Okt 272013
 

Der olympische Schöpfungsmythos

Von vielen griechischen Mythen existieren Varianten, die sich Mal mehr, Mal weniger deutlich voneinander unterscheiden. Ich habe mich bemüht, dem Hauptstrom der antiken Erzählungen zu folgen. Die Intuitionen, die im antiken Mythos zu poetischen Bildern wurden, sind so tief und so essentiell, dass man ihre Bedeutung auf mehreren Ebenen lesen kann. Dies gilt besonders für den olympischen Schöpfungsmythos. Hier werden symbolisch die ersten essentiellen Phasen einer jeden Entwicklung skizziert. Der Mythos ist eine schöpferische Leistung des Menschen. Er ist ein Kunstwerk und jedes Kunstwerk zeigt uns nicht nur den Inhalt, der durch das Kunstwerk dargestellt wird, sondern immer auch den Geist des Künstlers. Weiterlesen »

Sep 232013
 

waageingress 2013

Waageingress 2013 am 22.9. um 20:43:56 Weltzeit

Die Sonne trifft im Jahreslauf auf mehrere besonders bedeutsame Punkte im Tierkreis. Der nächste dieser Punkte liegt auf exakt 0° Waage und wird am 22.9.2013 um 20:43:56 Weltzeit von der Sonne erreicht. Das Horoskop auf diesen Punkt erlaubt eine einjährige Vorschau in den Angelegenheiten der Waage-Venus, denn dieser Punkt löst die Waage-Facette der Venus aus. Die Venus hat, da sie über zwei Zeichen, nämlich über den Stier und die Waage herrscht, auch zwei Facetten.

Eine brasilianische Redensart lautet: „Jede Liebe ist ewig, – so lange sie dauert!“

Diese paradoxe Aussage ist „astro-logisch“ im besten Sinne. Denn die Stier-Facette der Venus entspricht dem sinnlichen, irdischen und vergänglichen Aspekt der Venus und die Waage-Facette der Venus entspricht dem mystischen, kosmischen, ewigen und himmlischen Aspekt der Venus. Und jeder von uns kennt beide Aspekte der Venus. Jeder hat schon einmal erlebt, wie es ist, wenn eine Liebe endet. Im Diesseits dauert eben jede Liebesbeziehung nur so lange, wie sie halt dauert. Und oft geht das mit dem Gefühl einher, dass man über die Trennung hinaus dennoch im Unsichtbaren und im Inneren verbunden bleibt. Und jeder von uns kennt dieses Gefühl, den Anderen schon seit Ewigkeiten zu kennen, das sich oft schon im ersten Moment einer Begegnung einstellt. Wenn die Sonne 0° Waage erreicht, wird der himmlische und ozeanische Aspekt der Venus aktiviert. Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit, die im griechischen Mythos „Aphrodite“ heißt, entsteht mythologisch betrachtet in einem ganz besonderen Moment der kosmischen Entwicklung.

Noch vor jedem Anfang ist das CHAOS, was im Altgriechischen „gähnend leerer, unermesslicher Weltraum“ bedeutet. Daraus erheben sich Mutter Erde und der Gott des Sternenhimmels Uranos, astrologisch entspricht letzterem der Uranus. Und aus deren Liebesspiel gehen alle Wesen und Wirklichkeiten hervor, darunter auch die Zeit, der Titan Kronos, der dem Saturn entspricht. Irgendwann kommt es zu einem Konflikt zwischen Erde und Sternenhimmel und die Erde stiftet den Titanen Kronos dazu an, seinen Vater Uranos zu ermorden. Kronos kastriert den Uranos mit einer Sichel aus Feuerstein und wirft dessen Penis in den Ozean. Aus dem Samen und dem Blut des Uranos und dem Wasser des Ozeans bildet sich Schaum und daraus geht die „Schaumgeborene“, nämlich Aphrodite hervor. Nach der Ermordung seines Vaters Uranos übernimmt Kronos, also die Zeit und damit die Vergänglichkeit, die Weltherrschaft. Aber das Schöpferische lebt in der Gestalt der Aphrodite weiter. Denn Aphrodite, oder die Venus ist mythologisch gesehen eine Emanation, also eine Ausstrahlung des Schöpferischen. Und da nun das Schöpferische schon vor der Zeit existiert und diese erst hervor bringt, ist Venus/Aphrodite ein Prinzip, das die Zeit transzendiert. Wenn wir von Liebe und/oder Schönheit bewegt werden, werden wir aus dem linearen Ablauf der Zeit heraus gehoben, zumindest für eine gewisse Zeit. „Jede Liebe ist ewig, – so lange sie dauert!“ Die Ausdrucksformen der Venus finden wir durch unsere Fähigkeit, zu lieben – egal ob wir uns im mystischen, spirituellen oder psychologischen Sinne nach Innen richten oder ob wir uns für die Erfahrung der äußeren Wirklichkeit und anderer Lebewesen öffnen. Die Venus schafft eine Verbindung zwischen Zeit und Ewigkeit, zwischen Form und Bedeutung, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem und triumphiert so über die Zeit und das Trennende.

Francois Boucher Triumph der Venus

„Triumph der Venus“ von Francois Boucher

Francois Boucher wurde am 29.9.1703 in Paris mit der Sonne in der Waage geboren. Sein Gemälde entspricht mit der erotischen Szene inmitten ozeanischer Bewegungen im Vordergrund und dem leuchtenden Himmel im Hintergrund sehr genau dem Mythos über die Entstehung der Aphrodite.

Mythologisch entspricht Venus der Göttin der Liebe und der Schönheit Aphrodite. Aphrodite wurde von den Schicksalsgöttinnen gesagt, dass ihre einzige Bestimmung sei, zu lieben. Ihre Begleittiere sind Wachteln, Tauben und Sperlinge, außerdem werden ihr alle Früchte und Blüten zugeordnet und natürlich auch alle Aphrodisiaka. Sie trägt einen magischen Gürtel, mit dem sie jeden in sich verliebt machen kann. Verständlicherweise haben die anderen Göttinnen des Olymp Aphrodite immer Mal darum gebeten, sich ihren magischen Gürtel ausleihen zu dürfen.

Soweit die Vorbemerkungen zur Venus, nun zu unserem Horoskop. Ich habe das Horoskop „objektiviert“, indem ich den AC auf den Punkt 0° Widder gelegt habe, der in der Hamburger Schule „die Allgemeinheit“ symbolisiert und ich verwende die Tierkreiszeichen als Häuser. Dadurch ist das Horoskop ortsunabhängig und allgemein gültig. Damit symbolisieren der Widder nun das 1. Haus und der dazu gehörende Mars im Löwen das Potential; die Fische symbolisieren nun das 12. Haus und der dazu gehörende Neptun den Hintergrund usw.

waageingress 2013

POTENTIAL:

Im Potential geht es mit Uranus im Widder um die Überschreitung bisheriger Grenzen und mit Mars im Löwen um die Eroberung neuer Erlebnisräume im Beziehungsleben. Das Quadrat des Mars zur Venus deutet auf erotische Intensität. Ähnliches gilt auch für das Biquintil zwischen Mars und Pluto, sowie für das Trigon zwischen Mond und Pluto. Mit dem Sextil zwischen Mond und Lilith (dem schwarzen Mond in der Grafik) lässt sich neutral zwischen gewohnten und eher ungewöhnlichen, normalerweise verborgenen Gefühlswelten vermitteln. Vielleicht wird es zu einer größeren Akzeptanz eigenwilliger erotischer Vorlieben kommen. Mond-Venus bedeutet soviel wie „beseelte Erotik und Ästhetik“ und die Opposition zwischen Mond und Saturn symbolisiert Empathie und Mitgefühl. Die 80°- und 160°Verbindungen zwischen Priapos, Lilith, Chiron und Sonne lassen vermuten, dass man im Umgang mit tieferen, normalerweise verborgenen Gefühlen (und deren Heilung) am Besten sehr achtsam und meditativ umgeht. Das Sextil des Mondes zum Chiron kann ekstatische Gefühlswelten erschließen und Venus-Chiron ermöglicht Heilung durch Liebe. Chiron im Trigon zum Mondknoten, zum Saturn und zur Lilith kann Kontakte zu heilenden Energien auf verborgenen und ganz grundsätzlichen Ebenen ermöglichen. Wobei die heilende Energie bei Chiron in den Fischen daraus entspringt, dass die Bewusstheit zu sich selbst erwacht, also indem wir erkennen, dass wir in unserer Essenz grenzenlose und offene Bewusstheit sind.

