Mrz 252013
 

FRAGESTELLUNG

Jahrelang hatten mich folgende Fragen beschäftigt: Wie kann man zu einem erweiterten und allgemeingültigen Bild der astrologischen Konstellationen und ihrer Bedeutung kommen? Und wie kann man die in den astrologischen Konstellationen selbst enthaltenen Lösungsmöglichkeiten erfassen? Mit anderen Worten, – wie finde ich das Wissen, das ich brauche, um als Astrologe wirklich gut beraten zu können?

LÖSUNG

Am 15.3.1995 kam mir ein Einfall, der zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen geführt hat. Die Grundidee ist ganz einfach: Wenn man wissen möchte, welche allgemeingültige astrologische Bedeutung ein Planet für die Menschheit hat, dann macht man ein Horoskop auf den Moment seiner Entdeckung. Dadurch erhält man ein allgemeingültiges Bild, ein Horoskop, dass die Bedeutung dieses Planeten für die Menschheit zeigt. Bei den seit jeher sichtbaren Himmelskörpern nimmt man vergleichbare Momente aus der astronomischen Forschung, wie die Mondlandung oder die erste astronomische Fotografie der Sonne.

VORTEILE

Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen darin, dass man zu allgemeingültigen astrologischen Bildern kommt, denn die Entdeckung eines neuen Planeten, die erste Mondlandung und vergleichbare Momente in der astronomischen Forschung sind objektive Vorgänge, die zeitlich und räumlich genau definiert werden können. Im räumlichen Sinne relevant sind natürlich die Orte auf der Erde, die mit den jeweiligen Momenten der astronomischen Forschung in Verbindung stehen.

Man bekommt bei dieser Vorgehensweise ein ganzes Horoskop für die astrologische Grundbedeutung eines Himmelskörpers und so ein allgemeingültiges, objektives und erweitertes Bild, mit dem man astrologisch wirklich arbeiten kann. Es lassen sich „metaastrologische Portraits“ der Himmelskörper entwickeln, die einem genau zeigen welche Bedeutung ein Himmelskörper wirklich hat. Außerdem lassen sich daraus astrologisch begründete Empfehlungen entwickeln, denn wie jedes Horoskop enthalten auch diese Horoskope den neuen Mondknoten, aus dem sich die jeweils besten Entwicklungsmöglichkeiten ableiten lassen.

Und nicht zuletzt handelt es sich hier um eine Vorgehensweise, auf die sich alle Astrologen einigen können, weil sie letztlich nur auf entscheidenden Momenten aus der astronomischen Forschung und astrologischen Ideen und Methoden beruht.

CHARAKTER

Der besondere Charakter dieser Methode ist, dass sie letztlich nur auf Astrologie beruht. Viele astrologische Publikationen im 20. Jahrhundert beruhten auf Dialogen der Astrologie mit anderen Disziplinen wie der Esoterik, der Psychologie usw. Aber hier wird die Astrologie aus ihren eigenen Möglichkeiten heraus erneuert und erweitert, deshalb nenne ich diese Vorgehensweise Metaastrologie.

STATUS

Gegenwärtig gibt es drei Generationen metaastrologischer Bilder. Die Bilder der ersten Generation zeigen die Bedeutung der wichtigsten Himmelskörper im Sonnensystem, die der zweiten deren Bedeutung in den zwölf Häusern und die Bilder der dritten Generation zeigen die Grundbedeutung von Aspektverbindungen zwischen jeweils zwei Himmelskörpern. Weitere Generationen sind noch in Entwicklung. Im Vergleich mit bereits als gültig anerkannten Aussagen anderer Astrologen zeigen sich wesentliche Übereinstimmungen. Ebenso zeigen sich Übereinstimmungen mit den Aussagen des olympischen Mythos und der ursprünglichen Bedeutung der Namen der antiken Götter, der Tierkreiszeichen und anderer astrologisch relevanter Begriffe, die aus dem Altgriechischen und anderen alten Sprachen hergeleitet wurden.

 

 

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Die Venus aus mythologischer Sicht

Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit heißt im Mythos Aphrodite, gesprochen „Afrothiti“, mit Betonung der dritten Silbe. Das th wird wie im Englischen „the“ als Hauchlaut mit der Zunge an den oberen Schneidezähnen gesprochen. Aphros bedeutet „Meerschaum“, thiti bedeutet „geboren aus“.

Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, ist eine Ausstrahlung oder Emmanation des schöpferischen Himmelsgottes Uranos. Beim Tod des Uranos, der von seinem Sohn Kronos (Zeit) mit einer Sichel aus Feuerstein kastriert wird, entstehen sieben neue Gottheiten, die drei Erinnyen, die drei Meliai und Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit. Diese Göttinnen sind natürlich lauter Erscheinungsformen des Uranos. Sie alle symbolisieren, wie man mit dem Uranos, dem Schöpferischen und dem Himmlischen, verbunden bleiben kann, nach dem die Welt unter die Herrschaft des Kronos geraten ist. Die Meliai und Erinnyen zu verstehen, hilft uns, auch deren Schwester Aphrodite zu begreifen. Die sieben Ausstrahlungen des Uranos garantieren gemeinsam, dass das Schöpferische aktiv bleibt, nach dem dessen Schöpfung unter die Herrschaft des Kronos geraten ist.

Wo das Blut des Uranos zur Erde fällt, entstehen die drei Furien oder Erinnyen. Die Erinnyen sind Rachegöttinnen. Sie bestrafen Vatermörder und Eidbrüchige indem sie die Täter in den Wahnsinn treiben. Erinis bedeutet „den Geist stören“. Bei „Rachegöttinnen“ denken wir nicht unbedingt an etwas besonders Erfreuliches. Aber es handelt sich dennoch um ein ganz positives Symbol. Versuchen wir zu verstehen, welche Bedeutung die Furien oder Erinnyen haben. Dass die Erinnyen Vatermörder bestrafen, ist nur logisch, genauer mythologisch. Sind sie doch entstanden, als Kronos seinen Vater Uranos ermordet hat. Aber warum bestrafen sie auch die Eidbrüchigen?

Uranos kommt von sanskrit varuna-h, dem indoarischen Gott Varuna. Varuna, der indoarische Vorläufer des Uranos, ist der „Gott des Nachthimmels“ und der „Gott der Eide“. Ein Eid ist eine feierliche Wahrheitsversicherung unter Anrufung Gottes. Die Indoarier haben, wenn sie einen Eid schworen, also vermutlich den „Gott des Nachthimmels“ angerufen, weil der auch der „Gott der Eide“ war. Der gemeinsame Nenner ist wohl, dass die Sterne auf Reisen, wie ein echter Eid im sozialen Bereich, eine verlässliche Orientierung bieten. Solange wir wahrhaftig und unserem Ursprung (Uranos) treu bleiben, lassen uns die Erinyen in Ruhe. Wenn nicht, beginnen sie unseren Geist zu stören. Sie stehen also eigentlich für unsere Integrität, für die Wahrheit und Ursprünglichkeit unserer Individualität.

Das zweite Trio von Göttinnen, durch die der Uranos weiter wirkt, sind die Eschennymphen oder Meliai. Auch die Meliai entstehen dort, wo das Blut des Uranos zur Erde fällt. Miliades bedeutet „frei laufende kleine Tiere, Ziegen, Schafe”. Milon bedeutet „Baumobst, Zitronen, Äpfel, Pfirsiche” und Mila „die Brüste junger Mädchen”. Es geht also um das Leben, das Wachstum und die Fruchtbarkeit im Reich der Tiere, Pflanzen und Menschen und die Symbolik hat auch erotische Aspekte. Die Meliai sind offensichtlich Natur-, Wachstums- und Fruchtbarkeitsgottheiten. Die schnell wachsenden Eschen wurden beim Fruchtbarkeitszauber verwendet, das erklärt, weshalb man die Meliai auch Eschennymphen nennt. Die Wirkung des schöpferischen Uranos kommt nach diesem Bild in der lebendigen Natur zur Entfaltung. Ohne das Schöpferische gibt es werder Schöpfung noch Natur.

Der Penis des Uranos wird von Kronos ins Meer geworfen. Aus dem Schaum, der dort aus Blut, Samen und Meerwasser entsteht, wird Aphrodite geboren. Ihr Name bedeutet „aus Meerschaum geboren“. Aphrodite ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Sie ist sicherlich die schönste und bedeutendste der sieben weiblichen, göttlichen Erscheinungsformen des Uranos.

Nach dem Mythos trägt sie einen magischen Gürtel, mit dem sie jeden Menschen und auch die Götter in ihren Bann ziehen kann. Liebe und Schönheit sind danach die wichtigsten und mächtigsten Ausstrahlungen des Uranos. Die Erfahrung, dass die Liebe die bedeutendste und machtvollste Erscheinung des Himmlischen und Schöpferischen ist, spiegelt sich in vielen Mythen und Religionen. Je nach dem kulturellen Unfeld verwandeln sich die Bilder für diese Erfahrung aber oft ganz erheblich.

Aphrodite tritt unverhüllt und in aller Schönheit als Göttin der erotischen Liebe in Erscheinung. Die ägyptische Isis überwindet durch Mitgefühl, Liebe, Friedfertigkeit und Treue den Tod. Sie erweckt ihren Gatten Osiris zum Leben, der durch seinen Widersacher Seth ermordet und zerstückelt wurde. Und sie bittet später den gemeinsamen Sohn Horus, der Osiris rächen will sogar, das Leben des Seth zu schonen. Der Sänger Orpheus überwindet die Schwelle zur Unterwelt. Er geht in das Reich der Toten, um seine Geliebte Euridike in das Leben zurück zu holen, und scheitert erst im letzen Moment. Christus, die Mensch gewordene Liebe Gottes, überwindet die Hölle und den Tod. Die mythologischen Bilder wandeln sich, aber die überragende Bedeutung der Liebe bleibt.

