des römischen Gottes Jupiter auch als Gott des Humors. Und Lachen erschüttert, wie Erbrechen, das Zwerchfell. Also stellt sich, wenn wir Jupiter/Zeus wirklich verstehen wollen  die Frage: „Welche Bedeutung hat eigentlich das Zwerchfell?“

Das Zwerchfell galt den Griechen der Antike als „Sitz des Geistes UND der Seele“. Entscheidend dabei ist das UND. Denn das Zwerchfell wirkt wie ein Segel zwischen den darüber und darunter liegenden Körperregionen, das vom Atem auf und ab bewegt wird und dadurch beide Regionen stimuliert und mit einander verbindet. Oberhalb des Zwerchfells liegen die Chakras, – also die feinstofflichen Zentren – die dem Bewusstsein entsprechen. Darunter liegen die Chakras, die unseren unterbewussten seelischen Wahrnehmungen und Kräften entsprechen. Das Zwerchfell verbindet durch sein Auf- und Abschwingen Geist und Seele. Solange das Zwerchfell im Atemstrom frei und natürlich schwingen kann, sind Geist und Seele miteinander verbunden.

Wenn aber z.B. durch einen Schock, durch Angst (Saturn/Kronos) oder falsches Atmen das Zwerchfell blockiert wird, sind wir gespalten und unsere Kräfte sind dann blockiert. Mehr noch, wir verlieren die Orientierung, weil uns die instinktiven Wahrnehmungen aus der Bauchregion nicht mehr zugänglich sind. Und Energie verlieren wir natürlich auch noch. Seele und Geist befruchten sich nicht mehr gegenseitig. Die ursprüngliche Einheit unseres Wesens wird geteilt und zersplittert. Jupiter/Zeus löst die Blockaden im Zwerchfell auf und trägt so die unterbewussten, seelischen Anteile unseres Wesens in das Licht des Bewusstseins und befreit dadurch unsere Potentiale. Er hilft uns dabei, unser ganzes Wesen zu erleben und zu erfahren. Der Name „Zeus“ kommt, wie erwähnt, aus sanskrit dyam „Tag“ sowie aus altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“. Jupiter/Zeus aktualisiert unsere Möglichkeiten, er fördert sie zu Tage und trägt sie ins Heute, ins Hier und Jetzt. Er sorgt für einen sinnvollen größeren Zusammenhang unserer bewussten und unterbewussten Kräfte und ermöglicht so deren Integration. Zeus/Jupiter bringt uns zurück in die Gegenwart unserer Möglichkeiten.

Zur astrologischen Symbolik des Schützen und des Jupiters

Die Integration bewusster und unterbewusster Kräfte zeigt sich auch im symbolischen Bild für das Tierkreiszeichen des Schützen, zu dem der Planet Jupiter gehört. Da sehen wir ein Doppelwesen, einen mit Pfeil und Bogen bewaffneten Kentaur mit menschlichem Kopf und Oberkörper auf einem Pferdeleib. Die animalischen Energien und Instinkte, symbolisiert durch den Pferdeleib, verbinden sich mit menschlichen Qualitäten wie geistiger Zielsetzung und zielgerichtetem Handeln, symbolisiert durch den menschlichen Oberkörper des Schützen samt Pfeil und Bogen. Die unterbewussten, animalischen Anlagen werden nicht blockiert oder unterdrückt, sondern auf ein geistig bestimmtes Ziel gerichtet. Die Seele wird also inklusive ihrer animalischen Anteile geistig integriert. Der Schütze ermöglicht durch seinen Planeten Jupiter Bewegung, Richtung und Sinn und eröffnet so die Chance zur erfüllenden Entfaltung. Vor ungefähr 500 Jahren schrieb der Alchemist und Astrologe Agrippa von Nettesheim: „Jupiter gebietet über die Fruchtbarkeit der wirkenden Ursachen.“ Modern formuliert bedeutet das, der Jupiter ermöglicht uns die Entfaltung unserer Potentiale.