AUSDRUCK und UMSETZUNG:

Mit der Sonne in der Waage wird das oben dargestellte Potential im Beziehungsleben auftauchen, wobei die Venus als Herrscherin der Waage im Skorpion darauf deutet, dass es vor allem um feste Beziehungen und Partnerschaften geht. Aber es gibt noch eine andere Deutungsmöglichkeit, denn der Skorpion symbolisiert auch die Vorstellung.

BESTIMMUNG und BEDEUTUNG

Und da Saturn und Pluto in Rezeption stehen und Uranus im Quadrat zum Pluto, werden wir wohl auch im Beziehungsleben erfahren, dass einige unserer Vorstellungen aufgehoben und enttäuscht werden. Die entsprechenden Konstellationen gelten schon länger und werden noch längere Zeit – auch in anderen Erfahrungsbereichen – gültig bleiben. Es vollzieht sich dadurch seit Jahren ein Umbruch im menschlichen Bewusstsein, durch den immer wieder auf verschiedenen Ebenen bewusst wird, dass die Wirklichkeit ganz anders ist, als die Konzepte und Vorstellungen, die wir uns über die Wirklichkeit gemacht haben und machen. Auch wenn das manchmal unangenehm sein mag, so ist doch jede Enttäuschung schließlich auch das Ende einer Täuschung und damit eine Annäherung an die Wirklichkeit und den Urzustand, der durch den Neptun symbolisiert wird.

Wann immer eine Vorstellung sich auflöst, entsteht Chaos in unserem Geist, was aber nur in zweiter Linie „Wirrwarr“ oder „Unordnung“ bedeutet. Die ursprüngliche Bedeutung von CHAOS lautet im Altgriechischen „unermesslicher, gähnend leerer Weltraum“ und aus der Sicht der Mystiker ist die wahre Natur unserer Bewusstheit grenzenlos. Es ist die enorme Weite, in der die ganze Fülle des Universums auftaucht, das wir erleben. Und der Neptun, der diese Dimension in der Astrologie symbolisiert steht ganz gut, nämlich im Trioktil zum Jupiter im Krebs. Wenn wir uns von unseren überholten, begrenzenden Vorstellungen lösen, können wir einen enormen Reichtum an seelischen und erotischen Erfahrungen und einen intuitiven Zugang zur Multidimensionalität der Venus erleben.

 MK-Personar Waageingress 2013

EVOLUTION und CHANCEN

Über die evolutionären Chancen orientiert der neue Mondknoten. Die Grafik zeigt das Mondknoten-Personar, das Horoskop, das den neuen Mondknoten im Detail darstellt. Mit Uranus im Widder und Mars in der Jungfrau geht es danach darum, in der Überschreitung bisheriger Grenzen im Beziehungsleben möglichst selbstbestimmt zu sein und sich mit Uranus im Quincunx zur Sonne auf neue Erfahrungen ein zu lassen. Mit dem 108°Aspekt zwischen Mondknoten und Sonne zum Jupiter sind ekstatische und glückliche Erlebnisse möglich und es wäre gut, sich auf die Beziehungen und Partnerschaften zu konzentrieren, in denen glückliche Erfahrungen möglich sind.

Soweit diese Übersicht über das Waage/Venus-Horoskop für die kommenden 12 Monate. Es sieht also recht gut und auch sehr reichhaltig aus, vorausgesetzt, man ist bereit, auf einige seiner Konzepte und Vorstellungen zu verzichten. Dieses Horoskop zeigt das allgemeine Klima bezüglich der Waage/Venus-Themen. Um zu sehen, in welcher Weise dessen Inhalte für den Einzelnen zutreffen, muss dieses allgemeingültige Horoskop astrologisch mit dem individuellen Horoskop in Beziehung gesetzt werden. Diese und andere Methoden, die in meinem „astrologischen Labor“ kürzlich entstanden sind, ermöglichen tiefe Einsichten in alle Themen, die von Aphrodite, der Göttin der Schönheit und der Liebe regiert werden.

Mögen Schönheit und Liebe triumphieren!

Alles Gute
Vincento

 23. September 2013  Veröffentlicht von um 14:42  Allgemein, Astrologie, Methoden Tagged with: , , , , , , , , , , , ,  Keine Antworten »
Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Die Venus aus mythologischer Sicht

Venus, die Göttin der Liebe und der Schönheit heißt im Mythos Aphrodite, gesprochen „Afrothiti“, mit Betonung der dritten Silbe. Das th wird wie im Englischen „the“ als Hauchlaut mit der Zunge an den oberen Schneidezähnen gesprochen. Aphros bedeutet „Meerschaum“, thiti bedeutet „geboren aus“.

Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, ist eine Ausstrahlung oder Emmanation des schöpferischen Himmelsgottes Uranos. Beim Tod des Uranos, der von seinem Sohn Kronos (Zeit) mit einer Sichel aus Feuerstein kastriert wird, entstehen sieben neue Gottheiten, die drei Erinnyen, die drei Meliai und Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit. Diese Göttinnen sind natürlich lauter Erscheinungsformen des Uranos. Sie alle symbolisieren, wie man mit dem Uranos, dem Schöpferischen und dem Himmlischen, verbunden bleiben kann, nach dem die Welt unter die Herrschaft des Kronos geraten ist. Die Meliai und Erinnyen zu verstehen, hilft uns, auch deren Schwester Aphrodite zu begreifen. Die sieben Ausstrahlungen des Uranos garantieren gemeinsam, dass das Schöpferische aktiv bleibt, nach dem dessen Schöpfung unter die Herrschaft des Kronos geraten ist.

Wo das Blut des Uranos zur Erde fällt, entstehen die drei Furien oder Erinnyen. Die Erinnyen sind Rachegöttinnen. Sie bestrafen Vatermörder und Eidbrüchige indem sie die Täter in den Wahnsinn treiben. Erinis bedeutet „den Geist stören“. Bei „Rachegöttinnen“ denken wir nicht unbedingt an etwas besonders Erfreuliches. Aber es handelt sich dennoch um ein ganz positives Symbol. Versuchen wir zu verstehen, welche Bedeutung die Furien oder Erinnyen haben. Dass die Erinnyen Vatermörder bestrafen, ist nur logisch, genauer mythologisch. Sind sie doch entstanden, als Kronos seinen Vater Uranos ermordet hat. Aber warum bestrafen sie auch die Eidbrüchigen?

