Mrz 122014
 

Uranus-Entdeckung

Die Entdeckung des Uranus
am 13.3.1781 um 22:58:10 GMT in Bath/England

Uranus wurde am 13.3.1781 durch den Musiker und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel (*15.11.1738 + 25.8.1822) entdeckt und dadurch „in das Bewusstsein der Menschheit geboren“. So gesehen hat der Uranus am 13.3.2014 seinen 234. Geburtstag, was mir ein willkommener Anlass ist, ihm eine astrologische Betrachtung zu widmen. Weiterlesen »

Okt 272013
 

Der olympische Schöpfungsmythos

Von vielen griechischen Mythen existieren Varianten, die sich Mal mehr, Mal weniger deutlich voneinander unterscheiden. Ich habe mich bemüht, dem Hauptstrom der antiken Erzählungen zu folgen. Die Intuitionen, die im antiken Mythos zu poetischen Bildern wurden, sind so tief und so essentiell, dass man ihre Bedeutung auf mehreren Ebenen lesen kann. Dies gilt besonders für den olympischen Schöpfungsmythos. Hier werden symbolisch die ersten essentiellen Phasen einer jeden Entwicklung skizziert. Der Mythos ist eine schöpferische Leistung des Menschen. Er ist ein Kunstwerk und jedes Kunstwerk zeigt uns nicht nur den Inhalt, der durch das Kunstwerk dargestellt wird, sondern immer auch den Geist des Künstlers. Weiterlesen »

Mrz 232013
 

Ein Portrait des Saturns

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsprozesse. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Etymologie zu Saturn/Kronos

Saturn wurde in der griechischen Antike Kronos genant und mit dem Titanen Kronos, einem Sohn von Uranos (Himmel) und Gäa (Erde) assoziiert. Es gibt zwei altgriechische Begriffe, die mit Kronos in Beziehung stehen, kronos und chronos. Kronos, gesprochen mit Betonung der ersten Silbe, meint den Titanen Kronos, und wurde auch mit „Alter“ assoziiert: kronoliron bedeutet alte Männer, die versuchen, sich wie junge Männer zu verhalten, als kronion osis, „wie Kronos riechend“, bezeichnete man Menschen mit altmodischen, überholten Ideen. Chronos, gesprochen mit „ch“ und Betonung der ersten Silbe, bedeutet „Zeit“ in allen Varianten: „Zeitalter, Lebensspanne, Zeitraum, Zeitpunkt, Jahrhundert, Jahr“ etc. Chronos ist verwandt mit iapendisch ghr-on-os was „Thron“ bedeutet, was daran erinnert, dass die Zeit die gesamte Wirklichkeit beherrscht. Kronos gilt im Mythos als absoluter Herrscher, bis Zeus ihn überwindet. Ghr-on-os ist auch verwandt mit iapendisch gehr – „ich greife, ich packe“ und chronos bedeutet auch „der alles beinhaltet und alles zerstört“. Hier liegt die Verbindung von chronos im Sinne von „Zeit“ zum Titanen Kronos, der seine Kinder verschlingt. Die Begriffe kronos und chronos sind also sehr eng verknüpft, ähnlich wie im Deutschen “Alter” und “Zeit”.

Dass die Zeit „alles beinhaltet und alles zerstört“ erinnert, wie vieles andere im Mythos an die indische Kultur, die wie die griechische von indoarischen Kulten mit geformt wurde. Indische Gottheiten der Zeit, etwa die Göttin Kali („Zeit“) oder der Gott Mahakala („Große Zeit“), werden als verschlingende Gottheiten mit großen Fangzähnen und langer Zunge, meist schwarz oder dunkelblau dargestellt. Passend dazu gilt Schwarz in der klassischen Astrologie und Dunkelblau in der Münchener Rhythmenlehre von Wolfgang Döbereiner als die Farbe des Saturns.

Saturn aus mythologischer Sicht

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es zwei Mythen gibt, in denen Kronos auftaucht. Im Mythos von den fünf Zeitaltern der Menschheit lebt die erste, die „Goldene Rasse“ unter der Herrschaft des Kronos, alles ist wunderbar: Die Menschen leben ohne Arbeit und Sorge, sie tanzen und lachen viel, sie leben von Früchten, Honig usw. und sie altern nicht. Aber dennoch sind diese Glücklichen merkwürdigerweise nicht mehr unter uns. Dann kommt die „Silberne Rasse“. Da geht es allen schon schlechter, aber immerhin hören dort selbst hundertjährige Männer noch ganz brav auf ihre Frau Mama. Ist das nicht wunderschön? Da lässt wohl das Mama-Triarchat grüßen. Das Silber entspricht nämlich dem Mond und dieser der Mama. Dann kommt die „Bronzene Rasse“ usw. Sie ahnen wohl schon, wie es weiter geht. Wir leben heute natürlich im fünften, dem schlimmsten aller Zeitalter, wir sind die „Eiserne Rasse“ und total entartet, unzüchtig, verräterisch etc.