Auch die moderne Hirnforschung stellt fest, dass die Liebe sehr machtvolle Wirkungen hat. Man gab in einem Experiment Menschen, die verliebt waren, ein Foto des Geliebten zur Ansicht und legte sie in einen Kernspintomografen. Dieses Gerät macht sichtbar, welche Teile des Gehirns aktiviert und welche deaktiviert sind. Hier die Ergebnisse:

Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, bei der Integration von sinnlichen Eindrücken und bei sexueller Erregung aktiv sind. Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, Trauer, Depression und Aggression, und bei der kritischen Bewertung anderer Menschen nach konventionellen Kriterien aktiv sind. Das Experiment wurde mit Müttern wiederholt, die Bilder ihrer Kinder betrachteten. Auch hier wurden die Bereiche deaktiviert, die bei Angst, Trauer, Depression und Aggression, sowie bei der kritischen Bewertung anderer Menschen aktiv sind.

Angst, Trauer und Depression und die kritische Bewertung anderer Menschen und von einem selbst nach den Kriterien der Konvention, z.B.: – “sowas tut man nicht!”, werden in der Astrologie durchweg dem Saturn, also dem mythischen Kronos, zugeordnet. Der Planet Saturn wurde schon in der Antike mit dem Titanen Kronos assoziiert.

Die Liebe, die Göttin Aphrodite, überwindet also die Wirkungen des Kronos nach der Sicht des olympischen Mythos, wie 3.500 Jahre später auch nach der Sicht der modernen Hirnforschung. Ist das nicht wunderschön? Und die Qualitäten Integrität, Fruchtbarkeit, Natürlichkeit und Erotik, die durch ihre Schwestern, die Erinyen und die Meliai symbolisiert werden, sind natürlich ebenfalls hilfreich, wenn es darum geht, die blockierenden Wirkungen des Kronos zu überwinden und ein freies schöpferisches Individuum (Uranos) zu bleiben oder wieder zu werden.

Die Liebe, also Aphrodite, ist wie der Volksmund sagt, „eine Himmelsmacht“, – Uranos bedeutet im Altgriechischen „Himmel“, und Aphrodite ist ja dessen Ausstrahlung, Emmanation und Aktivität. Und zugleich ist sie eine Erscheinung des Grenzenlosen, das schon vor Beginn der Schöpfung existierte. Denn Aphrodite entsteht aus dem Schaum, der sich aus dem Blut des Uranos und dem Wasser des Meeres dort bildet, wo das Genital des Uranos ins Meer geworfen wird. Und das Meer ist im vorzeitlichen Bild des mythologischen Okeanos das Grenzenlose, aus dem Alles hervor geht.

Aphrodite reitet auf einer Muschel ans Ufer und nimmt ihren Wohnsitz auf Zypern. Ihre Begleittiere sind Tauben und Sperlinge, sie liebt Rosen und Myrrhe (ein Aphrodisiakum der Antike) und sie trägt einen Gürtel, mit dessen Zauberkräften sie jeden Menschen und jeden Gott in den Zustand leidenschaftlicher Liebe versetzen kann.

Sie wird von Zeus mit dem Schmied der Götter, Hephaistos verheiratet. Aber der Vater ihrer Kinder Eros (Leidenschaft), Harmonia (Harmonie) und Phobos (Furcht) ist der Kriegsgott Ares. Aus einer Affäre mit dem Götterboten Hermes entsteht der zweigeschlechtliche Hermaphrodit. Aus einer Beziehung zu Dionysos, dem Gott des Rausches, entsteht Priapos, der mit seinen riesigen Geschlechtsteilen als der Gott der Fruchtbarkeit, der Pflanzenwelt und der sexuellen Begierde gilt. Es heißt, dass Aphrodites Lieblingsbeschäftigung darin besteht, Götter und Menschen in ihrem Netz der Liebe zu fangen und in leidenschaftliche Beziehungen zueinander zu verstricken.

Die Schönheit und die Liebe unterliegen Gesetzen, die sich der menschlichen Kontrolle letztlich entziehen. Dass ein Kunstwerk oder eine Liebesbeziehung gelingt, lässt sich nicht erzwingen. Zugleich sind Liebe und Schönheit von großer Wirkung auf den Menschen. So wurden Liebe und Schönheit in vielen Kulturen als etwas Göttliches verstanden, oder sie galten zumindest als Erscheinung des Göttlichen oder des Transzendenten.

Aphrodite beschützt die Liebenden und die Liebe. Als Emanation des Uranos, der die Schicksalsgöttinnen sagten, sie hätte nur eine Aufgabe, zu lieben, und sonst keinerlei Pflichten, überschreitet sie die Grenzen des Irdischen und verweist letztlich auf das Grenzenlose, aus dem sie hervorging.

Dass selbst so mächtige Göttinnen wie Artemis und Aphrodite den drei Schicksalsgöttinnen zu gehorchen haben, erinnert an indische Denkweisen. Auch dort existiert die Idee, dass selbst die Götter ein Karma zu erfüllen haben. Dass auch die Götter ein Karma zu erfüllen haben, könnte also eine indoarische Idee sein. Der olympische Kult wurde ja auch durch indoarische Einflüsse geformt. Aber vielleicht ist dies auch eine Wirkung des Matriarchats, das den olympischen Kult ebenfalls mit geformt hat. Sind doch die drei Schicksalsgöttinnen eine Erscheinungsform der dreifältigen Mondgöttin.

Nach einem anderen Mythos, der nur wenig zum Verständnis der Aphrodite beiträgt, ist diese aus einer Verbindung von Zeus und Dione hervor gegangen. Da Dione als Tochter des Okeanos gilt, zeigt sich aber auch hier die Verbindung der Göttin der Schönheit und Liebe mit dem Grenzenlosen.

Die Venus aus astrologischer Sicht

Aus Sicht der metaastrologischen Planetenbilder ergibt sich für die Venus zunächst folgende wesentlichste Aussage: Die Venus ist eine Lehrerin, Heilerin und Evolutionsagentin. Sie bündelt Energien, führt sie dem Schöpferischen zu und bringt sie nach dessen Gesetzen zur Wirkung.

Dem entspricht, dass Venus (Aphrodite) als Ausstrahlung des Schöpferischen (Uranos) ja nach dessen Gesetzen wirken muss! Unsere menschliche Erfahrung zeigt, dass Liebe und Schönheit unsere Kreativität energisch anregen und dass alles, was uns als schön und liebenswert erscheint, unsere Energien bündelt und lenkt. Es gibt auch eine organische Entsprechung dazu, nämlich dass die Nieren, die der Venus zugeordnet werden, nach der traditionellen chinesischen Medizin als Speicher der Lebensenergie gelten. Auch hier kann von der Bündelung von Energien gesprochen werden.

Im Weiteren finden wir, dass die Venus die Lebensenergie steigert, Verhärtetes und Trennendes auflöst und verjüngend und harmonisierend wirkt. Die Venus löst alles Trennende auf und verbindet das Vereinzelte mit dem Grenzenlosen. Sie öffnet einen Weg in den Urzustand vor der Schöpfung, zum Chaos, Eros oder Okeanos, je nach Schöpfungsmythos. Dass die Göttin der Liebe und der Schönheit dabei auch die trennenden Tendenzen im Intellekt „über die Klinge springen lässt“ und auflöst, – was manchmal ganz erhebliche Verwirrung auslösen kann, ist eine allgemeine menschliche Erfahrung.

Sie sind vielleicht sehr überrascht, aber Liebe kein Gefühl! Im seelischen Sinne ist die Venus aus metaastrologischer Sicht kein Gefühl, sondern ein „Meta-Gefühl“, also ein Gefühl, das Gefühle fühlt. Es handelt sich um eine seelische Dynamik, durch die sich unsere Emotionen aus sich selbst, durch sich selbst hinzu einer höheren Stufe ihrer selbst entwickeln.

Die Venus löst eine Art Transformationsprozess im Seelischen aus. Was unserer Erfahrung entspricht und inzwischen zumindest teilweise auch durch die moderne Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, …aktiv sind.“.

Darüber hinaus entgrenzt die Venus das Bewusstsein. Sie „wirkt psychedelisch“ und öffnet das Bewusstsein über die Grenzen des Subjekts hinaus für die Wirklichkeit anderer Wesen, für das Schöpferische und den Urzustand. Dabei hebt sie die Angst und die kompensatorischen Schutzmechanismen des Intellekts und der Vernunft auf. Was ebenfalls durch die Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, …aktiv sind.“

Auch die Wirkung der Venus auf den menschlichen Geist ist enorm. Übrigens behaupten einige Astrologen, dass die Venus die höheren Ebenen des Denkens symbolisiert, nicht etwa nur in der Kunst, sondern z.B. auch in der Mathematik. Bleibt man womöglich, wenn man lieblos und ohne Sinn für Schönheit denkt, für immer ein Idiot? Jedenfalls aktiviert die Venus kreative, assoziative und bildschöpferische geistige Prozesse. In letzter Konsequenz und das ist ihre Essenz, gibt uns die Venus die Chance, das Schöpferische und den grenzenlosen Urzustand zu erfahren und zu „begreifen“. Wobei dieses „Begreifen“ in den meisten Fällen wohl einen Zustand der Ergriffenheit bedeutet. Die Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, ist geistig gesehen eine Mystikerin und sie wirklich zu verstehen bedeutet, dass in unserem Denken letztlich jede begrenzte, traditionelle oder konventionelle Anschauung aufgelöst und überschritten wird.

Im Tierkreis beherrscht die Venus den Stier und die Waage. Im Sinne des Stiers gehört sie zur sinnlich erfahrbaren Welt, im Sinne der Waage zum Geistigen. Damit ist die Venus sowohl konkret sichtbar als auch Abbild des Unsichtbaren. Wie eine Skulptur, die als ganz reales Objekt existiert und zugleich eine Idee oder Bedeutung in sich trägt, die aus dem Unsichtbaren und Grenzenlosen zu uns kommt. Die Venus verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren.