Uranos kommt von sanskrit varuna-h, dem indoarischen Gott Varuna. Varuna, der indoarische Vorläufer des Uranos, ist der „Gott des Nachthimmels“ und der „Gott der Eide“. Ein Eid ist eine feierliche Wahrheitsversicherung unter Anrufung Gottes. Die Indoarier haben, wenn sie einen Eid schworen, also vermutlich den „Gott des Nachthimmels“ angerufen, weil der auch der „Gott der Eide“ war. Der gemeinsame Nenner ist wohl, dass die Sterne auf Reisen, wie ein echter Eid im sozialen Bereich, eine verlässliche Orientierung bieten. Solange wir wahrhaftig und unserem Ursprung (Uranos) treu bleiben, lassen uns die Erinyen in Ruhe. Wenn nicht, beginnen sie unseren Geist zu stören. Sie stehen also eigentlich für unsere Integrität, für die Wahrheit und Ursprünglichkeit unserer Individualität.

Das zweite Trio von Göttinnen, durch die der Uranos weiter wirkt, sind die Eschennymphen oder Meliai. Auch die Meliai entstehen dort, wo das Blut des Uranos zur Erde fällt. Miliades bedeutet „frei laufende kleine Tiere, Ziegen, Schafe”. Milon bedeutet „Baumobst, Zitronen, Äpfel, Pfirsiche” und Mila „die Brüste junger Mädchen”. Es geht also um das Leben, das Wachstum und die Fruchtbarkeit im Reich der Tiere, Pflanzen und Menschen und die Symbolik hat auch erotische Aspekte. Die Meliai sind offensichtlich Natur-, Wachstums- und Fruchtbarkeitsgottheiten. Die schnell wachsenden Eschen wurden beim Fruchtbarkeitszauber verwendet, das erklärt, weshalb man die Meliai auch Eschennymphen nennt. Die Wirkung des schöpferischen Uranos kommt nach diesem Bild in der lebendigen Natur zur Entfaltung. Ohne das Schöpferische gibt es werder Schöpfung noch Natur.

Der Penis des Uranos wird von Kronos ins Meer geworfen. Aus dem Schaum, der dort aus Blut, Samen und Meerwasser entsteht, wird Aphrodite geboren. Ihr Name bedeutet „aus Meerschaum geboren“. Aphrodite ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Sie ist sicherlich die schönste und bedeutendste der sieben weiblichen, göttlichen Erscheinungsformen des Uranos.

Nach dem Mythos trägt sie einen magischen Gürtel, mit dem sie jeden Menschen und auch die Götter in ihren Bann ziehen kann. Liebe und Schönheit sind danach die wichtigsten und mächtigsten Ausstrahlungen des Uranos. Die Erfahrung, dass die Liebe die bedeutendste und machtvollste Erscheinung des Himmlischen und Schöpferischen ist, spiegelt sich in vielen Mythen und Religionen. Je nach dem kulturellen Unfeld verwandeln sich die Bilder für diese Erfahrung aber oft ganz erheblich.

Aphrodite tritt unverhüllt und in aller Schönheit als Göttin der erotischen Liebe in Erscheinung. Die ägyptische Isis überwindet durch Mitgefühl, Liebe, Friedfertigkeit und Treue den Tod. Sie erweckt ihren Gatten Osiris zum Leben, der durch seinen Widersacher Seth ermordet und zerstückelt wurde. Und sie bittet später den gemeinsamen Sohn Horus, der Osiris rächen will sogar, das Leben des Seth zu schonen. Der Sänger Orpheus überwindet die Schwelle zur Unterwelt. Er geht in das Reich der Toten, um seine Geliebte Euridike in das Leben zurück zu holen, und scheitert erst im letzen Moment. Christus, die Mensch gewordene Liebe Gottes, überwindet die Hölle und den Tod. Die mythologischen Bilder wandeln sich, aber die überragende Bedeutung der Liebe bleibt.

Auch die moderne Hirnforschung stellt fest, dass die Liebe sehr machtvolle Wirkungen hat. Man gab in einem Experiment Menschen, die verliebt waren, ein Foto des Geliebten zur Ansicht und legte sie in einen Kernspintomografen. Dieses Gerät macht sichtbar, welche Teile des Gehirns aktiviert und welche deaktiviert sind. Hier die Ergebnisse:

Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, bei der Integration von sinnlichen Eindrücken und bei sexueller Erregung aktiv sind. Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, Trauer, Depression und Aggression, und bei der kritischen Bewertung anderer Menschen nach konventionellen Kriterien aktiv sind. Das Experiment wurde mit Müttern wiederholt, die Bilder ihrer Kinder betrachteten. Auch hier wurden die Bereiche deaktiviert, die bei Angst, Trauer, Depression und Aggression, sowie bei der kritischen Bewertung anderer Menschen aktiv sind.

Angst, Trauer und Depression und die kritische Bewertung anderer Menschen und von einem selbst nach den Kriterien der Konvention, z.B.: – “sowas tut man nicht!”, werden in der Astrologie durchweg dem Saturn, also dem mythischen Kronos, zugeordnet. Der Planet Saturn wurde schon in der Antike mit dem Titanen Kronos assoziiert.

Die Liebe, die Göttin Aphrodite, überwindet also die Wirkungen des Kronos nach der Sicht des olympischen Mythos, wie 3.500 Jahre später auch nach der Sicht der modernen Hirnforschung. Ist das nicht wunderschön? Und die Qualitäten Integrität, Fruchtbarkeit, Natürlichkeit und Erotik, die durch ihre Schwestern, die Erinyen und die Meliai symbolisiert werden, sind natürlich ebenfalls hilfreich, wenn es darum geht, die blockierenden Wirkungen des Kronos zu überwinden und ein freies schöpferisches Individuum (Uranos) zu bleiben oder wieder zu werden.

Die Liebe, also Aphrodite, ist wie der Volksmund sagt, „eine Himmelsmacht“, – Uranos bedeutet im Altgriechischen „Himmel“, und Aphrodite ist ja dessen Ausstrahlung, Emmanation und Aktivität. Und zugleich ist sie eine Erscheinung des Grenzenlosen, das schon vor Beginn der Schöpfung existierte. Denn Aphrodite entsteht aus dem Schaum, der sich aus dem Blut des Uranos und dem Wasser des Meeres dort bildet, wo das Genital des Uranos ins Meer geworfen wird. Und das Meer ist im vorzeitlichen Bild des mythologischen Okeanos das Grenzenlose, aus dem Alles hervor geht.

Aphrodite reitet auf einer Muschel ans Ufer und nimmt ihren Wohnsitz auf Zypern. Ihre Begleittiere sind Tauben und Sperlinge, sie liebt Rosen und Myrrhe (ein Aphrodisiakum der Antike) und sie trägt einen Gürtel, mit dessen Zauberkräften sie jeden Menschen und jeden Gott in den Zustand leidenschaftlicher Liebe versetzen kann.

Sie wird von Zeus mit dem Schmied der Götter, Hephaistos verheiratet. Aber der Vater ihrer Kinder Eros (Leidenschaft), Harmonia (Harmonie) und Phobos (Furcht) ist der Kriegsgott Ares. Aus einer Affäre mit dem Götterboten Hermes entsteht der zweigeschlechtliche Hermaphrodit. Aus einer Beziehung zu Dionysos, dem Gott des Rausches, entsteht Priapos, der mit seinen riesigen Geschlechtsteilen als der Gott der Fruchtbarkeit, der Pflanzenwelt und der sexuellen Begierde gilt. Es heißt, dass Aphrodites Lieblingsbeschäftigung darin besteht, Götter und Menschen in ihrem Netz der Liebe zu fangen und in leidenschaftliche Beziehungen zueinander zu verstricken.