Das ist eine Erzählung nach dem Leitmotiv: „Früher war alles schöner, größer und breiter“, wie sie auch heute noch gerne erzählt wird, vor allem ab der Midlifecrisis. Solche Geschichten entspringen einer menschlichen Seelenhaltung (Mond) gegenüber der Zeit (Kronos/Saturn), nämlich der Nostalgie und insofern haben sie schon etwas mit dem Kronos zu tun. Ansonsten erscheint mir die Geschichte nicht besonders erhellend. Vielleicht enthält sie aber Hinweise auf sehr frühe Phasen der Menschheit, die in unserer Geschichtsschreibung nicht erwähnt werden, oder sie spiegelt letztlich die Sehnsucht nach dem präschöpferischen Urzustand wider. Immerhin ist diese alte Geschichte sehr viel schöner, als die meisten heutigen Geschichten dieser Art. Nostalgie ist heute eben leider auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Im olympischen Mythos markiert Kronos den Übergang von der vorzeitlichen zur nachzeitlichen Ordnung. Zunächst ein knapper Rückblick auf den Anfang des Mythos: Am Anfang, oder besser, noch vor jedem Anfang gibt es nur das Chaos, den „gähnend leeren Weltraum“. Daraus entstehen Gäa und Uranos, Erde und Himmel und bringen durch ihr kosmisches Liebesspiel alle Lebewesen hervor. Darunter sind auch zwölf Paare von Titanen. Titan bedeutet „Fürst“. Die Titanen herrschen über Teilaspekte der Wirklichkeit, etwa über die Gewässer, oder einzelne Erdteile, wie Asien usw. Es kommt zu einem Konflikt zwischen Gäa und Uranos. Gäa stiftet den Titanen Kronos an, seinen Vater Uranos mit einer Sichel aus Feuerstein zu kastrieren. Dies führt zum Tod des Uranos und zugleich zur Entstehung von dessen sieben Emanationen oder Ausstrahlungen, als da sind die Göttin der Liebe und Schönheit Aphrodite, die drei Furien und die drei Eschennymphen. Nach dem Mord an seinem Vater heiratet Kronos seine Schwester, die Erdtitanin Rhea, aber mit düsteren Vorahnungen. Denn Gäa und der sterbende Uranos hatten ihm vorher gesagt, dass auch er eines Tages durch eines seiner Kinder entmachtet werden würde. Deshalb frisst Kronos vorsichtshalber alle Kinder, die seine Frau Rhea ihm gebiert. Das Ganze der Schöpfung, als ein bereits vorhandener Bestand, dauert zwar an. Aber jede zusätzliche Entwicklung und Erweiterung der Schöpfung wird durch Kronos blockiert, in dem er seine eigenen Kinder frisst. Damit ist im „Bauch des Kronos“ die weitere Entwicklung, als etwas Statisches und wie noch nicht wirklich geboren, enthalten.

Man könnte sich vorstellen, dass Kronos als Mörder seines Vaters Uranos, Schuldgefühle hat. Vielleicht sorgt er deshalb mit unerbittlicher Strenge dafür, dass die Gesetze der Schöpfung des Uranos erhalten bleiben, nach dem Motto. „Wenn ich schon meinen Vater ermordet habe, sollte ich wenigstens dafür sorgen, dass dessen Schöpfung geordnet und erhalten bleibt“. Dies scheint, nebenbei bemerkt, das Credo vieler traditioneller staatlicher und religiöser Institutionen zu sein, – Institutionen werden mit Kronos assoziiert. Jedenfalls entwickelt Kronos die zwanghafte Gewohnheit, die eigenen Kinder zu fressen, damit alles beim Alten bleibt. Das wird eine regelrechte Tradition im gemeinsamen Haushalt der Erdtitanin Rhea und des Kronos.

Die Ehe von Kronos (Zeit) mit der Erdtitanin Rhea bedeutet in einer Kultur, die ganz von der Natur abhängig ist, vermutlich vor allem auch die Jahreszeiten, als eine das gesamte irdische Dasein bestimmende Wirklichkeit. Kronos ist unmittelbar mit dem Irdischen verbunden. Die Etymologie der Namen von vier Göttinnen, die eng mit Kronos verwandt sind, macht dies deutlich:

Etymologie zu Gäa, Rhea, Demeter und Kore

Gäa, die Erde, ist die Mutter des Kronos. Gäa wird „Jea“ gesprochen und bedeutet „Land, Erde, Boden“. Aus jithion „kleines Stück Land“, daraus jiynos „vom Planeten Erde kommend, Erdling“. Rhea, die Erdtitanin, ist die Schwester und Ehefrau des Kronos. Rhea entstand vermutlich durch Umstellung von era, was ebenfalls „Erde“ bedeutet. Demeter, die Göttin des Ackerbaus ist eine Tochter von Kronos. Demeter, gesprochen „Thimitra“ ergibt sich aus thi „jetzt, bis jetzt, schon“, und mitir „Mutter, Gebärende, Ernährerin, zur Herde gehörend“. Mitir und mitra „Gebärmutter“ sind verwand mit sanskrit matar „Mutter“. Kore, die Frühlingsgöttin, ist eine Enkelin des Kronos und Tochter der Demeter. In den dunklen Monaten lebt sie in der Unterwelt und taucht mit dem Wachstum der Pflanzen im Frühling wieder an der Erdoberfläche auf. Sie ist also eine Göttin der Jahreszeiten. Kore wird „Kori“ gesprochen mit Akzent auf der ersten Silbe, bedeutet „Jungfrau, kleines Mädchen, frisch verheiratete Frau, Tochter“. Kronos symbolisiert durch seine unmittelbaren familiären Bindungen an diese vier weiblichen Gottheiten, die Zeit in ihrer Verbindung mit dem Irdischen. Er symbolisiert aber noch mehr als das, – damit zurück zu seinem Mythos:

Eines Tages, als ihr das sechste Kind, ein Sohn namens Zeus geboren wird, hat Rhea, die Frau des Kronos die Nase endgültig gestrichen voll, und beschließt: „Mein fünftes Kind war das letzte Kind, das mein Göttergatte Kronos gefressen hat!“ Zu dem Zeitpunkt befinden sich im Bauch des Kronos fünf zukünftige Gottheiten: Hestia, Göttin des Herdfeuers und des häuslichen Friedens, Hera, Göttin der Ehefrauen, Demeter, Göttin des Ackerbaus, Pluto, der zukünftige Herrscher der Unterwelt, und Poseidon, der zukünftige Herrscher über die Meere. Kronos, der seine eigenen Kinder frisst, ist hier natürlich Kronos im Sinne von chronos „der alles beinhaltet und alles zerstört“. Dies erinnert an das „Rad der Zeit“ im asiatischen Kulturkreis, an den endlosen Kreislauf von Geburt, Krankheit, Alter, Tod und Wiedergeburt, an die quälende Abfolge von Ereignissen, die uns nur eines zu zeigen scheinen: Nämlich dass alles Irdische der Zeit unterworfen und deshalb vergänglich und enttäuschend ist. Aber der dritte Sohn Zeus, der astrologisch das Prinzip der Erkenntnis symbolisiert, wird seine Geschwister befreien und seinen Vater Kronos überwinden. Und dabei zeigt sich, dass in Zeus und seinen Geschwistern Wirklichkeiten zu Gestalten werden, die im Mythos schon vor der Geburt des Kronos auftauchen. Diese vorzeitlichen Wirklichkeiten leben in Zeus und seinen Schwestern und Brüdern wieder auf, wenn auch in anderer Gestalt.