Auf der alchemistischen Wandlungsstufe der Rubedo wird die Venus dem dritten Auge zu geordnet. Auch aus astrologischer Sicht entspricht die Venus als Göttin der Liebe und der Schönheit einer sehr hoch entwickelten Sicht auf die Wirklichkeit. Sie eröffnet uns eine sehr umfassende und weite Perspektive.

Soweit dieses Portrait der Venus

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Der Jupiter aus mythologischer Sicht

Jupiter steht mythologisch wie astrologisch für Erweiterung und Vielfalt. Jupiter entspricht im Mythos Zeus und gilt dort als Vater der Menschen und der Götter, als Regent der Atmosphäre und als Wettergott.

Zeus, gesprochen „Sevs“, kommt aus thjiefs identisch mit sanskrit dyauh, was „Himmel“ bedeutet. Aus dem iapendischen dijeus entstand djious was „Himmel“ oder „heller Tag“ heißt. Dijeus aus deivo-s heißt „Gott“. Sin, gleichbedeutend mit sevs, ist verwandt mit sanskrit dyam „Tag“ sowie mit altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“.

Im Sinne von „Tag“ und „heute“ ist Zeus wie sein Vater Kronos ein Gott der Zeit. Aber ganz anders als dieser repräsentiert er im Sinne von „heller Tag“ das Licht des Bewusstseins und im Sinne von „Himmel“ auch dessen Weite. Es geht im Mythos des Zeus um die Entmachtung des Kronos. Es geht um die Auseinandersetzung unterschiedlicher Aspekte der Zeit und vor allem um die Frage, wie die in der Zeit enthaltenen Potentiale befreit und fruchtbar gemacht werden können. Wir knüpfen beim Schöpfungsmythos an:

Nach einem Konflikt zwischen Himmel und Erde kastriert der Titan Kronos seinen Vater Uranos und tötet ihn dadurch. Danach herrscht Kronos über Alles. Da ihm seine Eltern beim Tod des Uranos vorhergesagt haben, dass auch er eines Tages durch eines seiner Kinder entmachtet werden würde, frisst Kronos sicherheitshalber jedes Kind, dass ihm seine Frau Rhea gebiert.

Rhea hat eines Tages genug davon, dass ihr Mann die gemeinsamen Kinder frisst und als das sechste göttliche Kind geboren wird, nämlich Zeus (Jupiter), versteckt sie den Zeus sofort nach der Geburt und gibt dem Kronos stattdessen einen in eine Windel gewickelten Stein zu fressen. Das war eine hervorragende Strategie. Denn Kronos/Saturn entspricht astrologisch gesehen ja auch der Stein, und da hat sich der Kronos dann wohl gedacht: „Was die Rhea mir da in dieser Windel Gutes zum Essen gebracht hat, schmeckt ja echt wie ein Stück von mir! Muss wohl mal wieder eines meiner Kinder sein.“ Jedenfalls hat er gar nichts gemerkt und sein Sohn Zeus wurde weg gebracht und heimlich auf der Insel Kreta großgezogen. Zeus wächst umgeben von weiblichen Gottheiten in den Hügeln und Höhlen von Kreta auf. Seine Ersatzmütter sind die Nymphen Almatheia, Adrasteia und Io, seine Ratgeberin ist die Titanin Metis. Metis, die am Ufer des Okeanos lebt, der das Universum umströmt, gibt dem Zeus, als er groß genug geworden ist, einen Rat, der seine gesamte spätere Existenz bestimmen wird: Er solle doch am Hofe seines Vaters Kronos als Mundschenk verkleidet erscheinen, und dem Kronos ein Getränk aus vergorenem Honig, vermischt mit Salz und Senf anbieten. Genau dies geschieht dann auch und Papa Kronos stürzt das Gebräu in einem Zug hinunter. Als Folge dessen erbricht er zunächst den Stein, den er anstelle von Zeus verschlungen hatte und danach all die Geschwister des Zeus. Gemeinsam mit seinen Geschwistern nimmt Zeus den Kampf auf und nach langwierigen Kämpfen gegen Kronos und andere Titanen, gegen die Giganten und das Ungeheuer Typhon erringen Zeus und seine Geschwister schließlich den Sieg. Danach beherrschen Zeus, seine Geschwister und einige seiner Kinder als unsterbliche Götter vom Olymp aus den Himmel, die Erde, die Meere und die Unterwelt.

Historisch gesehen bildete sich auf der Insel Kreta um 1600 v. Chr. unter Zeus eine Synthese aus matriarchalen und patriarchalen Kulten. Der Olymp der unsterblichen Götter ist dementsprechend zu gleichen Teilen von weiblichen und männlichen Gottheiten besetzt. Abgestimmt wird demokratisch, die einfache Mehrheit genügt.

Die sechs weiblichen Gottheiten im Olymp sind:

Hera, Schwester und Frau des Zeus, Göttin der Ehefrauen, Ehe und Familie.
Hestia, Schwester des Zeus, Göttin des Herdfeuers und des häuslichen Friedens.
Demeter, Schwester des Zeus, Göttin des Getreides und der Fruchtbarkeit.
Artemis, Tochter von Zeus und Leto, Göttin des Mondes und der Jagd.
Athene, Tochter von Zeus und Metis, Göttin der Weisheit.
Aphrodite, Emanation des Uranos, Göttin der Liebe und der Schönheit.

Die sechs männlichen Gottheiten im Olymp sind:

Zeus, König des Olymp, Herrscher über Himmel, Wetter, Blitz und Donner.
Poseidon, Bruder des Zeus, Herrscher über die Meere.
Ares, Sohn des Zeus und der Hera, der Gott des Krieges.
Hephaistos, Sohn des Zeus und der Hera, der Schmied der Götter.
Apollon, Sohn von Zeus und Leto, Gott der Sonne, der Musik und des Orakels.
Hermes, Sohn von Zeus und Maia, der Bote der Götter.

Im Weiteren von Bedeutung sind Pluto, ein Bruder des Zeus, er regiert über die Unterwelt; sowie Dionysos, ein Sohn des Zeus und der Mondgöttin Selene, der um 700 v. Chr. die Göttin Hestia aus dem Olymp verdrängt.

Das Besondere an der Gesellschaft der unsterblichen Götter des Olymps ist die gelungene Synthese matriarchaler und patriarchaler Kulte, die Balance zwischen weiblichen und männlichen Gottheiten. Dieser Kult bestimmt unangefochten für ungefähr 1.000 Jahre die Kultur der griechischen Antike. Da Zeus der König des Olymp ist, wird dessen Planet Jupiter in der Antike mit dem „Gesetz“ und passend dazu in der zeitgenössischen Astrologie auch mit Prinzipien wie „Gerechtigkeit“ und „Synthese, Koordination, Vielfalt, Reichtum, Erweiterung, Kooperation“ etc. assoziiert. Das Prinzip der Vielfalt zeigt sich nicht nur im Kult der zwölf olympischen Götter, sondern auch im abenteuerlichen Liebesleben des Zeus. Seine vielen Liebesbeziehungen zu Göttinnen und menschlichen Frauen bringen zahlreiche Götter und Halbgötter hervor. Und das Prinzip der Vielfalt zeigt sich auch in den vielen verschiedenen Erscheinungsformen des Zeus. Nicht nur bei der Überwindung des Kronos, wo Zeus als Mundschenk verkleidet erscheint, nutzt er das Prinzip der Tarnung. Sondern auch bei seinen Liebesabenteuern taucht Zeus immer wieder getarnt, z. B. als Schlange, Goldregen, Stier, Kuckuck oder Schwan auf.

Wie aus djious, was „Himmel“ oder „heller Tag“ heißt, hervorgeht, ist Zeus der Himmelsgott des Tages. Sein Großvater Uranos dagegen ist der Gott des Nachthimmels. Da Kronos den Uranos ermordete und dessen Enkel Zeus Kronos überwindet, taucht dementsprechend in Zeus das Symbol des Himmels und der Weite wieder auf. Zeus erschafft zwar nicht die Welt, wie seine Großeltern Uranos, der Himmel und Gäa, die Erde, aber er erschafft eine neue, erweiterte Ordnung der Welt und ist insofern der würdige Erbe des Uranos.

Der entscheidende Durchbruch im Leben des Zeus ist die Befreiung seiner Geschwister aus dem Bauch des Kronos, entsprechend dem Rat der Titanin Metis. Ohne diesen Vorgang ist die gesamte weitere Entwicklung undenkbar.

Zeus lehrt uns die Kunst, den Kronos zum Kotzen zu bringen!

Dieser Satz ist gar nicht nur komisch gemeint, sondern das Kotzen des Kronos ist tatsächlich von tiefer symbolischer Bedeutung. Es gibt einige Hinweise, mit deren Hilfe man diesen symbolischen Vorgang entschlüsseln kann:

Unmittelbar klar ist, Zeus befreit seine göttlichen Geschwister aus dem Bauch der Zeit, indem er den Kronos zum Kotzen bringt. Er enthebt seine Geschwister dadurch dem Gesetz der Zeit und macht sie so unsterblich.

Dazu kommt: Wir wissen, dass indoarische Einwanderer den olympischen Kult mit geformt haben und finden im olympischen Mythos deshalb auch immer wieder Inhalte, die an Indien erinnern. Und nun gibt es interessanterweise eine alte Yogatechnik aus Indien, bei der man auf nüchternen Magen lauwarmes Salzwasser trinkt und dann erbricht, um Blockaden im Zwerchfell zu lösen.