Die Symbole des Saturns links und des Jupiters rechts 

Die Symbole des Saturns links, und des Jupiters rechts, bestehen aus denselben Elementen. Nämlich aus einem Kreuz, das die Materie symbolisiert und einer Mondsichel, die die Seele symbolisiert. Das Symbol des Saturns zeigt ein Kreuz = Materie über einer Mondsichel = Seele. Hier erfährt sich das Seelische als unter der Herrschaft der materiellen Realität und der Vergänglichkeit stehend. Dem entspricht die Weltherrschaft des Kronos, also der Zeit. Das Symbol des Jupiters ist eine Mondsichel = Seele oberhalb eines Kreuzes = Materie. Hier erhebt sich das Seelische über die Vergänglichkeit und Begrenztheit der materiellen Realität hinaus. Dem entsprechen Zeus und die anderen unsterblichen Götter des Olymps.

Jupiter aus metaastrologischer Sicht

Als „metaastrologisch“ bezeichne ich meine Methode, die Bedeutung der Himmelskörper aus den Horoskopen auf die Entdeckung neuer Planeten bzw. auf die erste erfolgreiche Fotografie der Sonne, die erste Mondlandung, das erste Panoramabild vom Mars usw. zu deuten. Diese Horoskope auf bedeutsame Momente in der astronomischen Forschung sind Schlüsselbilder. Sie machen es einem möglich, zu einer genaueren, tieferen und erweiterten Anschauung der astrologischen Bedeutung der Himmelskörper zu kommen. Als „metaastrologisch“ bezeichne ich diese Methode deshalb, weil sie das astrologische Wissen mit astrologischen Mitteln erweitert. Wer sich für diese Methode interessiert findet weitere Texte dazu hier auf meinem Blog unter dem Stichwort „Metaastrologie“.

Das Schlüsselbild des Jupiters habe ich auf die Annäherung der Sonde Pioneer 10 auf die kürzeste Distanz an den Planeten Jupiter berechnet. Das war am 3.12.1973 um 18:25 PST. Die Erkundung des Jupiters durch die Weltraumsonde Pioneer 10 war damals das bisher erfolgreichste Projekt zur astronomischen Erforschung des Jupiters. Deshalb habe ich das Schlüsselbild des Jupiters auf diesen besonderen Moment berechnet. Die Daten wurden von der Bodenstation in San Jose in Kalifornien empfangen. Die Daten für dieses Schlüsselbild habe ich telefonisch bei der NASA erfragt.

Das Schlüsselbild des Jupiters

Dieses Schlüsselbild symbolisiert als Ganzes den Jupiter. Wir haben hier also ein ganzes  Horoskop für den Jupiter; oder bildlich gesprochen so etwas wie das „Geburtshoroskop des Jupiters im menschlichen Bewusstsein“. Kurz eine technische Information: Die farbigen Linien in der Grafik sind die sogenannten Aspekte. Sie zeigen die Beziehungen zwischen den einzelnen Faktoren im Horoskop. Den Aspekten liegen bestimmte Idealwerte zugrunde. Eine Opposition hat 180°, ein Trigon 120°, ein Quadrat 90° usw. Aber diese Idealwerte werden in der Realität nur sehr selten erreicht. Abweichungen vom Idealwert werden deshalb toleriert. Die jeweils tolerierte Abweichung vom Idealwert wird als „Orbis“ bezeichnet und variiert jeweils nach der astrologischen Methode. Der maximale Orbis liegt meist bei 7°. Je kleiner der Orbis, umso intensiver die Beziehung zwischen zwei Faktoren. In der oben stehenden Grafik liegt der Orbis aller Aspekte unter 1°, bei mehr als der Hälfte sogar unter 0,5°! Und jeder Faktor ist mindestens mit einem anderen Faktor verbunden. Das heißt, es gibt im Schlüsselbild des Jupiters eine weit überdurchschnittliche Vielfalt an intensiven Beziehungen.

In dieser Beziehungsvielfalt im Schlüsselbild des Jupiters haben wir eine Entsprechung zum Mythos des Zeus. Denn außer Aphrodite, die als eine Emanation des Uranos gilt, sind die elf anderen olympischen Götter alle entweder Kinder oder Geschwister des Zeus. Außerdem hat Zeus rund 45 Kinder mit Göttinnen, Halbgöttinnen und menschlichen Frauen gezeugt.