So ist Kronos der Übergang von der vorzeitlichen Ordnung zur darauf folgenden Herrschaft der Zeit und der anderen Titanen. Und zugleich ist er auch der Vater der Gestalten, die später eine neue göttliche Ordnung begründen werden, nämlich der Vater einiger der unsterblichen Götter des Olymps. Und diese müssen, als „Unsterbliche“ ja dem Zeitlosen zumindest verwandt sein. Das heißt, das Zeitlose, das schon vor Kronos (Zeit) war, taucht in und durch Kronos wieder auf, wenn auch in anderen, vielfältigeren Gestalten. In der Astrologie gilt Kronos in Gestalt des Saturns als „Hüter der Schwelle“ zwischen dem Unsichtbarem und dem Sichtbaren, als Hüter der Schwelle zwischen dem Zeitlosen und der irdischen Zeit.

Saturn aus metaastrologischer Sicht

Das Potential des Saturns umfasst die physische Wirklichkeit, die Lebewesen und deren Lebensbedingungen als etwas, das bereits vorhanden ist. Kurz: „die Welt ist schon da“. Das muss ja so sein, weil Uranos und Gäa zuvor aus dem Chaos vor der Schöpfung hervorgegangen sind und die Lebewesen erschaffen haben. Also ist das Potential, das Saturn zu gestalten hat, die schon bestehende Welt, mit all ihren Lebewesen und Lebensbedingungen. Saturn gestaltet die konkreten Erscheinungen, indem er ihnen Bedeutung und Balance gibt. Er ist ein Prinzip, in der Alle Erscheinungen enthalten sind, und das unmittelbar in die Lebensbedingungen der Lebewesen hinein wirkt. Die irdischen Erscheinungen, die Lebewesen und deren Bedingungen, richten sich nach dieser Struktur aus. Sie passen sich an das Prinzip des Saturns an. Wir können uns die Aktivität des Saturns also als ein Prinzip denken, das die Welt der konkreten Erscheinungen in sich enthält und in diese hinein wirkt. Zugleich richten sich realen Erscheinungen an diesem Prinzip aus, sie passen sich an. Wenn die Wirkung eines Prinzips auf die realen Bedingungen dazu führt, dass sich die realen Bedingungen an dieses Prinzip anpassen, dann muss es sich um eine sehr machtvolle Ordnungskraft handeln. Tatsächlich steht Saturn generell für Ordnungsvorgänge. Zur Illustration:

Man stelle sich vor, ein Bildhauer hat einen Felsbrocken vor sich. Jetzt haut der Bildhauer als erstes einen möglichst großen Würfel aus dem Felsbrocken heraus. Und aus den Reststücken haut er auch wieder Würfel heraus, kleinere natürlich. Und die Reststücke, die dabei abfallen, behaut er wieder nach demselben Prinzip. Und so macht er immer weiter. Bis schließlich das ganze Material, aus dem der Felsbrocken ursprünglich bestanden hat, bis zur Größe eines Sandkorns, die Form von Würfeln hat. Soweit diese Metapher zur Wirkung des Saturn.

Der Saturn durchdringt die gesamte Erscheinungswelt im Sinne eines abstrakten Prinzips und die Erscheinungswelt passt sich an dieses Prinzip an, indem sie sich im Sinne dieses Prinzips „verbraucht“. Dieses Prinzip, das die gesamte Erscheinungswelt enthält, durchdringt und „verbraucht“ ist natürlich die Zeit. Die einzelnen Phänomene der gesamten Erscheinungswelt entstehen, verdichten sich und vergehen wieder. Aber der Saturn, die Zeit, dauert an: „Die ununterbrochene Fortdauer des Ganzen aber gehört dem Saturn an“ schreibt Agrippa von Nettesheim (*14.9.1486 in Köln – +1535 in Grenoble). Da die Erscheinungswelt nicht nur von der Zeit durchdrungen wird, sondern auch als Ganzes in der Zeit enthalten ist, befindet sich die gesamte Erscheinungswelt, wenn man so möchte „im Bauch des Kronos“, im Bauch der Gottheit, die „Alles enthält und alles zerstört“. Saturn betrifft damit Alle Erscheinungen und Lebewesen. Er symbolisiert als die Zeit und die Vergänglichkeit das „Allgemeingültige“ schlechthin und deshalb auch das Gemeinschaftsprinzip. Denn er ist ja das Prinzip, das die Gemeinschaft aller Lebewesen beherrscht. Manchen Astrologen gilt der Saturn deshalb auch als das „Realitätsprinzip“.

Die so genannte „Realität“, um das Mal kurz ein zu flechten, ist natürlich nicht die gesamte und einzige Wirklichkeit, sondern immer nur der jeweilige Ausschnitt aus der Wirklichkeit, der im Kollektiv als gültig angesehen wird. Wodurch wird eigentlich bestimmt, welchen Ausschnitt der grenzenlosen, schöpferischen Wirklichkeit wir als gültig anerkennen? Durch unsere Glaubenssysteme! In der Dimension des Saturns wird das wirklich, woran das jeweilige Kollektiv glaubt! Nach der tibetischen Kosmologie, wo der Kronos übrigens Mahakala (Große Zeit) heißt, träumen wir Alle gemeinsam die Welt. „Wir Alle“ umfasst in dieser Sicht auch Götter, Halbgötter, Geister, Tiere, Pflanzen usw. Nach metaastrologischer Sicht symbolisiert Saturn kollektive und öffentliche Vorstellungen und deren Wirkung auf die konkrete Erscheinungswelt.