Später, in der römischen Kultur gilt Zeus in der Gestalt des römischen Gottes Jupiter übrigens auch als Gott des Humors. Und Lachen erschüttert, wie Erbrechen, das Zwerchfell. Also stellt sich, wenn wir den Zeus verstehen wollen, vor allem eine Frage, nämlich: „Welche Bedeutung hat eigentlich das Zwerchfell?“

Das Zwerchfell galt den Griechen der Antike als „Sitz des Geistes UND der Seele“. Entscheidend dabei ist das UND. Denn das Zwerchfell wirkt wie ein Segel zwischen den darüber und darunter liegenden Körperregionen, das vom Atem auf und ab bewegt wird und dadurch beide Regionen stimuliert und mit einander verbindet. Oberhalb des Zwerchfells liegen vor allem die Chakras, die dem Bewusstsein entsprechen, darunter die Chakras, die unseren unterbewussten seelischen Wahrnehmungen und Kräften entsprechen. Das Zwerchfell verbindet durch sein Auf- und Abschwingen Geist und Seele. Solange das Zwerchfell im Atemstrom frei und natürlich schwingen kann, sind Geist und Seele verbunden.

Wenn aber z.B. durch einen Schock, durch Angst (Kronos) oder falsches Atmen das Zwerchfell blockiert wird, sind wir gespalten und unsere Kräfte sind dann dementsprechend blockiert. Mehr noch, wir verlieren die Orientierung, weil uns die instinktiven Wahrnehmungen aus der Bauchregion nicht mehr zugänglich sind und Energie verlieren wir natürlich auch. Seele und Geist befruchten sich nicht mehr gegenseitig. Die ursprüngliche Einheit unseres Wesens wird geteilt und zersplittert. Genau dem entspricht mythologisch die Gefangenschaft im Bauch des Kronos und alchemistisch die Phase der „Nigredo“. Nigredo meint generell den unerlösten Zustand einer Substanz oder eines Menschen.

Zeus löst die Blockaden im Zwerchfell und trägt so die unterbewussten, seelischen Anteile unseres Wesens in das Licht des Bewusstseins und befreit dadurch unsere Potentiale. Er hilft uns dabei, unser ganzheitliches Wesen wieder neu zu erleben und zu erfahren. Zeus kommt, wie erwähnt, aus sanskrit dyam „Tag“ sowie aus altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“. Zeus aktualisiert unsere Möglichkeiten, er fördert sie zu Tage und trägt sie ins Heute, ins Hier und Jetzt. Er sorgt für einen sinnvollen Zusammenhang unserer bewussten und unterbewussten Kräfte und ermöglicht so deren Integration. Er bringt uns zurück in die Gegenwart unserer Möglichkeiten.

Dies zeigt sich auch im Zeichen des Schützen, das zum Planeten Jupiter gehört. Das Bild des Schützen ist ein Doppelwesen, ein mit einem Bogen bewaffneter Kentaur mit menschlichem Kopf und Oberkörper auf einem Pferdeleib. Die animalischen Energien und Instinkte, symbolisiert durch den Pferdeleib, verbinden sich mit menschlichen Qualitäten wie geistiger Zielsetzung und zielgerichtetem Handeln, symbolisiert durch den menschlichen Oberkörper des Bogenschützens samt Bogen und Pfeil. Die unterbewussten, animalischen Anlagen werden nicht blockiert oder unterdrückt, sondern auf ein geistig bestimmtes Ziel gerichtet. Die Seele wird inklusive ihrer animalischen Anteile geistig integriert. Zeus ermöglicht Bewegung, Richtung und Sinn und eröffnet so die Chance zur individuell angemessenen, glücklichen Entwicklung.

Bei den Astrologen des antiken Persiens und Griechenlands galt der dem Zeus zugeordnete Planet Jupiter als das „Gesetz“, und Zeus galt als gerecht. Er verhält sich auch gegenüber seinem Vater Kronos großzügig und fair. Im Mythos machte er Kronos nach seiner Unterwerfung zum Herrscher über das Elysium, den schönsten Ort in der Unterwelt.

Der Jupiter aus astrologischer Sicht

Nach der Sicht der metaastrologischen Planetenbilder gilt für den Jupiter Folgendes als besonders wesentlich: Das Potential des Jupiters liegt in unserem seelischen Anteil an unserer Bestimmung. Seine Aktivität besteht darin, diese Anteile fruchtbar zu machen.

Der Jupiter macht unterbewusste, seelische Potentiale durch das Bewusstsein fruchtbar und verbindet so Seele und Geist. Dazu findet sich eine Parallele bei Agrippa von Nettesheim: „Die ununterbrochene Fortdauer des Ganzen gehört dem Saturn an“, sagt Agrippa über den Saturn (Kronos) und über dessen Sohn Jupiter (Zeus) sagt er: „die Fruchtbarkeit der wirkenden Ursachen hängt vom Jupiter ab“. Dem Saturn entspricht die Zeit als das bestimmende Prinzip, als „die ununterbrochene Fortdauer“, in der sich das Ganze abspielt. Der Jupiter macht die darin liegenden „wirkenden Ursachen“ fruchtbar. „Wirkende Ursachen“ sind modern formuliert „ruhende Potentiale“, die etwas bewirken können, aber eben erst und nur dann, wenn sie fruchtbar werden. Und die Fruchtbarkeit ruhender Potentiale hängt eben, nach Agrippa von Nettesheim, vom Jupiter ab. Übrigens drängt Jupiter auch astrologisch gesehen den Saturn in den Hintergrund (des Bewusstseins), wenn er aktiv wird, so wie Zeus den Kronos entmachtet.

Beide, Saturn wie Jupiter symbolisieren Aspekte der Zeit. Der Saturn repräsentiert die Zeit als eine allgemeine, bestimmende Gesetzmäßigkeit, dem alle Lebewesen unterliegen. Im Sinne der Beschränkung, die der Saturn durch seine Gesetze dem einzelnen Wesen auferlegt, erzeugt Saturn das Prinzip der Konzentration. Sein Bild ist ein Kreuz (Materie) über einer Mondsichel (Seele). Hier erfährt sich das Seelische als unter der (bedrückenden) Herrschaft der konkreten, materiellen Realität und der Vergänglichkeit stehend.

Jupiter entspricht dagegen einer sinnvollen Abfolge von Entwicklungsphasen, die ein Wesen zur Entfaltung und Erfüllung seiner Potentiale führt und diese fruchtbar macht. So steht der Jupiter für das Prinzip der Expansion. Saturn zeigt die Seele, die in ihrer Bindung an das Körperliche von den Grenzen und Gesetzen der Materie und der Vergänglichkeit beherrscht wird. Mit dem Jupiter erobert sich das Seelische und Lebendige eine souveräne Position innerhalb der Gesetze des Ganzen zurück. Dadurch entsteht eine individuelle angemessene Umsetzung allgemeingültiger Gesetze im individuellen Lebensweg. Sein Bild ist eine Mondsichel (Seele) oberhalb eines Kreuzes (Materie). Hier erhebt sich das Seelische über die Vergänglichkeit und die Begrenztheit der materiellen Erscheinungswelt.

Im Mythos wird das ganz klar. Die Geschwister des Zeus im Bauch des Kronos sind „wirkende Ursachen“ also noch „ruhende Potentiale“. Ohne Zeus wären seine Geschwister niemals frei geworden, sie hätten sich niemals entfalten können. Sie wären im Bauch des Kronos gefangen geblieben. Aber Zeus/Jupiter befreit sie und verhilft ihnen zur individuellen Entfaltung. In der Astrologie gilt der Jupiter demgemäß auch als „Förderer“.

Astrologisch gesehen ermöglicht Jupiter die Befreiung, Wahrnehmung, Differenzierung und Aktualisierung ruhender Potentiale vor allem dadurch, dass er die Andersartigkeit und spezifische Qualität eines Potentials erfasst und diese als ein sinnvolles Element in das jeweils größere Ganze integriert. Die bewusste Differenzierung führt zur Vielfalt.

Der Mythos zeigt, dass in Zeus, seinen Geschwistern und Kindern erneut dasjenige wirklich wird, was schon vor Kronos existierte. Zeus ist wie sein Großvater Uranos ein Himmelsgott. Sein Bruder Poseidon, der Herrscher über die Meere, entspricht dem kosmischen Okeanos. Seine Schwester Demeter ist, wie Gäa, eine Göttin der Erde, aber spezialisiert, nämlich auf den Ackerbau. Der vorzeitliche Eros wird in Aphrodite, der Göttin der Liebe zu einer unsterblichen Göttin, die wiederum mit Ares selbst ein Kind namens Eros hat, usw.

Auch astrologisch gesehen erschafft der Jupiter Vielfalt und Reichtum, in dem er schon bestehende Wirklichkeiten erfasst, bewusst macht, befreit, weiter entwickelt und differenziert. Er ist nicht schöpferisch im ursprünglichen Sinne, so wie der Uranos, der aus dem Nichterschaffenen und Grenzenlosen schöpft. Sondern er schöpft Potentiale aus, die er dank seiner entwicklungsorientierten Anschauung im Leben erkennt. Der Jupiter hat übrigens in den Horoskopen von Managern, Teamleitern, Personalentwickler und Koordinatoren meist eine wichtige Stellung. In diesen Berufen ist die Fähigkeit die Potentiale seiner Mitarbeiter zu erkennen, zu entfalten und für das Unternehmen fruchtbar zu machen, von maximaler Bedeutung. Man könnte sagen, der Jupiter ist in Gestalt des Zeus als Leiter des Olymps der erste und bedeutendste Manager, Teamleiter, Personalentwickler und Koordinator in der europäischen Kultur. Der Jupiter wirkt gemeinschaftsbildend, indem er die latenten Möglichkeiten und Potentiale einer Gruppe als geistiges Bild und erreichbares Ziel erkennbar macht.