Die Schönheit und die Liebe unterliegen Gesetzen, die sich der menschlichen Kontrolle letztlich entziehen. Dass ein Kunstwerk oder eine Liebesbeziehung gelingt, lässt sich nicht erzwingen. Zugleich sind Liebe und Schönheit von großer Wirkung auf den Menschen. So wurden Liebe und Schönheit in vielen Kulturen als etwas Göttliches verstanden, oder sie galten zumindest als Erscheinung des Göttlichen oder des Transzendenten.

Aphrodite beschützt die Liebenden und die Liebe. Als Emanation des Uranos, der die Schicksalsgöttinnen sagten, sie hätte nur eine Aufgabe, zu lieben, und sonst keinerlei Pflichten, überschreitet sie die Grenzen des Irdischen und verweist letztlich auf das Grenzenlose, aus dem sie hervorging.

Dass selbst so mächtige Göttinnen wie Artemis und Aphrodite den drei Schicksalsgöttinnen zu gehorchen haben, erinnert an indische Denkweisen. Auch dort existiert die Idee, dass selbst die Götter ein Karma zu erfüllen haben. Dass auch die Götter ein Karma zu erfüllen haben, könnte also eine indoarische Idee sein. Der olympische Kult wurde ja auch durch indoarische Einflüsse geformt. Aber vielleicht ist dies auch eine Wirkung des Matriarchats, das den olympischen Kult ebenfalls mit geformt hat. Sind doch die drei Schicksalsgöttinnen eine Erscheinungsform der dreifältigen Mondgöttin.

Nach einem anderen Mythos, der nur wenig zum Verständnis der Aphrodite beiträgt, ist diese aus einer Verbindung von Zeus und Dione hervor gegangen. Da Dione als Tochter des Okeanos gilt, zeigt sich aber auch hier die Verbindung der Göttin der Schönheit und Liebe mit dem Grenzenlosen.

Die Venus aus astrologischer Sicht

Aus Sicht der metaastrologischen Planetenbilder ergibt sich für die Venus zunächst folgende wesentlichste Aussage: Die Venus ist eine Lehrerin, Heilerin und Evolutionsagentin. Sie bündelt Energien, führt sie dem Schöpferischen zu und bringt sie nach dessen Gesetzen zur Wirkung.

Dem entspricht, dass Venus (Aphrodite) als Ausstrahlung des Schöpferischen (Uranos) ja nach dessen Gesetzen wirken muss! Unsere menschliche Erfahrung zeigt, dass Liebe und Schönheit unsere Kreativität energisch anregen und dass alles, was uns als schön und liebenswert erscheint, unsere Energien bündelt und lenkt. Es gibt auch eine organische Entsprechung dazu, nämlich dass die Nieren, die der Venus zugeordnet werden, nach der traditionellen chinesischen Medizin als Speicher der Lebensenergie gelten. Auch hier kann von der Bündelung von Energien gesprochen werden.

Im Weiteren finden wir, dass die Venus die Lebensenergie steigert, Verhärtetes und Trennendes auflöst und verjüngend und harmonisierend wirkt. Die Venus löst alles Trennende auf und verbindet das Vereinzelte mit dem Grenzenlosen. Sie öffnet einen Weg in den Urzustand vor der Schöpfung, zum Chaos, Eros oder Okeanos, je nach Schöpfungsmythos. Dass die Göttin der Liebe und der Schönheit dabei auch die trennenden Tendenzen im Intellekt „über die Klinge springen lässt“ und auflöst, – was manchmal ganz erhebliche Verwirrung auslösen kann, ist eine allgemeine menschliche Erfahrung.

Sie sind vielleicht sehr überrascht, aber Liebe kein Gefühl! Im seelischen Sinne ist die Venus aus metaastrologischer Sicht kein Gefühl, sondern ein „Meta-Gefühl“, also ein Gefühl, das Gefühle fühlt. Es handelt sich um eine seelische Dynamik, durch die sich unsere Emotionen aus sich selbst, durch sich selbst hinzu einer höheren Stufe ihrer selbst entwickeln.

Die Venus löst eine Art Transformationsprozess im Seelischen aus. Was unserer Erfahrung entspricht und inzwischen zumindest teilweise auch durch die moderne Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Aktiviert wurden die Hirnbereiche, die beim Erkennen von Gefühlen, …aktiv sind.“.

Darüber hinaus entgrenzt die Venus das Bewusstsein. Sie „wirkt psychedelisch“ und öffnet das Bewusstsein über die Grenzen des Subjekts hinaus für die Wirklichkeit anderer Wesen, für das Schöpferische und den Urzustand. Dabei hebt sie die Angst und die kompensatorischen Schutzmechanismen des Intellekts und der Vernunft auf. Was ebenfalls durch die Hirnforschung belegt wurde, Zitat: „Deaktiviert wurden dagegen die Zonen im Gehirn, die bei Emotionen wie Angst, …aktiv sind.“

Auch die Wirkung der Venus auf den menschlichen Geist ist enorm. Übrigens behaupten einige Astrologen, dass die Venus die höheren Ebenen des Denkens symbolisiert, nicht etwa nur in der Kunst, sondern z.B. auch in der Mathematik. Bleibt man womöglich, wenn man lieblos und ohne Sinn für Schönheit denkt, für immer ein Idiot? Jedenfalls aktiviert die Venus kreative, assoziative und bildschöpferische geistige Prozesse. In letzter Konsequenz und das ist ihre Essenz, gibt uns die Venus die Chance, das Schöpferische und den grenzenlosen Urzustand zu erfahren und zu „begreifen“. Wobei dieses „Begreifen“ in den meisten Fällen wohl einen Zustand der Ergriffenheit bedeutet. Die Venus, die Göttin der Schönheit und der Liebe, ist geistig gesehen eine Mystikerin und sie wirklich zu verstehen bedeutet, dass in unserem Denken letztlich jede begrenzte, traditionelle oder konventionelle Anschauung aufgelöst und überschritten wird.

Im Tierkreis beherrscht die Venus den Stier und die Waage. Im Sinne des Stiers gehört sie zur sinnlich erfahrbaren Welt, im Sinne der Waage zum Geistigen. Damit ist die Venus sowohl konkret sichtbar als auch Abbild des Unsichtbaren. Wie eine Skulptur, die als ganz reales Objekt existiert und zugleich eine Idee oder Bedeutung in sich trägt, die aus dem Unsichtbaren und Grenzenlosen zu uns kommt. Die Venus verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren.

Auf der alchemistischen Wandlungsstufe der Rubedo wird die Venus dem dritten Auge zu geordnet. Auch aus astrologischer Sicht entspricht die Venus als Göttin der Liebe und der Schönheit einer sehr hoch entwickelten Sicht auf die Wirklichkeit. Sie eröffnet uns eine sehr umfassende und weite Perspektive.

Soweit dieses Portrait der Venus

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Dieser Text entstand auch angeregt durch die Begegnung mit einem Alchemisten. Der Begriff „Rubedo“ kennzeichnet das Ziel vieler alchemistischer Transformationsvorgänge. Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Der Jupiter aus mythologischer Sicht

Jupiter steht mythologisch wie astrologisch für Erweiterung und Vielfalt. Jupiter entspricht im Mythos Zeus und gilt dort als Vater der Menschen und der Götter, als Regent der Atmosphäre und als Wettergott.