Wir halten fest, dass der Saturn ein kollektives Prinzip ist und das Kollektive und die Ordnungsstrukturen von Kollektiven repräsentiert. Und je mehr Mitglieder ein Kollektiv innerhalb eines begrenzten Raumes hat, je mehr es zur Verdichtung kommt, umso mehr kommt der Saturn zur Wirkung. Das ist leicht erklärt. Ein kleines Kollektiv, wie z.B. ein Stamm von Nomaden, der durch das tibetische Hochland zieht, braucht nur wenige Regeln und Gesetze. Ein großes Kollektiv auf engem Raum, wie die Bürgerschaft der Stadt New York braucht sehr viel mehr Regeln und Gesetze, um das Leben im Kollektiv zu organisieren.

Neben dem Prinzip des Kollektiven symbolisiert der Saturn auch das Prinzip der Ordnung und Balance. Zunächst gilt die „Verdauung der Erscheinungen durch den Kronos“ als das primäre Gesetz, dem Alles konkret Existierende unterliegt. Klar, Kronos/Saturn, die Zeit ist eine verschlingende Gottheit. Aber im Kontext dieser übergeordneten Bedingung, also im Rahmen der Zeit, kommt es immer wieder zu Ausgleichsbewegungen und zur Balance. Die Balance und Harmonie innerhalb der Erscheinungen ergibt sich aus den Erscheinungen und deren Bedeutung von selbst. Wir haben es hier mit sich selbst steuernden Regulierungs-, Anpassungs- und Ausgleichsvorgängen zu tun, in denen sich auch harmonische und ästhetische Prinzipien widerspiegeln und im weiteren auch die wechselseitige Abhängigkeit der einzelnen Erscheinungen voneinander. Innerhalb der Zeit, den Naturgesetzen, religiösen, kulturellen, juristischen und politischen Normen etc. besteht Raum für sich selbst regulierende Steuerungs- und Ausgleichsvorgänge. Dies erinnert an die sich selbst bestimmenden Organisationsvorgänge, die von der Chaosforschung untersucht und dargestellt werden. Die Schönheit und Harmonie dieser Vorgänge an den Grenzen zwischen Chaos und Ordnung zeigt die ästhetische Facette des Saturns. Dieser Aspekt des Saturn wird auch überall dort erkennbar, wo sich Naturgesetze, Maße, Maßsysteme und Schönheit mit einander verbinden, – siehe etwa „Die Kraft der Grenzen“ von György Doczi oder auch „ Die kosmische Oktave“ von Cousto.

Die Kräfte des Ozeanischen und Grenzenlosen, die mythologisch und astrologisch gesehen den Hintergrund des Saturn bilden, werden durch den Saturn geformt und koordiniert und in konkrete Wahrnehmungen und irdische Bedingungen überführt. Dem entspricht im Mythos die Entwicklung vom Chaos über die Schöpfung hin zur konkreten Erscheinungswelt. Saturn entspricht dem astrologischen Zeichen des Steinbocks. Dieses Zeichen wurde früher als „Ziegenfisch“ bezeichnet und als Doppelwesen dargestellt. Kopf, Brust und Vorderläufe gleichen dem Körper eines Ziegenbocks, der Hinterleib besteht aus einem gewundenen Fischschwanz, ähnlich wie bei einer Meerjungfrau. Die Etymologie gibt eine überraschende und sehr interessante Erklärung dazu:

Etymologie zum Steinbock

Steinbock heißt auf Altgriechisch egokeros. Egokeros entstand aus eks, „Ziegenbock“ und keras, „Horn“ und bedeutet „der gehörnte Ziegenbock“. Eks entstand aus aramäisch aic und sanskrit agas, die beide „Ziegenbock“ bedeuten. Aus aic entstand auch ejialos. Ejialos bedeutet „der Ort, wo Meer und Land zusammen kommen“. Diese Bedeutung entstand aus der Beobachtung des weißen Schaums auf den Brandungswellen. Die Brandung wurde mit Ziegenböcken assoziiert, weil der weiße Schaum an ihr Fell und die Wucht der Wellen an ihre Kraft erinnerte. Der Plural ejes bedeutet sowohl „Ziegenböcke“ als auch „starke Wellen“. Daraus hat sich das Bild des Ziegenfischs ergeben: vorne Ziegenbock, für ejes mit der Bedeutung „Ziegenböcke“, hinten der Schwanz eines Fisches, für ejes im Sinne von „starke Wellen“. Der Ziegenfisch zeigt vom Hinterleib zum Kopf eine Entwicklung vom Wasser- zum Landtier. Und ejialos bedeutet „der Ort, wo Meer und Land zusammen kommen.“ Zurück zum Saturn:

Saturn formt unsere Anteile am ozeanischen Bewusstsein zu Brandungswellen, die an das Ufer unseres individuellen Bewusstseins schlagen und dieses Ufer formen. Für den Einzelnen bedeutet dies, dass der Saturn dessen Anteil am Transzendenten und dessen vorbewusste Inhalte konkretisiert, verdichtet und dann als „Bestimmung“ bzw. „Schicksal“ zu realen Lebensbedingungen formt. Übertragen auf die Idee der Reinkarnation bedeutet dies, dass Saturn die subtilen Inhalte und Kräfte, die man aus früheren Inkarnationen mitbringt, formt und zu konkreten Lebensbedingungen und Wahrnehmungen verwandelt. Der Begründer des tibetischen Buddhismus, Padmasambhava soll in diesem Sinne einmal gesagt haben: „Wenn Du wissen willst, was Du in Deinem letzten Leben getan hast, dann schau dir Deine heutigen Lebensbedingungen an. Wenn Du wissen willst, wie Dein zukünftiges Leben aussehen wird, schau Dir Deine heutigen Taten an.“ Aus Sicht der metaastrologischen Planetenbilder tendiert der Saturn zu Schuldgefühlen bezogen auf den Uranus. Kann man sich vorstellen bei der Vorgeschichte. Wie eingangs schon einmal formuliert: – Vielleicht sorgt er (Saturn/Kronos) deshalb mit unerbittlicher Strenge dafür, dass die Gesetze der einmal gegebenen Schöpfung des Uranos erhalten bleiben, nach dem Motto. „Wenn ich schon meinen Vater ermordet habe, sollte ich wenigstens dafür sorgen, dass dessen Schöpfung als ein Bestand bereits gegebener Bedingungen geordnet wird und erhalten bleibt“. –

Institutionen und Traditionen werden als kollektive Ordnungsstrukturen seit jeher dem Saturn zu geordnet, und es scheint, dass sich diese zu ihren schöpferischen Begründern genau so verhalten, wie Kronos zu Uranos. Uranos findet, wenn er seine Schöpfung in die Wirklichkeit entlässt, in Kronos deren Verwalter. Und gerade dadurch, dass Kronos als der jeweilige Verwalter einer Schöpfung sich bemüht, dafür zu sorgen, dass „alles beim Alten bleibt“, wird das Schöpferische, das ja seiner ganzen Natur nach dynamisch ist, seiner schöpferischen Potenz beraubt. Im Mythos ist das die Kastration des Uranos durch Kronos.

In der irdischen Zeit des Saturns gibt es keine völlig autonomen Wirklichkeiten. Es gilt die Herrschaft der Zeit über alles und in den Beziehungen der einzelnen Erscheinungen untereinander gilt das Prinzip der gegenseitigen Abhängigkeit. Im Rahmen dieser Gesetze ist Raum für Schönheit, Harmonie und sich selbst bestimmende Steuerungs- und Ausgleichsvorgänge. Aber letztlich sitzen wir „Alle in einem Boot“, genauer in einem Bauch, nämlich im „Bauch des Kronos“. Der Saturn symbolisiert kollektive Vorstellungen mit machtvoller Wirkung auf die realen Lebensbedingungen. Diese Wirkungen bestimmen uns umso stärker, je mehr wir uns vom Kollektiv abhängig machen und je ausschließlicher wir uns mit unserer eigenen konkreten Erscheinung, mit dem physischen Körper identifizieren. Dann erfahren wir uns als voneinander getrennt, als begrenzt und sterblich. Der Saturn ist der Einstieg in die physische Realität. Unser Bewusstsein bindet sich an die Materie, es wird durch die Macht des Saturns regelrecht auf die konkrete Erscheinungswelt fixiert, wie durch eine kollektive Hypnose. Das Bewusstsein beginnt, sich zu verfestigen. Saturn symbolisiert die Umwandlung zum Festen. Dem entspricht in der menschlichen Entwicklung die Bindung des „Ich“ an den physischen Körper.

Irgendwann wird uns bewusst, dass der physische Körper, in dem wir wohnen, vergänglich ist. Wenn wir uns ausschließlich mit dem vergänglichen Körper identifizieren und unsere vorzeitliche und schöpferische Wirklichkeit vergessen, dann leben wir in Todesangst. Und wenn wir die nicht ertragen, dann leben wir mit all unseren Versuchen, unsere Angst vor dem Tod durch Gier, Aggression oder Ignoranz zu verdrängen. Dadurch erfahren wir dann buddhistisch „Samsara“, jüdisch/christlich „die Vertreibung aus dem Paradies“, oder olympisch gesprochen „Die Dunkelheit im Bauch des Kronos“.

Eigentlich ist die Situation paradox. Wenn wir uns nur mit dem physischen Körper identifizieren, erfahren wir uns als Ego, als etwas, das von der übrigen Wirklichkeit getrennt existiert. Wir fühlen uns allein. Der Witz daran ist, das tun wir fast Alle. Das bedeutet: “Wir sind Alle zusammen Allein”. Alle zusammen allein? Ja was denn nun? Alle Zusammen oder Alle allein? Das ist das Paradox des Saturns. Wir sind in der Sphäre des Saturns beides zugleich! Wir sind Alle zusammen und Alle sind allein! Also schließen wir uns unter der Wirkung des Saturn eventuell einem Kollektiv an, egal welcher Art und Größenordnung. Ein Aspekt des Saturn, der meist übersehen wird, ist, dass alle kollektiven Maßstäbe, Traditionen, Normen, Gesetze etc., die ja seit jeher dem Saturn zugeordnet werden, auf Vorstellungen beruhen, wenn auch auf kollektiven Vorstellungen. Wahnhafte Vorstellungen gibt es aber auch auf der kollektiven, nicht nur auf der individuellen Ebene. Ein Kabarettist brachte die Spannung zwischen unterschiedlichen kollektiven Vorstellungen einmal wie folgt auf den Punkt:

„Wenn ich mit Gott spreche, nennen die Leute das Beten. Wenn Gott aber dann auch mal mit mir spricht, dann nennen das dieselben Leute auf einmal Psychose.“