Ich schrieb eingangs: „Der Jupiter erzeugt und erkennt größere Zusammenhänge. Das ist mein Schlüsselsatz für den Jupiter.“ Der jeweilige größere Zusammenhang wird in der bildenden Kunst und in der Musik als „Komposition“ bezeichnet. Was ist eine Komposition? Eine Komposition ist die Summe der Beziehungen aller Einzelelemente – z. B. der Einzelelemente in einem Bild oder in einer Musik! Und dieses Prinzip ist natürlich auch auf andere Lebensbereiche übertragbar. Auf die Analogie Jupiter = Komposition bin ich übrigens gekommen, weil zwei Pioniere der modernen abstrakten Malerei, nämlich Wassily Kandinsky und Paul Klee beide die Sonne im Schützen, also im Zeichen des Jupiters hatten und beide haben Bücher über Komposition in der Malerei geschrieben.

Die essentiellsten Konstellationen im Schlüsselbild des Jupiters

In dieser Grafik habe ich nur die wichtigsten Konstellationen verwendet und auf die Aspekte ganz verzichtet. Und ich ordne die folgende Deutung in drei Schritte, nämlich POTENTIAL, UMSETZUNG und BEDEUTUNG.  

Das POTENTIAL wird von Haus 1 symbolisiert. Und  das  Potential besteht hier bei Krebs in Haus 1 und 2 im Seelischen des Einzelnen = Krebs in Haus 1 UND dem Seelischen der Gemeinschaft =  Krebs in Haus 2. Der Krebs symbolisiert das Seelische, das Gefühl und das Empfinden. Und hier gibt es zwischen dem Seelischen des Einzelnen und dem Seelischen der Gemeinschaft keine Trennung. Weil hier beide – der Einzelne = Haus 1 und die Gemeinschaft = Haus 2 vom selben Zeichen, nämlich dem Krebs beherrscht werden. Der Einzelne und die Gemeinschaft stehen hier also nicht in einem Entweder/Oder-Verhältnis zueinander, sondern wir haben hier ein Sowohl-als-auch. Das Sowohl-als-auch“ scheint mir übrigens typisch für den Jupiter zu sein. Und das muss ja auch so sein, wenn wir daran denken, dass dem Jupiter auch die Komposition entspricht. Denn eine Komposition ist ja die SUMME der Beziehungen aller Einzelelemente, also ein Sowohl-als-auch und kein Entweder/Oder.

Der Einzelne und die Gemeinschaft werden hier jedenfalls beide als Seelisches erlebt. Wie schon erwähnt schrieb ich: „Der Jupiter hat auch mit dem Gemeinschaftsprinzip zu tun. Ich werde das später noch belegen.“ Was ich hiermit noch Mal getan habe. Wir könnten angesichts des seelischen Gleichklangs des Einzelnen und der Gemeinschaft hier auch an die olympische Familie des Zeus denken. Denn der Krebs symbolisiert auch das Familiäre.

Der Krebs wird vom Mond beherrscht und der Mond steht hier ganz oben in Haus 10 in den Fischen. Das heißt, dass hier das Potential durch den Mond näher charakterisiert wird. Und Haus 10 symbolisiert die Berufung bzw. die Bestimmung. Das heißt, der Jupiter, der ja durch das ganze Schlüsselbild symbolisiert wird, sorgt dafür, dass unser seelisches Potential auch zu unserer Berufung und Bestimmung wird. Das Potential des Jupiters entspricht also unserem seelischen Anteil an unserer Bestimmung bzw. Bestimmung.