Jupiter ist wie ein Maler, der aus den Grundfarben Gelb, Rot, Blau, Orange, Violett, Gründ Schwarz und Weiß eine atemberaubende Vielfalt an Farbtönen mischt und daraus Bilder komponiert. Er schafft Begegnungen, Verbindungen und Partnerschaften. Er stellt Zusammenhänge her, er ist Koordinator und Komponist. Er erzeugt neue Entwicklungen, in dem er die einzelnen Elemente einer Situation in neue Zusammenhänge stellt und er ist auch ein sehr erotischer Planet. Seine Liebesabenteuer im Mythos sind Legende. Übrigens hatten zwei der ganz großen Pioniere der modernen Malerei, nämlich Wassily Kandinsky und Paul Klee, die Sonne im Schützen, dem Zeichen des Jupiters und beide haben sehr interessante Bücher über das Prinzip der Komposition in der Malerei geschrieben.

Jupiter steht in der Astrologie traditionell für das „Glück“ und auch für den „Sinn“. „Glück“ ist der seelisch erfahrbare und „Sinn“ der geistige Aspekt des Jupiters. Der Jupiter gehört sowohl zu den seelischen, als auch zu den geistigen Planeten. Er bringt uns Vielfalt und seelische Erfüllung und er ermöglicht uns, ein Weltbild zu entwickeln. Der seelische Aspekt scheint den meisten von uns wichtiger zu sein. Wer glücklich ist, fragt meist nicht nach dem Sinn des Lebens, wer unglücklich ist, aber sehr wohl. „Sinn“ als geistiger Bezugspunkt scheint es uns möglich zu machen, in Krisen durch zu halten.

Wenn aber der geistige Entwurf, den wir als „Sinn“ verstehen, immer wieder enttäuscht wird, wenn wir unsere Erfahrung und unsere Anschauung nicht mehr unter einen Hut bekommen, erfahren wir eine „Sinnkrise“. Wir brauchen dann eine andere, oder veränderte Anschauung. Wir müssen unseren Jupiter weiter entwickeln. Jemand „sucht nach dem Sinn des Lebens“ lautet eine häufig gebrauchte Formulierung. So als ob der Sinn des Lebens ohnehin schon irgendwo vorhanden wäre und wir leider nur noch nicht wissen, wo genau. Aber vielleicht ist „Sinn“ eher etwas, das wir selbst bewusst erzeugen?

Als ich den Jupiter erforschte, startete ich eine Befragung zu dem Thema, „Was ist Glück?“. Die Mehrheit der Befragten äußerte sinngemäß: „Glück ist, wenn ich mich gemäß meiner Eigenart entwickle und durch die Realisation meiner Potentiale andere bereichere und deren Wertschätzung erfahre.“

Auf der Stufe der Rubedo wird Jupiter dem Halschakra zu geordnet, das für die Ausdrucksfähigkeit steht. Ausdruck ermöglicht Vermittlung. Im Mythos ist Hermes, der erste Sohn des Zeus, der Götterbote, der Vermittler schlechthin.

Soweit dieses Portrait des Jupiters

Mrz 232013
 

Ein Portrait des Merkurs

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Merkur aus mythologischer Sicht

Im olympischen Kult wurde dem Planeten Merkur der Gott Hermes zugeordnet. Er gilt als der „Götterbote“ und als das erste Kind des Zeus, was insofern Sinn macht, als sich im Charakter des Hermes die Vielseitigkeit und Dynamik seines Vaters Zeus, wenn auch in anderer Form, in großer Deutlichkeit wieder finden.

Die Mutter des Hermes ist Maia, eine Tochter des Atlas. Der Titan Atlas, geographisch das Atlasgebirge, ist im Mythos der Träger des Himmelsgewölbes. Seine Tochter Maia ist die Erdgöttin als alte Frau. Die Erdgöttin Maia entspricht wohl der indischen „Maya“. Diese gilt in Indien als „Weltenmutter“, als Mutter der Erscheinungswelt, als der trügerische Aspekt der Erscheinung und zugleich auch als der Aspekt des menschlichen Geistes, durch dessen Aktivität die „reale“ Erscheinungswelt erst im Bewusstsein entsteht.

Zeus analog Jupiter entspricht in der Astrologie auch der Erkenntnis. Die Erdgöttin Maia entspricht der irdischen Erscheinungswelt. Erkenntnis (Zeus) bezogen auf die irdische Erscheinungswelt (Maia) ergibt Hermes, den Intellekt.

In der Antike wurde Hermes astrologisch die „Weisheit“ zu geordnet. Also stellt sich die Frage: „Was ist Weisheit?“. Weisheit hatte damals eine andere Bedeutung als heute. Damals verstand man unter Weisheit Erfindungsgeist, theoretische und praktische Fähigkeiten sowie sprachliche Begabungen, was an den Attributen und Eigenschaften des Hermes und der „Göttin der Weisheit“, Pallas Athene, klar zu erkennen ist. Athene und Hermes werden viele technische Erfindungen und die Entwicklung erster Grundlagen für wissenschaftliches Arbeiten zu geschrieben.

Das Wort sofia für „Weisheit“ bedeutet im Altgriechischen „vernünftig, lebensklug, erfahren, jemanden, der in seiner Arbeit ein Experte ist, jemanden, der die körperlichen Fähigkeiten für jede nur denkbare Aktivität hat, einen guten Rhetoriker etc.“ Dem entsprechen heute im Deutschen eher Intellekt, Vernunft und Klugheit, weniger die Weisheit im inspirierten oder intuitiven Sinne.

Als der Mensch in der Antike vor 3.600 Jahren damit begann, die äußere Wirklichkeit zu erforschen, müssen solche geistige Fähigkeiten aber natürlich von größter Bedeutung gewesen sein. Menschen mit solchen Fähigkeiten gehörten damals wahrscheinlich zur Avantgarde der kulturellen Entwicklung. Heute, wo die wissenschaftlich technische Zivilisation, die damals ihren Anfang nahm, in Krisen von bisher unbekannten Ausmaßen mündet, sehen wir das natürlich anders. Heute halten wir einen Menschen nicht mehr automatisch für „weise“, nur weil er rhetorisch begabt und in einem wissenschaftlichen oder technischen Bereich besonders fähig ist. Aber damals war, was heute aus dem Gleichgewicht geraten ist, erst im Anfang.

Wenn Sie Gelegenheit haben, auf die Insel Delos zu fahren, dann schauen Sie sich dort die Skulpturen an, die den Hermes darstellen. Da ich den Merkur (Hermes) astrologisch als Prinzip des Intellekts verstand, hatte ich erwartet, in diesen Skulpturen vielleicht die Züge von modernen Wissenschaftlern wieder zu erkennen. Weil es ja durchaus antike Skulpturen gibt, die modernen westlichen Menschen ähneln. Aber die Hermesköpfe zeigen nicht die Spannung, Unruhe und Zerrissenheit, die fast alle modernen westlichen Gesichter kennzeichnet. Die Hermesköpfe von Delos sind zwar ganz der Welt zugewandt und insofern „westlich“. Zugleich erscheinen sie aber geistig ganz in sich gesammelt, was „östlich“ wirkt. Vielleicht ist es das, was in der Antike als „Weisheit“ galt. Jedenfalls ist klar geworden, dass der Hermes nicht etwas Statisches, sondern eine geistige Bewegung symbolisiert, etwas, das sich über die Jahrtausende hinweg auch gewandelt hat. Im Mythos gilt er ja auch als Gott der Reisenden.

Hermes, gesprochen „Ermis“ mit Betonung der zweiten Silbe, ist der Bote der Götter und hat viele weitere Funktionen und dementsprechend viele Namen:

1. Als Götterbote wird er thiactor genannt, was „Führer, im Sinne von Lenker, und zugleich der Verbinder, die Verbindung“ bedeutet.

2. Als Glücksbringer nennt man ihn eriunios akakita. Eriunios bedeutet „Helfer, Glücksbringer, der vielfältigen Nutzen Bringende“. „Glück“ bedeutete im Altgriechischen „Glück haben“ und auch „glücklich sein“. Akakita bedeutet „der Retter, der Fähige, der Listige, der Geschickte, der Gutherzige“.

3. Als tholios ist er der Gott der List, tholios bedeutet „List“.
4. Als Begleiter der Seelen, der die Sterbenden in das Totenreich begleitet, wird Hermes psychopombos genannt. Psycho bedeutet „Seele“, pombos bedeutet „Verbindung, Weg, Bewegung zwischen zwei Orten“.

Hermes gilt als Schützer der Reisenden, der Händler, der Herolde, der Wege und Strassen, aber auch als Schützer der Künste und Wissenschaften. Er ist der Gott der Diebe, der Lügner sowie der Erfinder der ersten Musikinstrumente Leier und Flöte. Er wacht über Verträge, fördert den Handel und sichert das Recht zu Reisen. Hermes lehrte die Kunst, Feuer zu machen, half bei der Entwicklung des Alphabetes, begründete die Astronomie, erfand Maße, Gewichte, die Tonleiter und das Würfelspiel, das auch als Orakel verwendet wurde. Hermes ist also sehr vielseitig und gilt mit seinen geflügelten Füßen „als schnell wie der Wind“.

Er wurde von seiner Mutter Maia auf dem Berg Kyllene geboren und von einer Nymphe gleichen Namens in einer Höhle dieses Berges großgezogen. Eines Tages, als weder Mama Maia noch die Nymphe Kyllene auf ihn achten, macht sich der kleine Gott auf den Weg, findet die Rinder seines Bruders Apollo und beschließt, diese zu stehlen. Diese frühe Bereitschaft zur Bewegung kann als typisch für den Hermes wie den Merkur gelten. Und natürlich auch der „Zwang zum Greifen“. Hermes gilt als Gott der Diebe. Dem Merkur werden auch die Hände zugeordnet. Aus Sicht der Psychologie entwickelt sich der Intellekt auch aus der Entwicklung der Handbewegungen, also aus dem „Begreifen“.