Ich nehme an, dass Sie im Moment lächeln. Wenn es Ihnen gelingt, sich aus den Vorstellungen des Kollektivs zu lösen, sich Ihrer Sterblichkeit zu stellen und so zu handeln, wie es Ihnen aus tiefstem Herzen entspricht, dann haben Sie die zentrale Lektion des Saturns gelernt. Es heißt, dass der Kirchenvater Augustinus einmal gefragt wurde, wie man sich denn am Besten verhalten soll. Worte wie „soll, sollte, kann, könnte, müsste, muss, dürfte, darf“, sind natürlich typische Vokabeln des Saturns im Sinne kollektiver Regeln und Gesetze, – das ist vollkommen klar. Und da soll der Kirchenvater Augustinus gesagt haben: „Liebt und tut was ihr wollt.“
Der Saturn wird in der Alchemie auf der Stufe der Rubedo dem Kronenchakra zugeordnet, das uns mit dem Transzendenten und Schöpferischen verbindet, – wenn es geöffnet wurde. Die Öffnung des Kronenchakra setzt voraus, dass wir uns unserer Todesangst bewusst gestellt und diese dadurch überwunden haben. Ist diese Angst überwunden, offenbaren sich die Kräfte des Transzendenten. Aus dem olympischen Schöpfungsmythos wird klar, dass schon vor der Zeit und vor der Angst (Kronos) das Grenzenlose (Chaos), das Strömende (Okeanos) und die Liebe (Eros) waren. Die Liebe und die Schönheit werden als Ausdruck der vorzeitlichen, transzendenten Dimension in Aphrodite (Venus) zur Gestalt.

Soweit dieses Portrait des Saturns

 23. März 2013  Veröffentlicht von um 17:30  Astrologie, Metaastrologie Tagged with: , , , , , , ,  Keine Antworten »
Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Die Venus aus mythologischer Sicht

Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit heißt im Mythos Aphrodite, gesprochen „Afrothiti“, mit Betonung der dritten Silbe. Das th wird wie im Englischen „the“ als Hauchlaut mit der Zunge an den oberen Schneidezähnen gesprochen. Aphros bedeutet „Meerschaum“, thiti bedeutet „geboren aus“.

Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, ist eine Ausstrahlung oder Emmanation des schöpferischen Himmelsgottes Uranos. Beim Tod des Uranos, der von seinem Sohn Kronos (Zeit) mit einer Sichel aus Feuerstein kastriert wird, entstehen sieben neue Gottheiten, die drei Erinnyen, die drei Meliai und Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit. Diese Göttinnen sind natürlich lauter Erscheinungsformen des Uranos. Sie alle symbolisieren, wie man mit dem Uranos, dem Schöpferischen und dem Himmlischen, verbunden bleiben kann, nach dem die Welt unter die Herrschaft des Kronos geraten ist. Die Meliai und Erinnyen zu verstehen, hilft uns, auch deren Schwester Aphrodite zu begreifen. Die sieben Ausstrahlungen des Uranos garantieren gemeinsam, dass das Schöpferische aktiv bleibt, nach dem dessen Schöpfung unter die Herrschaft des Kronos geraten ist.

Wo das Blut des Uranos zur Erde fällt, entstehen die drei Furien oder Erinnyen. Die Erinnyen sind Rachegöttinnen. Sie bestrafen Vatermörder und Eidbrüchige indem sie die Täter in den Wahnsinn treiben. Erinis bedeutet „den Geist stören“. Bei „Rachegöttinnen“ denken wir nicht unbedingt an etwas besonders Erfreuliches. Aber es handelt sich dennoch um ein ganz positives Symbol. Versuchen wir zu verstehen, welche Bedeutung die Furien oder Erinnyen haben. Dass die Erinnyen Vatermörder bestrafen, ist nur logisch, genauer mythologisch. Sind sie doch entstanden, als Kronos seinen Vater Uranos ermordet hat. Aber warum bestrafen sie auch die Eidbrüchigen?

Uranos kommt von sanskrit varuna-h, dem indoarischen Gott Varuna. Varuna, der indoarische Vorläufer des Uranos, ist der „Gott des Nachthimmels“ und der „Gott der Eide“. Ein Eid ist eine feierliche Wahrheitsversicherung unter Anrufung Gottes. Die Indoarier haben, wenn sie einen Eid schworen, also vermutlich den „Gott des Nachthimmels“ angerufen, weil der auch der „Gott der Eide“ war. Der gemeinsame Nenner ist wohl, dass die Sterne auf Reisen, wie ein echter Eid im sozialen Bereich, eine verlässliche Orientierung bieten. Solange wir wahrhaftig und unserem Ursprung (Uranos) treu bleiben, lassen uns die Erinyen in Ruhe. Wenn nicht, beginnen sie unseren Geist zu stören. Sie stehen also eigentlich für unsere Integrität, für die Wahrheit und Ursprünglichkeit unserer Individualität.

Das zweite Trio von Göttinnen, durch die der Uranos weiter wirkt, sind die Eschennymphen oder Meliai. Auch die Meliai entstehen dort, wo das Blut des Uranos zur Erde fällt. Miliades bedeutet „frei laufende kleine Tiere, Ziegen, Schafe”. Milon bedeutet „Baumobst, Zitronen, Äpfel, Pfirsiche” und Mila „die Brüste junger Mädchen”. Es geht also um das Leben, das Wachstum und die Fruchtbarkeit im Reich der Tiere, Pflanzen und Menschen und die Symbolik hat auch erotische Aspekte. Die Meliai sind offensichtlich Natur-, Wachstums- und Fruchtbarkeitsgottheiten. Die schnell wachsenden Eschen wurden beim Fruchtbarkeitszauber verwendet, das erklärt, weshalb man die Meliai auch Eschennymphen nennt. Die Wirkung des schöpferischen Uranos kommt nach diesem Bild in der lebendigen Natur zur Entfaltung. Ohne das Schöpferische gibt es werder Schöpfung noch Natur.

Der Penis des Uranos wird von Kronos ins Meer geworfen. Aus dem Schaum, der dort aus Blut, Samen und Meerwasser entsteht, wird Aphrodite geboren. Ihr Name bedeutet „aus Meerschaum geboren“. Aphrodite ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Sie ist sicherlich die schönste und bedeutendste der sieben weiblichen, göttlichen Erscheinungsformen des Uranos.