Der Mond steht auf ca. 24° Fische und als der Planet Uranus entdeckt wurde stand dort die Sonne. Und ich habe in mehreren Jahren nacheinander beobachtet, dass immer an dem Tag an dem die Sonne auf ca. 24° Fische stand, im Fernsehen Spielfilme liefen, in denen es um den Ausbruch aus einem Gefängnis ging. Auf ca. 24° Fische liegt also vermutlich ein Uranus- oder Befreiungspunkt. Übrigens habe ich auch die „metaastrologischen Schlüsselbilder“ entdeckt, als die Sonne auf ca. 24° Fische stand. Und diese Entdeckung war für mich sehr befreiend, weil dadurch ein allgemein gültiges astrologisches Quellenmaterial zugänglich geworden ist. Wodurch ich unabhäniger von schon bestehenden astrologischen Lehrmeinungen geworden bin.        

Der Mond steht hier jedenfalls in Haus 10 und Haus 10 steht in den Fischen. Und die Fische symbolisieren das CHAOS, den unermesslichen, gähnend leeren Weltraum, den Urzustand noch vor Beginn der Schöpfung. Und der Urzustand liegt ja bekanntlich zwei komische Entwicklungsphasen früher als die Phase, in der dann erst der Titan KRONOS, also die Zeit auftaucht. Die Fische und ihr Planet, der Neptun liegen damit vollkommen jenseits der Zeit.  Mit anderen Worten, der Jupiter befreit unsere seelischen Potentiale aus dem Gefängnis der Zeit. Er befreit uns so wie Zeus seine Geschwister aus dem Bauch des Kronos. Wir kehren in den zeitlosen Urzustand vor Beginn der Schöpfung zurück. Darin liegt unsere seelische Bestimmung. Manchmal schimmert das durch! Habt Ihr das auch beobachtet, z. B. wenn wir lachen? Wenn wir lachen, ist da keine Zeit!

Sowohl der Mond als auch die Fische gehören zum Element Wasser. Mond in den Fischen ist so ähnlich, wie wenn ein Fluss ins Meer mündet. Da fließt das Seelische ins Grenzenlose und das Seelische und das Grenzenlose haben hier dieselbe Qualität, weil beide zum  Element  Wasser gehören! Wir fühlen und empfinden – Alles ist Eins! Wir fühlen uns befreit und sind uns absolut sicher – Alles, alles ist Eins und alles fließt!

UMSETZUNG:  Der Planet, der die Fische beherrscht und den Urzustand symbolisiert, ist der Neptun. Der Neptun steht hier zusammen mit der Sonne in Haus 6. Der Neptun zeigt noch, wo das Potential hin tendiert. Und die Sonne zeigt schon die Umsetzung des Potentials. Haus 6 entspricht nach meiner Ansicht einem Prozess der Bewusstwerdung. Mit anderen Worten: Der Jupiter ermöglicht im Potential dem Seelischen das (gemeinsame) Eintauchen in den Urzustand = Mond in den Fischen, und er macht uns in der Umsetzung ins Erleben = Sonne in 6, diese Verbundenheit mit dem überzeitlichen Urzustand in der konkret erlebten Gegenwart bewusst. Das könnte man durchaus als die Beschreibung einer Erleuchtungserfahrung lesen!

Haus 6 symbolisiert nach Wolfgang Döbereiner die Bewusstheit und nach Thomas Ring die Differenzierung gegenüber dem Herkunftsmilieu. Und es wird in der Astrologie ganz allgemein angenommen, dass Haus 6 Sinn für Details hat. Bis hierhin ist bildlich gesprochen alles zusammen im Urzustand geschwommen. Aber Haus 6 bringt jetzt einen Prozess der Bewusstwerdung, Wahrnehmung, Klärung und Unterscheidung.

Ich schrieb, – der Jupiter erschafft größere Zusammenhänge, also z. B. eine Komposition oder ein Team, wie das der Götter des Olymps. Das kann schon mit einer gewissen Einheitlichkeit einher gehen. So dass  z. B. ein Gemälde eine Grundfarbe, oder eine Musik einen Grundton hat. Und die Götter des Olymps haben ja auch alle eine Grundqualität gemeinsam. Sie haben alle die Herrschaft der Zeit – also des Kronos überwunden und sind dadurch unsterblich Aber die jeweilige individuelle Eigenart der einzelnen Elemente bleibt im Schlüsselbild des Jupiters bei der starken Betonung von Haus 6 durch die Sonne erhalten. Genauer gesagt – die Eigenart der einzelnen Elemente wird hier sehr stark wahrgenommen, weil Haus 6 der Wahrnehmung von Details entspricht und die Sonne der aktiven Umsetzung des Potentials. Dem entsprechend sind im Mythos die Geschwister des Zeus alle lauter ganz unterschiedliche individuelle Gestalten.  