Nach einer Version des Mythos umwickelt Hermes die Hufe der gestohlenen Rinder mit Eichenrinde und Gras, so dass Apollo zwar den Diebstahl feststellt, aber keine Spuren findet. Nach einer anderen Version treibt er das Hornvieh sogar, man höre und staune, rückwärts (!) den Strand entlang und in eine Höhle, so dass die Spuren, denen Apollo folgt, ihn immer weiter weg von seiner Herde führen. Klever der Kleine! Aber letztlich findet Apollo den Dieb dennoch, weil Hermes aus einem Schildkrötenpanzer und den getrockneten Därmen der Rinder das erste Musikinstrument, nämlich die Leier baut und ihr bisher vollkommen unbekannte Klänge entlockt.

Diese ganz neuartigen Klänge erregen Aufmerksamkeit. Sie führen schließlich auch Apollo zur Höhle auf dem Berg Kyllene und er nimmt seinen Bruder Hermes, der sich zunächst schlafend stellt, trotz der Proteste von Mutter Maia mit, schleppt den Kleinen trotz dessen empörten Wutgeheuls vor den Richterstuhl von Vater Zeus und klagt ihn dort des Diebstahls an.

Klein Hermes pinkelt demonstrativ in seine Windeln und sagt: „Ja aber woher soll denn ich, ich ein armes, schwaches, unfähiges Kleinkind, das, wie ihr seht, ja noch in die Windeln macht, denn genügend Intelligenz, Geschick und Erfahrung haben, um eine ganze Rinderherde zu stehlen und dann auch noch die Spuren des Diebstahls so geschickt zu vertuschen, dass selbst mein weiser Bruder Apollo seine Rinder wochenlang nicht wieder finden kann?!“

Vater Zeus war sofort klar, dass hier etwas nicht ganz stimmig war.  Man kann eben auch zu klever sein. Einerseits stolz auf seinen smarten Sohn, andererseits beunruhigt über dessen windige ethische Haltung, beschließt Zeus, dem Hermes eine klare, konstruktives Orientierung zu geben, um dessen Fähigkeiten in eine sinnvolle Richtung zu lenken und ihn in das Team der olympischen Götter zu integrieren.

Zeus befiehlt dem Hermes, von nun an nicht mehr zu lügen und zu stehlen und macht ihn, um seinem Potential eine Entwicklungschance zu geben, zum Götterboten. Der smarte Hermes nimmt die neue Aufgabe dankend an, und beeilt sich bei der Gelegenheit sofort auch das Zugeständnis zu erwirken, dass es „schon irgendwie auch okay“ ist, wenn er als Götterbote „nicht immer gleich die ganze Wahrheit sagt“, und Vater Zeus stimmt dem zu.

Dieser Mythos scheint eine grundsätzliche Problematik an zu sprechen. Hermes stiehlt die Rinder des Apollo könnte bedeuten: Der Intellekt beraubt uns des Reichtums des Herzens und seiner Erfahrungswege. Der Hermes symbolisiert ja den Intellekt und der Apollo die Analogiereihe Licht = Sonne = Herz. Zumindest in seinen unreifen Stufen ist der Intellekt in seiner räuberischen Anmaßung ein Problem. Er gaukelt uns im Sinne seiner Mama Maya dualistische Trugbilder vor und trennt uns von der Weisheit und dem Erkenntnislicht des Herzens, die wesentlich besser in der Lage sind, das Wirkliche zu erfassen. Aber in seinen höheren Entwicklungsstufen kann sich der Intellekt mit der Weisheit des Herzens neu verbinden. Dies setzt voraus, dass der Intellekt seine arrogante, anmaßende Position aufgibt. Im Mythos kommt es zu einer echten Versöhnung zwischen Intellekt und Herz, zwischen Hermes und Apollo.

Hermes hatte ja nach seinem Diebstahl aus einem Kuhdarm und einem Schildkrötenpanzer das erste Musikinstrument hergestellt und bekommt im Tausch von Apollo dafür die ganze Rinderherde angeboten, die er erst mal gestohlen hatte. Gleich danach baut der findige Hermes aus einem Schilfrohr die erste Flöte und Apollo, unter anderem auch der Gott der Musik, begeistert sich auch dafür. So beginnt im Mythos ein Austausch zwischen den beiden Brüdern. Hermes der Intellekt, stellt Apollo dem Herzen, Musikinstrumente, sprich die Ausdrucksmittel zur Verfügung. Der Intellekt dient dem Herzen. Im Gegenzug hilft Apollo dem Hermes, die Kunst des Orakelns zu erlernen, das heißt das Herz bringt im Gegenzug den Intellekt der Wahrheit ein ganzes Stück näher.

Der Planet Merkur herrscht im Tierkreis über zwei Zeichen, die Zwillinge und die Jungfrau. Während der Zwilling analog dem Gott der Reisenden die Welt erkundet und Verbindungen schafft, steht die Jungfrau analog Pallas Athene für die kluge Nutzung der jeweiligen Gegebenheiten.

Pallas Athene, gesprochen „Pallas Athini“ mit Akzent auf der zweiten und der vierten Silbe, gilt als Schutzgöttin der Stadt Athen, als Kriegsgöttin und Göttin der Weisheit. Pallas bedeutet auf Waffen bezogen „werfen, schleudern“, und daneben auch „mit großer Kraft auf- oder hervorspringen“. Pallas bezieht sich damit sowohl auf die Kriegsgöttin Pallas Athene als Trägerin eines Speers als auch auf den mythologischen Hintergrund, nachdem sie mit einem Schrei und in voller Rüstung dem Kopf des Zeus entsprang.

Als Schutzgöttin von Athen und vielen anderen Städten, ist sie eine Gottheit der Zivilisation. „Civitas“ bedeutet „Bürgerschaft, Stadt“. Im Gegensatz zum Zwillingsmerkur Hermes, der ständig unterwegs ist, lebt Athene, der Jungfraumerkur, als Göttin mehrerer Städte jeweils ganz spezifisch bezogen auf menschlich geordnete Umgebungen.

Sie entsteht aus einer Vereinigung von Zeus und der Titanin Metis. Dabei handelt es sich anscheinend um eben jene Metis, die dem Zeus als Knaben den entscheidenden Ratschlag gab, wie Kronos zu entmachten wäre, – siehe unter „Der Jupiter aus mythologischer Sicht“. Metis wurde dem Mittwoch, dem vierten Wochentag zugeordnet, der dem Merkur gewidmet war, was in dem französischen mercredi noch nachklingt.

Ein Orakel prophezeit, das Kind von Metis und Zeus würde ein Mädchen sein und falls diesem Mädchen noch ein Bruder geboren würde, dann würde dieser den Zeus vom Thron stoßen, so wie Kronos von Zeus entmachtet wurde. Da verschlingt Zeus die Metis. Anscheinend hat er sich damit aber doch ziemlich übernommen. Eines Tages bekommt Zeus furchtbare Kopfschmerzen, bis er schließlich vor Schmerz derartig brüllt, dass der Himmel erzittert, – merke: Friss niemals deine eigene Lebensberaterin! Hermes erfasst die Situation und bittet Prometheus, den Schädel des Zeus zu öffnen und daraus entspringt mit einem Schrei Athene in voller Rüstung.

Pallas Athene gilt als Kriegsgöttin, die den Krieg aber nicht liebt, sondern immer versucht, Konflikte zu schlichten, und sie ist durch ihre Klugheit, symbolisiert durch die Eule, dem Kriegsgott Ares weit überlegen. Sie verhält sich immer besonnen, gibt klugen Rat, gilt als Erfinderin von Schiff und Wagen und einer ganzen Reihe von Künsten wie Weberei, Töpferei, Metallurgie, Navigation, Medizin, Mathematik usw.

Dem Merkur entsprechen im Tierkreis zwei Zeichen, Zwilling und Jungfrau, und diesen entsprechen Hermes und Pallas Athene. So erscheint der Merkur sowohl in männlicher als auch in weiblicher Form. Diese Symbolik des „sowohl als auch“ setzt sich in den Details der Symbolik der beiden olympischen Gottheiten fort. So trägt Hermes einen Stab, um den sich, ähnlich zwei einander überschneidenden Sinuskurven, zwei Schlangen winden. Der Stab gilt manchen als Bild für den „Zentralkanal“ im feinstofflichen Energiekörper des Menschen um den sich, wie die zwei Schlangen, die feinstofflichen Kanäle der männlichen und weiblichen Energien herum winden. Und Athene hat als jungfräuliche Göttin des Krieges und als Schutzgöttin von Athen auch sehr harte, rationale Züge. Schauen Sie sich, wenn Sie Gelegenheit dazu haben, einmal die Akropolis von Athen unter diesem Gesichtspunkt an. Die Akropolis strahlt auch eine enorme Macht und Härte aus und wirkt in vielen ihrer Dekorationen wie eine eiskalt kalkulierte Zurschaustellung kriegerischer Kraft.