Zeus, gesprochen „Sevs“, kommt aus thjiefs identisch mit sanskrit dyauh, was „Himmel“ bedeutet. Aus dem iapendischen dijeus entstand djious was „Himmel“ oder „heller Tag“ heißt. Dijeus aus deivo-s heißt „Gott“. Sin, gleichbedeutend mit sevs, ist verwandt mit sanskrit dyam „Tag“ sowie mit altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“.

Im Sinne von „Tag“ und „heute“ ist Zeus wie sein Vater Kronos ein Gott der Zeit. Aber ganz anders als dieser repräsentiert er im Sinne von „heller Tag“ das Licht des Bewusstseins und im Sinne von „Himmel“ auch dessen Weite. Es geht im Mythos des Zeus um die Entmachtung des Kronos. Es geht um die Auseinandersetzung unterschiedlicher Aspekte der Zeit und vor allem um die Frage, wie die in der Zeit enthaltenen Potentiale befreit und fruchtbar gemacht werden können. Wir knüpfen beim Schöpfungsmythos an:

Nach einem Konflikt zwischen Himmel und Erde kastriert der Titan Kronos seinen Vater Uranos und tötet ihn dadurch. Danach herrscht Kronos über Alles. Da ihm seine Eltern beim Tod des Uranos vorhergesagt haben, dass auch er eines Tages durch eines seiner Kinder entmachtet werden würde, frisst Kronos sicherheitshalber jedes Kind, dass ihm seine Frau Rhea gebiert.

Rhea hat eines Tages genug davon, dass ihr Mann die gemeinsamen Kinder frisst und als das sechste göttliche Kind geboren wird, nämlich Zeus (Jupiter), versteckt sie den Zeus sofort nach der Geburt und gibt dem Kronos stattdessen einen in eine Windel gewickelten Stein zu fressen. Das war eine hervorragende Strategie. Denn Kronos/Saturn entspricht astrologisch gesehen ja auch der Stein, und da hat sich der Kronos dann wohl gedacht: „Was die Rhea mir da in dieser Windel Gutes zum Essen gebracht hat, schmeckt ja echt wie ein Stück von mir! Muss wohl mal wieder eines meiner Kinder sein.“ Jedenfalls hat er gar nichts gemerkt und sein Sohn Zeus wurde weg gebracht und heimlich auf der Insel Kreta großgezogen. Zeus wächst umgeben von weiblichen Gottheiten in den Hügeln und Höhlen von Kreta auf. Seine Ersatzmütter sind die Nymphen Almatheia, Adrasteia und Io, seine Ratgeberin ist die Titanin Metis. Metis, die am Ufer des Okeanos lebt, der das Universum umströmt, gibt dem Zeus, als er groß genug geworden ist, einen Rat, der seine gesamte spätere Existenz bestimmen wird: Er solle doch am Hofe seines Vaters Kronos als Mundschenk verkleidet erscheinen, und dem Kronos ein Getränk aus vergorenem Honig, vermischt mit Salz und Senf anbieten. Genau dies geschieht dann auch und Papa Kronos stürzt das Gebräu in einem Zug hinunter. Als Folge dessen erbricht er zunächst den Stein, den er anstelle von Zeus verschlungen hatte und danach all die Geschwister des Zeus. Gemeinsam mit seinen Geschwistern nimmt Zeus den Kampf auf und nach langwierigen Kämpfen gegen Kronos und andere Titanen, gegen die Giganten und das Ungeheuer Typhon erringen Zeus und seine Geschwister schließlich den Sieg. Danach beherrschen Zeus, seine Geschwister und einige seiner Kinder als unsterbliche Götter vom Olymp aus den Himmel, die Erde, die Meere und die Unterwelt.

Historisch gesehen bildete sich auf der Insel Kreta um 1600 v. Chr. unter Zeus eine Synthese aus matriarchalen und patriarchalen Kulten. Der Olymp der unsterblichen Götter ist dementsprechend zu gleichen Teilen von weiblichen und männlichen Gottheiten besetzt. Abgestimmt wird demokratisch, die einfache Mehrheit genügt.

Die sechs weiblichen Gottheiten im Olymp sind:

Hera, Schwester und Frau des Zeus, Göttin der Ehefrauen, Ehe und Familie.
Hestia, Schwester des Zeus, Göttin des Herdfeuers und des häuslichen Friedens.
Demeter, Schwester des Zeus, Göttin des Getreides und der Fruchtbarkeit.
Artemis, Tochter von Zeus und Leto, Göttin des Mondes und der Jagd.
Athene, Tochter von Zeus und Metis, Göttin der Weisheit.
Aphrodite, Emanation des Uranos, Göttin der Liebe und der Schönheit.

Die sechs männlichen Gottheiten im Olymp sind:

Zeus, König des Olymp, Herrscher über Himmel, Wetter, Blitz und Donner.
Poseidon, Bruder des Zeus, Herrscher über die Meere.
Ares, Sohn des Zeus und der Hera, der Gott des Krieges.
Hephaistos, Sohn des Zeus und der Hera, der Schmied der Götter.
Apollon, Sohn von Zeus und Leto, Gott der Sonne, der Musik und des Orakels.
Hermes, Sohn von Zeus und Maia, der Bote der Götter.

Im Weiteren von Bedeutung sind Pluto, ein Bruder des Zeus, er regiert über die Unterwelt; sowie Dionysos, ein Sohn des Zeus und der Mondgöttin Selene, der um 700 v. Chr. die Göttin Hestia aus dem Olymp verdrängt.

Das Besondere an der Gesellschaft der unsterblichen Götter des Olymps ist die gelungene Synthese matriarchaler und patriarchaler Kulte, die Balance zwischen weiblichen und männlichen Gottheiten. Dieser Kult bestimmt unangefochten für ungefähr 1.000 Jahre die Kultur der griechischen Antike. Da Zeus der König des Olymp ist, wird dessen Planet Jupiter in der Antike mit dem „Gesetz“ und passend dazu in der zeitgenössischen Astrologie auch mit Prinzipien wie „Gerechtigkeit“ und „Synthese, Koordination, Vielfalt, Reichtum, Erweiterung, Kooperation“ etc. assoziiert. Das Prinzip der Vielfalt zeigt sich nicht nur im Kult der zwölf olympischen Götter, sondern auch im abenteuerlichen Liebesleben des Zeus. Seine vielen Liebesbeziehungen zu Göttinnen und menschlichen Frauen bringen zahlreiche Götter und Halbgötter hervor. Und das Prinzip der Vielfalt zeigt sich auch in den vielen verschiedenen Erscheinungsformen des Zeus. Nicht nur bei der Überwindung des Kronos, wo Zeus als Mundschenk verkleidet erscheint, nutzt er das Prinzip der Tarnung. Sondern auch bei seinen Liebesabenteuern taucht Zeus immer wieder getarnt, z. B. als Schlange, Goldregen, Stier, Kuckuck oder Schwan auf.

Wie aus djious, was „Himmel“ oder „heller Tag“ heißt, hervorgeht, ist Zeus der Himmelsgott des Tages. Sein Großvater Uranos dagegen ist der Gott des Nachthimmels. Da Kronos den Uranos ermordete und dessen Enkel Zeus Kronos überwindet, taucht dementsprechend in Zeus das Symbol des Himmels und der Weite wieder auf. Zeus erschafft zwar nicht die Welt, wie seine Großeltern Uranos, der Himmel und Gäa, die Erde, aber er erschafft eine neue, erweiterte Ordnung der Welt und ist insofern der würdige Erbe des Uranos.