Nach dem Mythos trägt sie einen magischen Gürtel, mit dem sie jeden Menschen und auch die Götter in ihren Bann ziehen kann. Liebe und Schönheit sind danach die wichtigsten und mächtigsten Ausstrahlungen des Uranos. Die Erfahrung, dass die Liebe die bedeutendste und machtvollste Erscheinung des Himmlischen und Schöpferischen ist, spiegelt sich in vielen Mythen und Religionen. Je nach dem kulturellen Unfeld verwandeln sich die Bilder für diese Erfahrung aber oft ganz erheblich.

Aphrodite tritt unverhüllt und in aller Schönheit als Göttin der erotischen Liebe in Erscheinung. Die ägyptische Isis überwindet durch Mitgefühl, Liebe, Friedfertigkeit und Treue den Tod. Sie erweckt ihren Gatten Osiris zum Leben, der durch seinen Widersacher Seth ermordet und zerstückelt wurde. Und sie bittet später den gemeinsamen Sohn Horus, der Osiris rächen will sogar, das Leben des Seth zu schonen. Der Sänger Orpheus überwindet die Schwelle zur Unterwelt. Er geht in das Reich der Toten, um seine Geliebte Euridike in das Leben zurück zu holen, und scheitert erst im letzen Moment. Christus, die Mensch gewordene Liebe Gottes, überwindet die Hölle und den Tod. Die mythologischen Bilder wandeln sich, aber die überragende Bedeutung der Liebe bleibt.

Auch die moderne Hirnforschung stellt fest, dass die Liebe sehr machtvolle Wirkungen hat. Man gab in einem Experiment Menschen, die verliebt waren, ein Foto des Geliebten zur Ansicht und legte sie in einen Kernspintomografen. Dieses Gerät macht sichtbar, welche Teile des Gehirns aktiviert und welche deaktiviert sind. Hier die Ergebnisse:

Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, bei der Integration von sinnlichen Eindrücken und bei sexueller Erregung aktiv sind. Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, Trauer, Depression und Aggression, und bei der kritischen Bewertung anderer Menschen nach konventionellen Kriterien aktiv sind. Das Experiment wurde mit Müttern wiederholt, die Bilder ihrer Kinder betrachteten. Auch hier wurden die Bereiche deaktiviert, die bei Angst, Trauer, Depression und Aggression, sowie bei der kritischen Bewertung anderer Menschen aktiv sind.

Angst, Trauer und Depression und die kritische Bewertung anderer Menschen und von einem selbst nach den Kriterien der Konvention, z.B.: – “sowas tut man nicht!”, werden in der Astrologie durchweg dem Saturn, also dem mythischen Kronos, zugeordnet. Der Planet Saturn wurde schon in der Antike mit dem Titanen Kronos assoziiert.

Die Liebe, die Göttin Aphrodite, überwindet also die Wirkungen des Kronos nach der Sicht des olympischen Mythos, wie 3.500 Jahre später auch nach der Sicht der modernen Hirnforschung. Ist das nicht wunderschön? Und die Qualitäten Integrität, Fruchtbarkeit, Natürlichkeit und Erotik, die durch ihre Schwestern, die Erinyen und die Meliai symbolisiert werden, sind natürlich ebenfalls hilfreich, wenn es darum geht, die blockierenden Wirkungen des Kronos zu überwinden und ein freies schöpferisches Individuum (Uranos) zu bleiben oder wieder zu werden.

Die Liebe, also Aphrodite, ist wie der Volksmund sagt, „eine Himmelsmacht“, – Uranos bedeutet im Altgriechischen „Himmel“, und Aphrodite ist ja dessen Ausstrahlung, Emmanation und Aktivität. Und zugleich ist sie eine Erscheinung des Grenzenlosen, das schon vor Beginn der Schöpfung existierte. Denn Aphrodite entsteht aus dem Schaum, der sich aus dem Blut des Uranos und dem Wasser des Meeres dort bildet, wo das Genital des Uranos ins Meer geworfen wird. Und das Meer ist im vorzeitlichen Bild des mythologischen Okeanos das Grenzenlose, aus dem Alles hervor geht.

Aphrodite reitet auf einer Muschel ans Ufer und nimmt ihren Wohnsitz auf Zypern. Ihre Begleittiere sind Tauben und Sperlinge, sie liebt Rosen und Myrrhe (ein Aphrodisiakum der Antike) und sie trägt einen Gürtel, mit dessen Zauberkräften sie jeden Menschen und jeden Gott in den Zustand leidenschaftlicher Liebe versetzen kann.

Sie wird von Zeus mit dem Schmied der Götter, Hephaistos verheiratet. Aber der Vater ihrer Kinder Eros (Leidenschaft), Harmonia (Harmonie) und Phobos (Furcht) ist der Kriegsgott Ares. Aus einer Affäre mit dem Götterboten Hermes entsteht der zweigeschlechtliche Hermaphrodit. Aus einer Beziehung zu Dionysos, dem Gott des Rausches, entsteht Priapos, der mit seinen riesigen Geschlechtsteilen als der Gott der Fruchtbarkeit, der Pflanzenwelt und der sexuellen Begierde gilt. Es heißt, dass Aphrodites Lieblingsbeschäftigung darin besteht, Götter und Menschen in ihrem Netz der Liebe zu fangen und in leidenschaftliche Beziehungen zueinander zu verstricken.

Die Schönheit und die Liebe unterliegen Gesetzen, die sich der menschlichen Kontrolle letztlich entziehen. Dass ein Kunstwerk oder eine Liebesbeziehung gelingt, lässt sich nicht erzwingen. Zugleich sind Liebe und Schönheit von großer Wirkung auf den Menschen. So wurden Liebe und Schönheit in vielen Kulturen als etwas Göttliches verstanden, oder sie galten zumindest als Erscheinung des Göttlichen oder des Transzendenten.

Aphrodite beschützt die Liebenden und die Liebe. Als Emanation des Uranos, der die Schicksalsgöttinnen sagten, sie hätte nur eine Aufgabe, zu lieben, und sonst keinerlei Pflichten, überschreitet sie die Grenzen des Irdischen und verweist letztlich auf das Grenzenlose, aus dem sie hervorging.