Die dem Merkur zugeordneten astrologischen Zeichen Zwilling und Jungfrau werden durch menschliche Gestalten dargestellt. Diese Zeichen stellen danach spezifisch menschliche Qualitäten dar, nämlich den Intellekt und die Vernunft. Es gibt im Mythos zwei weitere Gottheiten, die eng mit dem Menschen, dem Planeten Merkur und Athene zusammenhängen. Die besondere Bedeutung der Vernunft für den Menschen und dessen besondere Stellung gegenüber der Natur, wird im Mythos von Epimetheus und Prometheus dargestellt:

Die Brüder Epimetheus und Prometheus erhalten von Zeus den Auftrag, die Lebewesen mit den für das Leben notwendigen Eigenschaften zu versorgen. Epimetheus (Nachdenken) sagt zu Prometheus (Vorausdenken): „Lass mal Bruder, ruh dich aus, das schaffe ich schon allein.“ Als Prometheus später einmal nachsieht, wie sein Bruder vorankommt, ist die Situation katastrophal: Alle überlebensnotwendigen Eigenschaften, wie präzise Instinkte und Sinneswahrnehmungen, Stacheln, Schuppen, dicke Häute, Borsten, Felle und Pelze, Waffen wie Giftzähne, Giftstachel und Giftdrüsen, Hörner, Klauen, Reißzähne, Hufe, die Fähigkeit zu fliegen, sich zu tarnen, schnell zu schwimmen und zu laufen, hatte Epimetheus an die Tiere vergeben. Der Mensch aber war nackt, hatte jämmerliche Zähne, Finger- und Zehennägel, im Vergleich zu vielen Tieren war er fast blind und taub, im Anfang seines Lebens vollkommen unselbständig, in seinen Bewegungen langsam und am schlimmsten war: der Mensch litt unter einem fast totalen Instinktverlust. Um diese lebensgefährlichen Nachteile auszugleichen, stiehlt Prometheus von Pallas Athene die Klugheit und vom Schmied der Götter Hephaistos das Feuer und gibt es den Menschen. So schafft Prometheus die Voraussetzungen des menschlichen Überlebens durch Klugheit und den Gebrauch des Feuers. Aber Zeus wird zornig, weil das Feuer eigentlich nur den Göttern gehören sollte, und schmiedet den Prometheus an einen Felsen im Kaukasus, wo jeden Tag ein Adler die Leber des Prometheus frisst, die nachts aber wieder nachwächst. Prometheus, der geistige Vertreter der Menschheit, ist an den Felsen, und damit an die härteste Erscheinungsform irdischer Realität geschmiedet. Der Mensch, geprägt durch die traumatische Erfahrung der Gewalten der Natur, bleibt durch dieses Trauma in seinem Bewusstsein an die Bedingungen der konkreten Realität gefesselt. Sein Geist bleibt an die Materie gebunden.

Die Entwicklung der technischen Zivilisation erschuf dem Menschen inzwischen zwar viele existentielle Vorteile, aber sein Bewusstsein scheint nach wie vor an die Materie und an die Ebene der Dualität gebunden. Wissenschaft, Technik, Verkehr, Handel, Massenmedien, Kommunikationsmittel und damit letztlich fast alle Aspekte der Zivilisation unterstehen astrologisch gesehen dem Planeten Merkur. Spätestens seit der prometheische Geist des Menschen in den Besitz des atomaren Feuers gelangte, ist aber der Mensch selbst die größte Gefahr für seine Existenz und die irdische Welt und müsste sein Urtrauma überwinden. Der Mensch sollte heute den Hermes oder Merkur, seinen Intellekt und seine Vernunft, wohl am Besten dazu verwenden, sich aus der Dualität zu lösen und andere Aspekte der Wirklichkeit, wie die Gleichheit und Verbundenheit alles Lebendigen zu erforschen.

Der Merkur aus astrologischer Sicht

Aus der Perspektive der metaastrologischen Planetenbilder gilt für den Merkur vor allem folgender Punkt als wesentlich:

Der Merkur ist eine geistige Kraft in Bewegung.

Sie brauchen nur für einige Momente darauf zu achten, was an Gedanken in Ihrem Bewusstsein auftaucht. Sie werden feststellen, dass in sehr kurzer Zeit sehr viele Gedanken auftauchen und rasch von anderen Gedanken abgelöst werden. Diese geistige Bewegung, genau das ist der Merkur! Wenn diese Bewegung zur Ruhe kommt, ist da kein Merkur, zumindest kein gewöhnlicher. Im Weiteren kann für den Merkur als wesentlich gelten:

Der Merkur ist astrologisch gesehen eine Entwicklung und anfangs eine sehr bewegliche, geistige Kraft, die sich dem Leben in einer impulsiven, offenen, chaotischen und intuitiven (!) Weise zuwendet. Daraus ergeben sich erst im Weiteren Formen und Muster, Systeme und Modelle im konkreten und geistigen Verhalten. Der Merkur erschafft sich im Erleben ein Modell des Lebens und ein sich ständig wandelndes Weltbild. Merkur formt aus Erlebnisse und Intuitionen geistige Strukturen. Dies erinnert an die Ergebnisse der Hirnforschung, wonach unser Geist anfangs offen und chaotisch ist und erst im Laufe der Entwicklung durch Versuch und Irrtum, Erfahrungen und Gewohnheiten, feste Denk- und Verhaltensmuster erworben werden.

Der Merkur ist entwicklungsfähig. Er steht für die Lernfähigkeit des Menschen. So wie sich Hermes vom Rinderdieb zum Götterboten entwickelt, entwickelt sich Merkur, astrologisch gesehen, idealerweise von einer trennenden zu einer verbindenden, integrierenden Kraft. Nehmen Sie unsere Zivilisation als Beispiel:

Wie schon erwähnt, Wissenschaft, Technik, Verkehr, Handel, Massenmedien, Kommunikationsmittel und damit letztlich fast alle Aspekte der Zivilisation, unterstehen astrologisch gesehen dem Planeten Merkur. Betrachtet man die Massenmedien und die modernen Kommunikationsmittel, dann sehen wir den Merkur, also Hermes weltweit als Herold in Aktion. Selbst wenn er uns mit seinen modernen Mitteln auch heute noch „nicht immer gleich die ganze Wahrheit sagt“, so vermittelt er doch immerhin. Vielleicht erleben wir dadurch irgendwann auch eine weltweite Integration der geistigen Kulturen auf dem Planeten Erde. Falls es dazu käme, wäre Hermes, also der Merkur tatsächlich im besten Sinne zum Götterboten geworden. Das ist die hoffnungsvolle Seite.

Andererseits zerstört unsere Zivilisation die Grundlagen des Lebens und auch das Leben. Experten schätzten um das Jahr 2000, dass unsere Zivilisation täglich ungefähr 100 biologische Arten vernichtet. Im Vergleich dazu und im Vergleich zu vielen anderen Dingen, die heute global im Sinne des Marktes, also im Sinne des Gottes der Händler und Diebe in Personalunion geschehen, ist der Rinderdiebstahl des Hermes im Mythos eine unschuldige kindliche Handlung, ja schon fast die Tat eines Heiligen.

Auf seinen niederen Entwicklungsstufen tendiert der Merkur zur Entfernung und seelischen Entfremdung vom Leben, dem er eigentlich dienen sollte. Der Intellekt, also der Merkur kann sowohl trennen, als auch verbinden. Natürlich hat die Entwicklung des Intellekts anfangs auch die Funktion, dem Individuum die Unterscheidung und Trennung zwischen Subjekt und Objekt zu ermöglichen, damit es sich verselbständigen und in der Welt zu Recht finden kann.

Aber wenn der Aspekt des Trennenden überbetont wird, entstehen Schmerz, Isolation und Entfremdung, was natürlich auch Angst auslöst. Um all dies zu kompensieren, tendiert der Merkur (Intellekt) dann zu einer neurotischen Überlegenheitshaltung, die aus einer isolierten Position aggressiv in das Gefüge der ihn umgebenden Schöpfung eingreift, – siehe den Diebstahl von Apollon’s Rinderherde im olympischen Mythos, bzw. die Zerstörung der Schöpfung durch die wissenschaftlich technische Zivilisation.

Je mehr Schmerz, Isolation, Entfremdung und Angst entstehen, umso größer wird natürlich das Bedürfnis nach Macht und Kontrolle. Aber in einer Wirklichkeit, in der Alles von Allem beeinflusst wird, kann es keine Kontrolle des Ganzen durch einen einzelnen Menschen oder durch eine einzelne Art, wie die Menschheit geben. Stattdessen werden aus dem Gefüge der Wirklichkeit Rückmeldungen auftauchen, die zeigen, dass aggressive Eingriffe in einer Welt, in der Alles mit Allem verbunden ist, zwangsläufig auch auf deren Urheber zurück wirken müssen.

Mit anderen Worten, „die Welt spricht zu uns“, denn jede Wirklichkeit hat ja ihren eigenen Merkur, ihren Vermittler oder Götterboten, nicht nur der Mensch. Aber solange wir durch den geistigen Lärm zwischen unseren Ohren mit Taubheit geschlagen sind, werden wir die „Sprache der Welt“ nicht hören und schon gar nicht verstehen. Das Problem liegt in der Scheinüberlegenheit des menschlichen Intellekts. Der Jazzmusiker Doug Hammond sagte mir einmal: „Eines Tages beschloss der Mensch, dass er das klügste Tier auf Erden ist. Diese Idee hat ihn schlagartig zum dämlichsten Wesen des Universums gemacht.“

Wenn wir den Intellekt zur Ruhe bringen und uns als Teil des Ganzen erfahren, verbindet sich der Merkur mit dem Herzzentrum. Der Geist kommt im Herzzentrum zur Ruhe und damit kommen wir in die Mitte unserer Erfahrung. Dort zeigt sich, dass wir immer mit allem verbunden und nie von irgendetwas getrennt waren. Von dort aus, uns als lebendige Mitte unserer Erfahrung begreifend, in einer Welt, die aus zahllosen solcher lebendigen Mitten besteht, die Alle miteinander verbunden sind und mit einander kommunizieren, ergeben sich ganz andere Zugänge zur Welt.

Die höhere Entwicklung des Intellekts (Merkur) beginnt dann, wenn die Illusion der Trennung durch die Erfahrung der Verbundenheit überwunden wird. Dem entsprechen im Mythos die Intervention des Zeus, durch die der Hermes vom Dieb zum Götterboten wird und die Versöhnung des Hermes mit Apollo. Der Zugang zu den höheren Entwicklungsstufen des Merkur erfordert also den Zeus, astrologisch den Jupiter und die Versöhnung mit Apollo, astrologisch der Sonne. Der Jupiter steht für die Einsicht als die geistige Kraft, die größere Zusammenhänge und die darin enthaltenen Wirklichkeiten in ihrem jeweils Wesentlichen erfassen kann. Die Sonne bildet das eigentliche Zentrum des Lebendigen. Die Höherentwicklung des Merkurs erfordert also die Einsicht des Intellekts in seine eigene Bedeutung innerhalb des größeren Zusammenhangs, in den er eingebunden ist und die Verbindung mit dem Lebendigen anstatt die anmaßende und arrogante Trennung davon.