Der entscheidende Durchbruch im Leben des Zeus ist die Befreiung seiner Geschwister aus dem Bauch des Kronos, entsprechend dem Rat der Titanin Metis. Ohne diesen Vorgang ist die gesamte weitere Entwicklung undenkbar.

Zeus lehrt uns die Kunst, den Kronos zum Kotzen zu bringen!

Dieser Satz ist gar nicht nur komisch gemeint, sondern das Kotzen des Kronos ist tatsächlich von tiefer symbolischer Bedeutung. Es gibt einige Hinweise, mit deren Hilfe man diesen symbolischen Vorgang entschlüsseln kann:

Unmittelbar klar ist, Zeus befreit seine göttlichen Geschwister aus dem Bauch der Zeit, indem er den Kronos zum Kotzen bringt. Er enthebt seine Geschwister dadurch dem Gesetz der Zeit und macht sie so unsterblich.

Dazu kommt: Wir wissen, dass indoarische Einwanderer den olympischen Kult mit geformt haben und finden im olympischen Mythos deshalb auch immer wieder Inhalte, die an Indien erinnern. Und nun gibt es interessanterweise eine alte Yogatechnik aus Indien, bei der man auf nüchternen Magen lauwarmes Salzwasser trinkt und dann erbricht, um Blockaden im Zwerchfell zu lösen.

Später, in der römischen Kultur gilt Zeus in der Gestalt des römischen Gottes Jupiter übrigens auch als Gott des Humors. Und Lachen erschüttert, wie Erbrechen, das Zwerchfell. Also stellt sich, wenn wir den Zeus verstehen wollen, vor allem eine Frage, nämlich: „Welche Bedeutung hat eigentlich das Zwerchfell?“

Das Zwerchfell galt den Griechen der Antike als „Sitz des Geistes UND der Seele“. Entscheidend dabei ist das UND. Denn das Zwerchfell wirkt wie ein Segel zwischen den darüber und darunter liegenden Körperregionen, das vom Atem auf und ab bewegt wird und dadurch beide Regionen stimuliert und mit einander verbindet. Oberhalb des Zwerchfells liegen vor allem die Chakras, die dem Bewusstsein entsprechen, darunter die Chakras, die unseren unterbewussten seelischen Wahrnehmungen und Kräften entsprechen. Das Zwerchfell verbindet durch sein Auf- und Abschwingen Geist und Seele. Solange das Zwerchfell im Atemstrom frei und natürlich schwingen kann, sind Geist und Seele verbunden.

Wenn aber z.B. durch einen Schock, durch Angst (Kronos) oder falsches Atmen das Zwerchfell blockiert wird, sind wir gespalten und unsere Kräfte sind dann dementsprechend blockiert. Mehr noch, wir verlieren die Orientierung, weil uns die instinktiven Wahrnehmungen aus der Bauchregion nicht mehr zugänglich sind und Energie verlieren wir natürlich auch. Seele und Geist befruchten sich nicht mehr gegenseitig. Die ursprüngliche Einheit unseres Wesens wird geteilt und zersplittert. Genau dem entspricht mythologisch die Gefangenschaft im Bauch des Kronos und alchemistisch die Phase der „Nigredo“. Nigredo meint generell den unerlösten Zustand einer Substanz oder eines Menschen.

Zeus löst die Blockaden im Zwerchfell und trägt so die unterbewussten, seelischen Anteile unseres Wesens in das Licht des Bewusstseins und befreit dadurch unsere Potentiale. Er hilft uns dabei, unser ganzheitliches Wesen wieder neu zu erleben und zu erfahren. Zeus kommt, wie erwähnt, aus sanskrit dyam „Tag“ sowie aus altnorwegisch, bzw. altgermanisch in-diu „heute“. Zeus aktualisiert unsere Möglichkeiten, er fördert sie zu Tage und trägt sie ins Heute, ins Hier und Jetzt. Er sorgt für einen sinnvollen Zusammenhang unserer bewussten und unterbewussten Kräfte und ermöglicht so deren Integration. Er bringt uns zurück in die Gegenwart unserer Möglichkeiten.

Dies zeigt sich auch im Zeichen des Schützen, das zum Planeten Jupiter gehört. Das Bild des Schützen ist ein Doppelwesen, ein mit einem Bogen bewaffneter Kentaur mit menschlichem Kopf und Oberkörper auf einem Pferdeleib. Die animalischen Energien und Instinkte, symbolisiert durch den Pferdeleib, verbinden sich mit menschlichen Qualitäten wie geistiger Zielsetzung und zielgerichtetem Handeln, symbolisiert durch den menschlichen Oberkörper des Bogenschützens samt Bogen und Pfeil. Die unterbewussten, animalischen Anlagen werden nicht blockiert oder unterdrückt, sondern auf ein geistig bestimmtes Ziel gerichtet. Die Seele wird inklusive ihrer animalischen Anteile geistig integriert. Zeus ermöglicht Bewegung, Richtung und Sinn und eröffnet so die Chance zur individuell angemessenen, glücklichen Entwicklung.

Bei den Astrologen des antiken Persiens und Griechenlands galt der dem Zeus zugeordnete Planet Jupiter als das „Gesetz“, und Zeus galt als gerecht. Er verhält sich auch gegenüber seinem Vater Kronos großzügig und fair. Im Mythos machte er Kronos nach seiner Unterwerfung zum Herrscher über das Elysium, den schönsten Ort in der Unterwelt.

Der Jupiter aus astrologischer Sicht

Nach der Sicht der metaastrologischen Planetenbilder gilt für den Jupiter Folgendes als besonders wesentlich: Das Potential des Jupiters liegt in unserem seelischen Anteil an unserer Bestimmung. Seine Aktivität besteht darin, diese Anteile fruchtbar zu machen.

Der Jupiter macht unterbewusste, seelische Potentiale durch das Bewusstsein fruchtbar und verbindet so Seele und Geist. Dazu findet sich eine Parallele bei Agrippa von Nettesheim: „Die ununterbrochene Fortdauer des Ganzen gehört dem Saturn an“, sagt Agrippa über den Saturn (Kronos) und über dessen Sohn Jupiter (Zeus) sagt er: „die Fruchtbarkeit der wirkenden Ursachen hängt vom Jupiter ab“. Dem Saturn entspricht die Zeit als das bestimmende Prinzip, als „die ununterbrochene Fortdauer“, in der sich das Ganze abspielt. Der Jupiter macht die darin liegenden „wirkenden Ursachen“ fruchtbar. „Wirkende Ursachen“ sind modern formuliert „ruhende Potentiale“, die etwas bewirken können, aber eben erst und nur dann, wenn sie fruchtbar werden. Und die Fruchtbarkeit ruhender Potentiale hängt eben, nach Agrippa von Nettesheim, vom Jupiter ab. Übrigens drängt Jupiter auch astrologisch gesehen den Saturn in den Hintergrund (des Bewusstseins), wenn er aktiv wird, so wie Zeus den Kronos entmachtet.

Beide, Saturn wie Jupiter symbolisieren Aspekte der Zeit. Der Saturn repräsentiert die Zeit als eine allgemeine, bestimmende Gesetzmäßigkeit, dem alle Lebewesen unterliegen. Im Sinne der Beschränkung, die der Saturn durch seine Gesetze dem einzelnen Wesen auferlegt, erzeugt Saturn das Prinzip der Konzentration. Sein Bild ist ein Kreuz (Materie) über einer Mondsichel (Seele). Hier erfährt sich das Seelische als unter der (bedrückenden) Herrschaft der konkreten, materiellen Realität und der Vergänglichkeit stehend.