Randbemerkung zur Methode: Wenn ich ein metaastrologisches Schlüsselbild deute, dann setze ich den Himmelskörper um den es geht – also hier den Jupiter – der methodischen Sauberkeit halber als unbekannt voraus und deute ihn aus den anderen Faktoren. Das tue ich, um Vorurteile auszuschließen. Im Schlüsselbild des Jupiters ist es nun so, dass zwei maximal bedeutsame Faktoren, nämlich der Neptun als Herrscher von Haus 10 und die Sonne beide in Haus 6 im Schützen stehen. Und der Schütze wird ja bekanntlich vom Jupiter beherrscht. Also würde uns der Jupiter – und zwar nur der Jupiter – zeigen, wie es mit den bisher dargestellten Inhalten weiter geht und wo und wie genau die im Folgenden wirksam werden. Aber das überspringen wir jetzt aus dem oben genannten Grund und kommen direkt zu Bedeutung.   

BEDEUTUNG: Bei Steinbock in Haus 7 und 8 und dem Herrscher des Steinbocks – also dem Saturn, der hier in Haus 12 steht – liegt die Bedeutung des Jupiters darin, dass der Saturn in den Hintergrund tritt. Laut Mythos machte Zeus = Jupiter den Kronos =  Saturn nach seiner Unterwerfung zum Herrscher über das Elysium, den schönsten Ort in der Unterwelt. Übrigens ist hier im Schlüsselbild des Jupiters dieser Saturn in Haus 12 auch noch rückläufig. Das bedeutet, die Angst, Trennungen und Grenzen schaffende Wirkung des Saturns hört auf.

So, jetzt sind wir angekommen!

Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit und mag Euch noch empfehlen, öfter Mal zu lachen und/oder möglichst tief in den Bauch zu atmen, um Euer Zwerchfell zu bewegen.

Herzlich Vincento

PS: Und hier noch eine kleine Zwerchfellübung, Lesen genügt: 

Im Wald sitzt ein Affe und will sich gerade eine Spritze Heroin setzen, als ein Hase des Weges kommt und ruft: „Scheiß Drogen! Drogen sind scheiße! Komm, wir gehen joggen!“ Der Affe packt widerwillig sein Zeug weg und joggt mit. Nach einer Weile kommen sie bei einem Bär vorbei, der sich gerade eine Linie Koks reinziehen will. Und da ruft der Hase wieder: „Scheiß Drogen! Drogen sind scheiße! Komm, wir gehen joggen“. Also packt auch der Bär zusammen und joggt angenervt mit. Irgendwann treffen der Affe, der Hase und der Bär auf einen Löwen, der sich gerade einen Joint dreht. Und wieder ruft der Hase: „Scheiß Drogen! Drogen sind scheiße! Komm, wir gehen joggen!“ Der Löwe dreht in aller Ruhe den Joint fertig, zündet ihn an und raucht ein paar Züge. Und dann holt der Löwe tief Luft und fragt den Hasen mit drohendem Unterton: „Was hast Du da gerade gesagt?“ Der  Hase ist ziemlich eingeschüchtert und stottert: „Sch-sch-sch-ei-ei-eis Dr-dr-dro-ge-ge-gen. Dr-dr-dro-ge-ge-gen si-si-sind sch-sch-ei-ei-eisse. Ko-ko-ko…“, als der Löwe ihn plötzlich unterbricht und anbrüllt: „Jetzt hab ich die Schnauze aber endgültig voll! Jedes Mal, wenn Du auf Ecstasy bist, sollen wir joggen!“

4 Gedanken zu „JUPITER – oder wie man den Kronos zum Kotzen bringt“

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