Idealerweise begreift sich der Merkur, also der Intellekt, als Teil des Lebendigen und wird eine vermittelnde und verbindende Funktion im System der Schöpfung ausfüllen, die auf einem Verständnis für das gesamte lebendige, schöpferische System beruht, das seine Erfahrungswelt ausmacht. Auf der Ebene der vom Merkur regierten Naturwissenschaften entspricht dem die Ökologie, die nicht nur das einzelne Lebewesen, sondern auch das System berücksichtigt, in dem ein Wesen lebt. Diese höhere Funktion des Merkurs verkörpert sich natürlich auch in anderen systemischen Ansätzen. Astrologisch gesehen besteht die Bedeutung des Merkurs im schöpferischen Austausch zwischen „Innen“ und „Außen“. Merkur vermittelt zwischen Seele und Welt.

Dies setzt voraus, dass der Intellekt sich als Bote des Lebendigen und des Seelischen begreift. Solange der Intellekt in der Illusion lebt, er befände sich in einer Distanz zum Ganzen, die ihm eine „objektive, wertfreie“ Sicht auf das Leben erlaube, agiert er nur das Urtrauma der Trennung, also den negativen Aspekt des Kronos aus, mit verheerenden Folgen. Aber wenn sich der Intellekt als Teil des Lebendigen und des Ganzen begreift und zu dessen Mitte zurückkommt, kann er zum Vermittler des Lebendigen und zum Götterboten werden. Auf der Wandlungsstufe der Rubedo wird der Merkur im Herzzentrum angesiedelt, das als viertes Chakra die Mitte aller feinstofflichen Zentren bildet.

Soweit dieses Portrait des Merkurs

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Der Mars aus mythologischer Sicht

Im Mythos entspricht der Planet Mars dem Kriegsgott Ares, gesprochen „Aris“, mit Betonung der ersten Silbe. „Aris“ aus griechisch arsin bedeutet „männlich“. Aus aris und arsin entstand im Weiteren areti „Tugend“, ari „Überlegenheit“, aristokrat „der Überlegene“ und arios „der Kriegerische, der den Krieg liebt, der Kriegsbegeisterte“. Aristos bedeutet „ausgezeichnet“ im geistigen, politischen, sozialen, körperlichen Sinn, aria-fili bedeutet „überlegene“ (ari) „Rasse“ (fili).

In Ares ist, so könnte man vermuten, das Überlegenheitsgefühl indoarischer Krieger zum Bild geworden. Aber im Mythos wird Ares sehr kritisch gesehen. Ares ist im Mythos der Gott der Kriege, der Verwüstungen und Hungersnöte. Er ist ein Sohn von Zeus und dessen Gemahlin Hera. Und der Ares hatte, jetzt halten Sie sich fest! – der Ares hatte eine schwere Kindheit! Zwischen seinem Vater Zeus, der ständig irgendwelchen Liebesabenteuern nachging und seiner deshalb zu Recht eifersüchtigen Mutter Hera gab es nämlich laut Mythos ständig Konflikte. Vielleicht ist Ares deshalb so aggressiv und dadurch isoliert? Besonders beliebt ist er bei den anderen olympischen Göttern jedenfalls nicht, ähnlich wie seine Schwester Eris.

Eris bedeutet „Streit, Kampf, Konkurrenzkampf“. Eris ist mit sanskrit arih „Feind“, sanskrit rtich „Schlacht“ und mit dem griechischen aria „die Drohung“ verwandt. Eris warf einen goldenen Apfel, mit der Aufschrift „der Schönsten“ unter die Göttinnen des Olymps, der zu einem Schönheitswettbewerb der Göttinnen und zum trojanischen Krieg führte.

Ares ist also unbeliebt und isoliert, aber Aphrodite ist seine Geliebte und sie haben mehrere Kinder, darunter Eros (Leidenschaft), Phobos (Furcht) und Harmonia (Harmonie). Ihr Sohn Eros, der durch seine brennenden Liebespfeile dafür sorgt, dass vollkommen wahllos und unvorhersehbar Götter, Göttinnen und Menschen in Liebe für einander entbrennen, wurde nie in den Olymp aufgenommen. Er galt den olympischen Göttern einfach als zu unverantwortlich.

Neben Aphrodite und Eris hat Pluto, der Herrscher über das Totenreich, Sympathien für Ares, weil Ares die Unterwelt mit gefallenen Kriegern füllt. Ares gilt auch als Vater der kriegerischen Amazonen und es heißt, dass er sich an jedem Streit und an jedem Krieg beteiligt, ohne dass er wirklich Partei für die eine oder andere Seite ergreift, Hauptsache es wird gekämpft. Es geht ihm einfach um den Streit und den Krieg als solchen und er hasst das Gesetz. Er ist aber durchaus nicht unbesiegbar, vor dem Heroen Herakles soll er geflohen sein und Pallas Athene, die Göttin der Klugheit, soll ihn zweimal besiegt haben.

Während die Schöpfer des olympischen Mythos den Mars in Gestalt des Ares sehr kritisch sahen, steht der Mars heute in der Astrologie für „Energie“. Bei den antiken persischen und griechischen Astrologen stand er für „Wachstum“. Das ist klar, weder Krieg noch Wachstum sind ohne Energie denkbar.

Der Mars aus metaastrologischer Sicht

Aus Sicht seines metaastrologischen Schlüsselbildes gilt für den Mars Folgendes als wesentlich: Der Mars ist seinem Potential und seiner Aktivität nach die (mit einem Hoch- oder Überlegenheitsgefühl verbundene)
Überschreitung von Grenzen im Konkreten.

Der Mars überschreitet also Grenzen, was natürlich Energie voraussetzt. Mars gilt auch als der „Pionier“, der erstmals in ein neues Terrain eindringt. Diese Bewegung setzt sich solange fort, bis der Widerstand im Terrain übermächtig geworden oder die Energie erschöpft ist. Energie entsteht bei der Freisetzung von Spannungen. Und Konstellationen für Spannungen hat der Mars nach den metaastrologischen Schlüsselbildern tatsächlich genug. Witzigerweise liegen diese Spannungskonstellationen genau dort, wo im metaastrologischen Horoskop des Mars die Bilder für „Ehe, Kindheit und Familie“ stehen. Danach hat der Mars in seiner Kindheit Konstellationen für Ehekräche im familiären Bereich. Man denke an die Ehekonflikte von Zeus und Hera, den Eltern des Ares, bzw. Mars! Hera war immer wieder über ihren Gatten Zeus erzürnt, weil sich dieser auch um das Liebesglück und die Fruchtbarkeit aller möglichen anderen Göttinnen und auch menschlicher Frauen bemühte. Dass ein metaastrologisches Schlüsselbild, wie das des Mars, so direkte Parallelen zum Mythos zeigt, ist erstaunlich, aber durchaus kein Einzelfall.

Diese spezielle Übereinstimmung zwischen Mythologie und dem meta-astrologischen Bild des Mars brachte mich auf den Gedanken, dass der Mars im individuellen Horoskop jeweils genau dort steht, wo zwischen den Eltern des Horoskopeigners eine Spannung bestand. Sie können das leicht überprüfen, bei existentiellen Spannungen zwischen den Eltern steht der Mars in Haus 1, bei sozialen und rechtlichen in Haus 2, bei intellektuellen Spannungen und Kommunikationsproblemen in Haus 3 usw.

Nehmen wir an, zwischen den Eltern bestanden weltanschauliche Spannungen (Mars in Haus 9). Dann wird das Kind diese Spannung zu lösen versuchen, indem es sich mit großer Energie mit weltanschaulichen Themen beschäftigt. Dies kann konstruktiv oder aggressiv geschehen. Das Kind kann ein energischer Pionier oder ein kritischer Rebell in Fragen der Weltanschauung werden, oder auch beides. Das ist die spezifische psychologische Logik des Mars, und die kann einem als Elternteil natürlich ganz gehörig auf die Nerven gehen. Vor allem dann, wenn man die Spannung in sich selbst noch nicht gelöst hat und das Kind durch seine Impulse und Handlungen das spannungsgeladene Thema immer wieder auf den Tisch bringt. Aber machen Sie sich nichts daraus. Der Mars tritt derartig zielsicher in jedes verborgene Fettnäpfchen, dass selbst Hellseher darüber nur staunen können. Es scheint, als hätte der Mars einen speziellen Sensor für Spannungen und als sei er nur allzu bereit, diesen als Ventil zu dienen. Die impulsiven Aktionen des Mars führen wie zwangsläufig dazu, dass verborgene, spannungsgeladene Inhalte rasch aktualisiert werden.

Energie ist auf Dauer nicht zu verdrängen. Sie wird irgendwann so oder so frei gesetzt. Konflikte oder die dauernde Eroberung neuer Terrains sind aber nicht die einzige und schon gar nicht die sinnvollste Möglichkeit, Energie um zu setzen. Sie erinnern sich, schon die antiken persischen und griechischen Astrologen sahen im Mars auch das Prinzip Wachstum. Tatsächlich liegt auch nach meta-astrologischer Sicht die höhere Entwicklungsmöglichkeit des Mars darin, dass dessen Energie kreativ und für das Wachstum innerhalb schon bestehender Terrains eingesetzt wird.

Soweit dieses Portrait des Mars

 23. März 2013  Veröffentlicht von um 17:19  Astrologie, Metaastrologie Tagged with: , , , , , , , , , ,  Keine Antworten »