Jupiter entspricht dagegen einer sinnvollen Abfolge von Entwicklungsphasen, die ein Wesen zur Entfaltung und Erfüllung seiner Potentiale führt und diese fruchtbar macht. So steht der Jupiter für das Prinzip der Expansion. Saturn zeigt die Seele, die in ihrer Bindung an das Körperliche von den Grenzen und Gesetzen der Materie und der Vergänglichkeit beherrscht wird. Mit dem Jupiter erobert sich das Seelische und Lebendige eine souveräne Position innerhalb der Gesetze des Ganzen zurück. Dadurch entsteht eine individuelle angemessene Umsetzung allgemeingültiger Gesetze im individuellen Lebensweg. Sein Bild ist eine Mondsichel (Seele) oberhalb eines Kreuzes (Materie). Hier erhebt sich das Seelische über die Vergänglichkeit und die Begrenztheit der materiellen Erscheinungswelt.

Im Mythos wird das ganz klar. Die Geschwister des Zeus im Bauch des Kronos sind „wirkende Ursachen“ also noch „ruhende Potentiale“. Ohne Zeus wären seine Geschwister niemals frei geworden, sie hätten sich niemals entfalten können. Sie wären im Bauch des Kronos gefangen geblieben. Aber Zeus/Jupiter befreit sie und verhilft ihnen zur individuellen Entfaltung. In der Astrologie gilt der Jupiter demgemäß auch als „Förderer“.

Astrologisch gesehen ermöglicht Jupiter die Befreiung, Wahrnehmung, Differenzierung und Aktualisierung ruhender Potentiale vor allem dadurch, dass er die Andersartigkeit und spezifische Qualität eines Potentials erfasst und diese als ein sinnvolles Element in das jeweils größere Ganze integriert. Die bewusste Differenzierung führt zur Vielfalt.

Der Mythos zeigt, dass in Zeus, seinen Geschwistern und Kindern erneut dasjenige wirklich wird, was schon vor Kronos existierte. Zeus ist wie sein Großvater Uranos ein Himmelsgott. Sein Bruder Poseidon, der Herrscher über die Meere, entspricht dem kosmischen Okeanos. Seine Schwester Demeter ist, wie Gäa, eine Göttin der Erde, aber spezialisiert, nämlich auf den Ackerbau. Der vorzeitliche Eros wird in Aphrodite, der Göttin der Liebe zu einer unsterblichen Göttin, die wiederum mit Ares selbst ein Kind namens Eros hat, usw.

Auch astrologisch gesehen erschafft der Jupiter Vielfalt und Reichtum, in dem er schon bestehende Wirklichkeiten erfasst, bewusst macht, befreit, weiter entwickelt und differenziert. Er ist nicht schöpferisch im ursprünglichen Sinne, so wie der Uranos, der aus dem Nichterschaffenen und Grenzenlosen schöpft. Sondern er schöpft Potentiale aus, die er dank seiner entwicklungsorientierten Anschauung im Leben erkennt. Der Jupiter hat übrigens in den Horoskopen von Managern, Teamleitern, Personalentwickler und Koordinatoren meist eine wichtige Stellung. In diesen Berufen ist die Fähigkeit die Potentiale seiner Mitarbeiter zu erkennen, zu entfalten und für das Unternehmen fruchtbar zu machen, von maximaler Bedeutung. Man könnte sagen, der Jupiter ist in Gestalt des Zeus als Leiter des Olymps der erste und bedeutendste Manager, Teamleiter, Personalentwickler und Koordinator in der europäischen Kultur. Der Jupiter wirkt gemeinschaftsbildend, indem er die latenten Möglichkeiten und Potentiale einer Gruppe als geistiges Bild und erreichbares Ziel erkennbar macht.

Jupiter ist wie ein Maler, der aus den Grundfarben Gelb, Rot, Blau, Orange, Violett, Gründ Schwarz und Weiß eine atemberaubende Vielfalt an Farbtönen mischt und daraus Bilder komponiert. Er schafft Begegnungen, Verbindungen und Partnerschaften. Er stellt Zusammenhänge her, er ist Koordinator und Komponist. Er erzeugt neue Entwicklungen, in dem er die einzelnen Elemente einer Situation in neue Zusammenhänge stellt und er ist auch ein sehr erotischer Planet. Seine Liebesabenteuer im Mythos sind Legende. Übrigens hatten zwei der ganz großen Pioniere der modernen Malerei, nämlich Wassily Kandinsky und Paul Klee, die Sonne im Schützen, dem Zeichen des Jupiters und beide haben sehr interessante Bücher über das Prinzip der Komposition in der Malerei geschrieben.

Jupiter steht in der Astrologie traditionell für das „Glück“ und auch für den „Sinn“. „Glück“ ist der seelisch erfahrbare und „Sinn“ der geistige Aspekt des Jupiters. Der Jupiter gehört sowohl zu den seelischen, als auch zu den geistigen Planeten. Er bringt uns Vielfalt und seelische Erfüllung und er ermöglicht uns, ein Weltbild zu entwickeln. Der seelische Aspekt scheint den meisten von uns wichtiger zu sein. Wer glücklich ist, fragt meist nicht nach dem Sinn des Lebens, wer unglücklich ist, aber sehr wohl. „Sinn“ als geistiger Bezugspunkt scheint es uns möglich zu machen, in Krisen durch zu halten.

Wenn aber der geistige Entwurf, den wir als „Sinn“ verstehen, immer wieder enttäuscht wird, wenn wir unsere Erfahrung und unsere Anschauung nicht mehr unter einen Hut bekommen, erfahren wir eine „Sinnkrise“. Wir brauchen dann eine andere, oder veränderte Anschauung. Wir müssen unseren Jupiter weiter entwickeln. Jemand „sucht nach dem Sinn des Lebens“ lautet eine häufig gebrauchte Formulierung. So als ob der Sinn des Lebens ohnehin schon irgendwo vorhanden wäre und wir leider nur noch nicht wissen, wo genau. Aber vielleicht ist „Sinn“ eher etwas, das wir selbst bewusst erzeugen?

Als ich den Jupiter erforschte, startete ich eine Befragung zu dem Thema, „Was ist Glück?“. Die Mehrheit der Befragten äußerte sinngemäß: „Glück ist, wenn ich mich gemäß meiner Eigenart entwickle und durch die Realisation meiner Potentiale andere bereichere und deren Wertschätzung erfahre.“

Auf der Stufe der Rubedo wird Jupiter dem Halschakra zu geordnet, das für die Ausdrucksfähigkeit steht. Ausdruck ermöglicht Vermittlung. Im Mythos ist Hermes, der erste Sohn des Zeus, der Götterbote, der Vermittler schlechthin.

Soweit dieses Portrait des Jupiters

Mrz 232013
 

Vorbemerkung: Der Begriff „metaastrologisch“ bezieht sich auf eine astrologische Entdeckung, die mir 1995 gelang, mehr dazu finden Sie unter „Die Entdeckung der Metaastrologie“.