Dass selbst so mächtige Göttinnen wie Artemis und Aphrodite den drei Schicksalsgöttinnen zu gehorchen haben, erinnert an indische Denkweisen. Auch dort existiert die Idee, dass selbst die Götter ein Karma zu erfüllen haben. Dass auch die Götter ein Karma zu erfüllen haben, könnte also eine indoarische Idee sein. Der olympische Kult wurde ja auch durch indoarische Einflüsse geformt. Aber vielleicht ist dies auch eine Wirkung des Matriarchats, das den olympischen Kult ebenfalls mit geformt hat. Sind doch die drei Schicksalsgöttinnen eine Erscheinungsform der dreifältigen Mondgöttin.

Nach einem anderen Mythos, der nur wenig zum Verständnis der Aphrodite beiträgt, ist diese aus einer Verbindung von Zeus und Dione hervor gegangen. Da Dione als Tochter des Okeanos gilt, zeigt sich aber auch hier die Verbindung der Göttin der Schönheit und Liebe mit dem Grenzenlosen.

Die Venus aus astrologischer Sicht

Aus Sicht der metaastrologischen Planetenbilder ergibt sich für die Venus zunächst folgende wesentlichste Aussage: Die Venus ist eine Lehrerin, Heilerin und Evolutionsagentin. Sie bündelt Energien, führt sie dem Schöpferischen zu und bringt sie nach dessen Gesetzen zur Wirkung.

Dem entspricht, dass Venus (Aphrodite) als Ausstrahlung des Schöpferischen (Uranos) ja nach dessen Gesetzen wirken muss! Unsere menschliche Erfahrung zeigt, dass Liebe und Schönheit unsere Kreativität energisch anregen und dass alles, was uns als schön und liebenswert erscheint, unsere Energien bündelt und lenkt. Es gibt auch eine organische Entsprechung dazu, nämlich dass die Nieren, die der Venus zugeordnet werden, nach der traditionellen chinesischen Medizin als Speicher der Lebensenergie gelten. Auch hier kann von der Bündelung von Energien gesprochen werden.

Im Weiteren finden wir, dass die Venus die Lebensenergie steigert, Verhärtetes und Trennendes auflöst und verjüngend und harmonisierend wirkt. Die Venus löst alles Trennende auf und verbindet das Vereinzelte mit dem Grenzenlosen. Sie öffnet einen Weg in den Urzustand vor der Schöpfung, zum Chaos, Eros oder Okeanos, je nach Schöpfungsmythos. Dass die Göttin der Liebe und der Schönheit dabei auch die trennenden Tendenzen im Intellekt „über die Klinge springen lässt“ und auflöst, – was manchmal ganz erhebliche Verwirrung auslösen kann, ist eine allgemeine menschliche Erfahrung.

Sie sind vielleicht sehr überrascht, aber Liebe kein Gefühl! Im seelischen Sinne ist die Venus aus metaastrologischer Sicht kein Gefühl, sondern ein „Meta-Gefühl“, also ein Gefühl, das Gefühle fühlt. Es handelt sich um eine seelische Dynamik, durch die sich unsere Emotionen aus sich selbst, durch sich selbst hinzu einer höheren Stufe ihrer selbst entwickeln.

Die Venus löst eine Art Transformationsprozess im Seelischen aus. Was unserer Erfahrung entspricht und inzwischen zumindest teilweise auch durch die moderne Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, …aktiv sind.“.

Darüber hinaus entgrenzt die Venus das Bewusstsein. Sie „wirkt psychedelisch“ und öffnet das Bewusstsein über die Grenzen des Subjekts hinaus für die Wirklichkeit anderer Wesen, für das Schöpferische und den Urzustand. Dabei hebt sie die Angst und die kompensatorischen Schutzmechanismen des Intellekts und der Vernunft auf. Was ebenfalls durch die Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, …aktiv sind.“

Auch die Wirkung der Venus auf den menschlichen Geist ist enorm. Übrigens behaupten einige Astrologen, dass die Venus die höheren Ebenen des Denkens symbolisiert, nicht etwa nur in der Kunst, sondern z.B. auch in der Mathematik. Bleibt man womöglich, wenn man lieblos und ohne Sinn für Schönheit denkt, für immer ein Idiot? Jedenfalls aktiviert die Venus kreative, assoziative und bildschöpferische geistige Prozesse. In letzter Konsequenz und das ist ihre Essenz, gibt uns die Venus die Chance, das Schöpferische und den grenzenlosen Urzustand zu erfahren und zu „begreifen“. Wobei dieses „Begreifen“ in den meisten Fällen wohl einen Zustand der Ergriffenheit bedeutet. Die Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, ist geistig gesehen eine Mystikerin und sie wirklich zu verstehen bedeutet, dass in unserem Denken letztlich jede begrenzte, traditionelle oder konventionelle Anschauung aufgelöst und überschritten wird.

Im Tierkreis beherrscht die Venus den Stier und die Waage. Im Sinne des Stiers gehört sie zur sinnlich erfahrbaren Welt, im Sinne der Waage zum Geistigen. Damit ist die Venus sowohl konkret sichtbar als auch Abbild des Unsichtbaren. Wie eine Skulptur, die als ganz reales Objekt existiert und zugleich eine Idee oder Bedeutung in sich trägt, die aus dem Unsichtbaren und Grenzenlosen zu uns kommt. Die Venus verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren.

Auf der alchemistischen Wandlungsstufe der Rubedo wird die Venus dem dritten Auge zu geordnet. Auch aus astrologischer Sicht entspricht die Venus als Göttin der Liebe und der Schönheit einer sehr hoch entwickelten Sicht auf die Wirklichkeit. Sie eröffnet uns eine sehr umfassende und weite Perspektive.

Soweit dieses Portrait der Venus