Der Mars aus mythologischer Sicht

Im Mythos entspricht der Planet Mars dem Kriegsgott Ares, gesprochen „Aris“, mit Betonung der ersten Silbe. „Aris“ aus griechisch arsin bedeutet „männlich“. Aus aris und arsin entstand im Weiteren areti „Tugend“, ari „Überlegenheit“, aristokrat „der Überlegene“ und arios „der Kriegerische, der den Krieg liebt, der Kriegsbegeisterte“. Aristos bedeutet „ausgezeichnet“ im geistigen, politischen, sozialen, körperlichen Sinn, aria-fili bedeutet „überlegene“ (ari) „Rasse“ (fili).

In Ares ist, so könnte man vermuten, das Überlegenheitsgefühl indoarischer Krieger zum Bild geworden. Aber im Mythos wird Ares sehr kritisch gesehen. Ares ist im Mythos der Gott der Kriege, der Verwüstungen und Hungersnöte. Er ist ein Sohn von Zeus und dessen Gemahlin Hera. Und der Ares hatte, jetzt halten Sie sich fest! – der Ares hatte eine schwere Kindheit! Zwischen seinem Vater Zeus, der ständig irgendwelchen Liebesabenteuern nachging und seiner deshalb zu Recht eifersüchtigen Mutter Hera gab es nämlich laut Mythos ständig Konflikte. Vielleicht ist Ares deshalb so aggressiv und dadurch isoliert? Besonders beliebt ist er bei den anderen olympischen Göttern jedenfalls nicht, ähnlich wie seine Schwester Eris.

Eris bedeutet „Streit, Kampf, Konkurrenzkampf“. Eris ist mit sanskrit arih „Feind“, sanskrit rtich „Schlacht“ und mit dem griechischen aria „die Drohung“ verwandt. Eris warf einen goldenen Apfel, mit der Aufschrift „der Schönsten“ unter die Göttinnen des Olymps, der zu einem Schönheitswettbewerb der Göttinnen und zum trojanischen Krieg führte.

Ares ist also unbeliebt und isoliert, aber Aphrodite ist seine Geliebte und sie haben mehrere Kinder, darunter Eros (Leidenschaft), Phobos (Furcht) und Harmonia (Harmonie). Ihr Sohn Eros, der durch seine brennenden Liebespfeile dafür sorgt, dass vollkommen wahllos und unvorhersehbar Götter, Göttinnen und Menschen in Liebe für einander entbrennen, wurde nie in den Olymp aufgenommen. Er galt den olympischen Göttern einfach als zu unverantwortlich.

Neben Aphrodite und Eris hat Pluto, der Herrscher über das Totenreich, Sympathien für Ares, weil Ares die Unterwelt mit gefallenen Kriegern füllt. Ares gilt auch als Vater der kriegerischen Amazonen und es heißt, dass er sich an jedem Streit und an jedem Krieg beteiligt, ohne dass er wirklich Partei für die eine oder andere Seite ergreift, Hauptsache es wird gekämpft. Es geht ihm einfach um den Streit und den Krieg als solchen und er hasst das Gesetz. Er ist aber durchaus nicht unbesiegbar, vor dem Heroen Herakles soll er geflohen sein und Pallas Athene, die Göttin der Klugheit, soll ihn zweimal besiegt haben.

Während die Schöpfer des olympischen Mythos den Mars in Gestalt des Ares sehr kritisch sahen, steht der Mars heute in der Astrologie für „Energie“. Bei den antiken persischen und griechischen Astrologen stand er für „Wachstum“. Das ist klar, weder Krieg noch Wachstum sind ohne Energie denkbar.

Der Mars aus metaastrologischer Sicht

Aus Sicht seines metaastrologischen Schlüsselbildes gilt für den Mars Folgendes als wesentlich: Der Mars ist seinem Potential und seiner Aktivität nach die (mit einem Hoch- oder Überlegenheitsgefühl verbundene)
Überschreitung von Grenzen im Konkreten.

Der Mars überschreitet also Grenzen, was natürlich Energie voraussetzt. Mars gilt auch als der „Pionier“, der erstmals in ein neues Terrain eindringt. Diese Bewegung setzt sich solange fort, bis der Widerstand im Terrain übermächtig geworden oder die Energie erschöpft ist. Energie entsteht bei der Freisetzung von Spannungen. Und Konstellationen für Spannungen hat der Mars nach den metaastrologischen Schlüsselbildern tatsächlich genug. Witzigerweise liegen diese Spannungskonstellationen genau dort, wo im metaastrologischen Horoskop des Mars die Bilder für „Ehe, Kindheit und Familie“ stehen. Danach hat der Mars in seiner Kindheit Konstellationen für Ehekräche im familiären Bereich. Man denke an die Ehekonflikte von Zeus und Hera, den Eltern des Ares, bzw. Mars! Hera war immer wieder über ihren Gatten Zeus erzürnt, weil sich dieser auch um das Liebesglück und die Fruchtbarkeit aller möglichen anderen Göttinnen und auch menschlicher Frauen bemühte. Dass ein metaastrologisches Schlüsselbild, wie das des Mars, so direkte Parallelen zum Mythos zeigt, ist erstaunlich, aber durchaus kein Einzelfall.

Diese spezielle Übereinstimmung zwischen Mythologie und dem meta-astrologischen Bild des Mars brachte mich auf den Gedanken, dass der Mars im individuellen Horoskop jeweils genau dort steht, wo zwischen den Eltern des Horoskopeigners eine Spannung bestand. Sie können das leicht überprüfen, bei existentiellen Spannungen zwischen den Eltern steht der Mars in Haus 1, bei sozialen und rechtlichen in Haus 2, bei intellektuellen Spannungen und Kommunikationsproblemen in Haus 3 usw.

Nehmen wir an, zwischen den Eltern bestanden weltanschauliche Spannungen (Mars in Haus 9). Dann wird das Kind diese Spannung zu lösen versuchen, indem es sich mit großer Energie mit weltanschaulichen Themen beschäftigt. Dies kann konstruktiv oder aggressiv geschehen. Das Kind kann ein energischer Pionier oder ein kritischer Rebell in Fragen der Weltanschauung werden, oder auch beides. Das ist die spezifische psychologische Logik des Mars, und die kann einem als Elternteil natürlich ganz gehörig auf die Nerven gehen. Vor allem dann, wenn man die Spannung in sich selbst noch nicht gelöst hat und das Kind durch seine Impulse und Handlungen das spannungsgeladene Thema immer wieder auf den Tisch bringt. Aber machen Sie sich nichts daraus. Der Mars tritt derartig zielsicher in jedes verborgene Fettnäpfchen, dass selbst Hellseher darüber nur staunen können. Es scheint, als hätte der Mars einen speziellen Sensor für Spannungen und als sei er nur allzu bereit, diesen als Ventil zu dienen. Die impulsiven Aktionen des Mars führen wie zwangsläufig dazu, dass verborgene, spannungsgeladene Inhalte rasch aktualisiert werden.

Energie ist auf Dauer nicht zu verdrängen. Sie wird irgendwann so oder so frei gesetzt. Konflikte oder die dauernde Eroberung neuer Terrains sind aber nicht die einzige und schon gar nicht die sinnvollste Möglichkeit, Energie um zu setzen. Sie erinnern sich, schon die antiken persischen und griechischen Astrologen sahen im Mars auch das Prinzip Wachstum. Tatsächlich liegt auch nach meta-astrologischer Sicht die höhere Entwicklungsmöglichkeit des Mars darin, dass dessen Energie kreativ und für das Wachstum innerhalb schon bestehender Terrains eingesetzt wird.

Soweit dieses Portrait des Mars

 23. März 2013  Veröffentlicht von um 17:19  Astrologie, Metaastrologie Tagged with: , , , , , , , , , ,  Keine Antworten »